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MAUTHAUSEN. Seit 2017 kommt der ehemalige syrische Flüchtling Judy Mardnli immer wieder in die KZ-Gedenkstätte, um hier zu malen. Hunderte berührende Bilder, in denen er den in Mauthausen inhaftierten und getöteten Menschen ein Gesicht gibt, sind entstanden. Nun ist eine Ausstellung geplant.

Künstler und Lehrer Judy Mardnli mit seinen Werken (Foto: Gerlinde Riegler-Aspelmayr)
  1 / 6   Künstler und Lehrer Judy Mardnli mit seinen Werken (Foto: Gerlinde Riegler-Aspelmayr)

Judy Mardnli weiß, was es heißt, durch die Hölle zu gehen. Als Kurde flüchtete er 2014 aus Syrien. Einem Land, in dem es keine Zukunft für ihn gab und in dem er nicht einmal seine Muttersprache sprechen durfte. Die lebensgefährliche Flucht war ein einziger Albtraum. Dann die letzte Station: ein Lkw. Tagelang eingepfercht mit vielen anderen auf engstem Raum ohne Wasser, Nahrung und Licht hatte er bereits mit seinem Leben abgeschlossen. Irgendwann ging die Tür des Lastwagens auf: in Österreich. Hier sollte ein neues Leben für Judy Mardnli beginnen. Man erkannte seine enorme Begabung, er erhielt die Chance, in Linz Kunst zu studieren. Heute ist er als freischaffender Künstler tätig und unterrichtet Kunst an einer Linzer Schule.

Bilder, die die Seele berühren

Was dies alles mit Mauthausen zu tun hat? Viel. Denn es waren wohl die Schatten seiner eigenen traurigen Vergangenheit, die ihn 2017 zum ersten Mal in die KZ-Gedenkstätte geführt hatten. Beim Anblick der Baracken verspürte er einen starken Drang zu malen. Er kam wieder. Immer und immer wieder. Ausgestattet mit Leinwänden, Pinseln, Stiften, Ölfarben, Tinte, Tusche. Seither sind Hunderte Bilder entstanden. Jedes einzelne berührt die Seele.

Eigenes Atelier in Gedenkstätte

Da Judy Mardnli ein Dauergast in der KZ-Gedenkstätte war, wurde ihm eines Tages am Areal ein eigenes Atelier zur Verfügung gestellt. Hier malt der heute 36-Jährige in jeder freien Minute. 2025 wird seinen Werken von Jänner bis November eine Ausstellung in der Gedenkstätte gewidmet sein. Sie wird den Titel „Wege in die Freiheit“ tragen.

Verbindung zu Opfern

„Ich finde hier eine Quelle der Inspiration, wenn auch eine tieftraurige. Meine Bilder sind ein Versuch, an die hier getöteten Menschen zu erinnern und ihre Seelen darzustellen. Ich spüre eine Verbindung zu ihnen“, versucht Judy Mardnli seinen inneren Antrieb in Worte zu fassen. Letztlich geht es um Heilung und Aufarbeitung, aber vor allem auch um ein Hinschauen anstatt des Wegschauens. Auch wenn Mardnlis berührende Bilder dem Betrachter einen Stich im Herzen versetzen – sie erinnern daran, zu welch Grausamkeiten Menschen im Stande sind. Damals – in Mauthausen – und auch heute noch in allen Teilen der Erde, wo Krieg geführt wird.

Neues Programm: „Artist@Mauthausen“

Inspiriert durch Judy Mardnlis bewegende Geschichte möchte das Memorial Mauthausen in Zukunft ein neues Programm starten. Unter dem Titel „Artist@Mauthausen“ will man Künstlerinnnen und Künstlern die Chance geben, Werke mit Bezug zum ehemaligen Konzentrationslager am Areal der Gedenkstätte auszustellen.


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