Endlager für Atommüll könnten an Grenze zu Tschechien sein
TEMELIN/MÜHLVIERTEL. Die tschechischen Atomkraftwerke Temelín und Dukovany produzieren jährlich 100 Tonnen radioaktive Abfälle. Nun steht auch ein Standort in unmittelbarer Nähe zu Temelín zur Debatte.

Der giftige Atommüll liegt momentan in kleineren Zwischenlagern und soll ab 2065 in ein sogenanntes Endlager in 500 bis 700 Metern Tiefe kommen. Wo sich dieses Endlager befinden soll, ist aber noch nicht geklärt. Geologen haben bereits sieben Gebiete gefunden, die sie für sicher genug halten. Die betroffenen Gemeinden wehren sich gegen die Pläne und so sind seit 2018 zwei neue Endlager-Standorte in unmittelbarer Nähe zu den AKWs Dukovany und Temelín im Gespräch.
Langwierige Standort-Suche
Der tschechische Energie-Experte und Umweltaktivist Edvard Sequens hält nichts von diesen Standorten: „Der tschechische Staat denkt über solche Standorte nach, da er sich dort eine positive Einstellung der Bevölkerung erwartet.“
Subventionen für betroffene Gemeinden
In Temelín, wo der Standort Temelín-Süd als Endlager in Frage kommt, kann tatsächlich mit wenig Widerstand gerechnet werden: Die Atomkraftwerke sind wichtige Arbeitgeber in der Region und die teilstaatliche Betreiberfirma ČEZ unterstützt die Gemeinden mit Subventionen. So erhält das 800-Seelen-Dorf Temelín jedes Jahr umgerechnet 38.000 Euro von ČEZ. Als Entschädigung für die geologischen Untersuchungen in Temelín-Süd sollen die betroffenen Gemeinden sogar rund 500.000 Euro pro Jahr bekommen.
Widerstand aus Oberösterreich
Während sich rund um Temelín noch wenig Widerstand regt, ist das Land Oberösterreich alarmiert. „Temelín-Süd liegt nur 57 Kilometer von der Landesgrenze entfernt. Umweltlandesrat Rudi Anschober kündigt Widerstand an, der in Zusammenarbeit mit den Bewohnern vor Ort erfolgen soll. „Wir werden alle politischen und rechtlichen Maßnahmen ausschöpfen“, sagt Anschober.
Fehlende Transparenz
Petr Nohava, Bürgermeister der Gemeinde Plůhuv Žd“ár, die 38 Kilometer von Temelín entfernt ist und im Gebiet des möglichen Standorts Čihadlo liegt, steht der Endlager-Suche ähnlich kritisch gegenüber. Nohava ist Sprecher der 2016 gegründeten „Plattform gegen das Endlager“, die sich aus 31 Gemeinden und 14 Vereinen zusammensetzt. Alle Mitglieder der Plattform sind von einem der möglichen Standorte betroffen. Kritik äußert er vor allem am Auswahlverfahren: „Die Wahl des Standorts wird ohne die Beteiligung der Gemeinden getroffen. Außerdem sind die Kriterien nicht sehr klar definiert. Wenn der Staat nicht imstande ist, die Auswahl transparent zu treffen, können wir auch nicht auf die Sicherheit vertrauen“, sagt Nohava.
Sicherheitsbedenken
Die sechs Blöcke der AKWs Temelín und Dukovany werden bis zum Bau des Endlagers zwar „nur“ 3.500 Tonnen radioaktive Abfälle produzieren. Doch Tschechien plant einerseits eine Laufzeitverlängerung der AKWs von 40 auf 60 Jahre und andererseits den Bau drei weiterer Reaktorblöcke. Dadurch ergeben sich 10.000 Tonnen, für die das Endlager ausgelegt sein muss. Landesrat Anschober bezweifelt die Sicherheit eines solchen Endlagers: „In Deutschland geht man von etwa einer Million Jahren aus, in denen das Endlager Sicherheit vor der radioaktiven Strahlung bieten muss. Das ist in Wirklichkeit unmöglich.“


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