Hiesl: "Politik ist wie eine Droge, von der man nicht so schnell loskommt"
PERG/LINZ. Drei Jahrzehnte lang gestaltete Franz Hiesl die Entwicklungen Oberösterreichs sowie jene der Region Perg in verantwortungsvollen Positionen mit – nun zieht sich der Perger aus der Spitzenpolitik zurück. Tips bat den Landeshauptmann-Stellvertreter in seiner letzten Arbeitswoche im Büro Landesdienstleistungszentrum Linz zum Abschiedsinterview.

Tips:Am 22. Oktober ist ihr letzter Arbeitstag. Mit welchem Gefühl verlassen Sie die Politik?Franz Hiesl: Der Mensch hat die Eigenschaft, dass er sich am liebsten nur die positiven Dinge merkt. Grundsätzlich überwiegt der Stolz über Erreichtes und auch darauf, dass es auch im harten Feld der Spitzenpolitik gelungen ist, Freundschaften über Jahrzehnte zu pflegen und aufrechtzuerhalten. Ich denke da nur an jene mit Josef Pühringer, Christoph Leitl, Friedrich Bernhofer oder Gottfried Kneifel.
Tips:Was war ihr Rezept, um über einen so langen Zeitraum erfolgreich sein zu können?
Hiesl: Das Erfolgsgeheimnis liegt genau in meiner langen Funktionsperiode begründet. Ich habe auch nach zehn Jahren Politik noch nicht alles gewusst. Projekte im Bereich Straßenbau sind meist langwierig. Wenn jemand nur eine Periode im Amt ist, sieht derjenige nicht einmal das Endergebnis einer Entscheidung.
Tips:Gab es eine Entscheidung, die sie heute rückgängig machen würden?
Hiesl: Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, dann immer jene, die zu diesem Zeitpunkt bestmöglich war. Deshalb hab ich mir auch im Nachhinein darüber keine Gedanken gemacht. Natürlich kann man im Nachhinein immer diskutieren, aber ein Politiker muss sich zu gewissen Zeitpunkten auf eine Variante festlegen.
Tips:Welche negativen Erfahrungen haben Sie machen müssen?
Hiesl: Ich stelle fest, auch schon seit längerer Zeit, das Anspruchsdenken der Bevölkerung ist ein viel größeres geworden. Das Äußern von Unzufriedenheiten passiert viel direkter und es werden immer gleich die Nachteile gesehen. Trotzdem hat es mich eigentlich nie sehr beeindruckt, die zehn ersten Argumente von Gegnern bei einem Straßenbauprojekt kann ich Ihnen mit verbundenen Augen sagen. Es gibt auch immer einen Kasten, in den man Unterschriften werfen kann.
Tips:Auf welche Projekte sind Sie am Ende ihrer Politiker-Karriere am meisten stolz?
Hiesl: Aus Perger Sicht wäre da sicher der Münzbacher Zubringer, ohne den jeden Tag 6000 Autos mehr durch Perg fahren würden. Dazu zählen ebenso die B309, die Verbindungsstraße zwischen Enns und Steyr, die Welser Westspange, der Linzer Westring, der kurz vor dem Sommer noch beschlossen wurde, sowie auch die S10 im Mühlviertel, die im Dezember eröffnet wird.
Tips:Bislang war Ihr Leben sehr durch den Beruf bestimmt. Wie werden Sie nun als Privatperson ihre Freizeit verbringen?
Hiesl: Ein Jahr will ich gar keine Funktion ausüben. Ich möchte einfach die Dinge tun, die mich freuen, und nicht mehr die, die ich tun muss. Und ich werde meinen Hobbys nachgehen. Dazu zählen neben dem Laufen das Fischen, die Jagd, zu der ich leider viel zu wenig Zeit hatte bisher, das Fotografieren könnte mir auch wieder gefallen. Ich habe mir vor einiger Zeit einen Ordner „Nachher“ angelegt und darin gesammelt, was mir alles gefallen könnte. Ich muss ziemlich alt werden, damit ich das alles auch abarbeiten kann.
Tips:Wenn Sie einem jungen Politiker Tipps geben müssten, welche wären das?
Hiesl: Ich sage jedem: Wenn es euch interessiert, engagiert euch in eurer Gemeinde. Nicht immer nur schimpfen, sondern besser machen. Wenn man die Droge einmal genommen hat, dann lässt sie einem nicht mehr los. Ich lebe seit 1973 mit der Droge Politik. Wenn man dann auch noch Erfolg hat, bleibt man süchtig! ?


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