Offener Brief an Bürgermeister Erich Wahl anlässlich seiner Covid-Impfung

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Mag. Melanie Mai Mag. Melanie Mai, Tips Redaktion, 25.01.2021 11:22 Uhr

ST. GEORGEN AN DER GUSEN. Fraktionsobmann ÖVP St. Georgen an der Gusen und Fraktionsobfrau der Grünen von St. Georgen an der Gusen, Renate de Krujiff, haben sich mit einem offenen Brief an Bürgermeister Erich Wahl gewandt.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Wahl,

Lieber Erich,

Deine Covid Impfung im Rahmen der Impfung des Personals und der Bewohner des Seniorenwohnheims von St. Georgen an der Gusen hat in den letzten Tagen die Wogen medial und auch in der Bevölkerung sehr hochgehen lassen. Nachdem wir nun deine schriftliche Stellungnahme zur Begründung deines Handelns erhalten haben, möchten wir dir auch unsere Sicht der Dinge darlegen. Da wir festgestellt haben, dass unsere Ansichten in dieser Frage sehr nahe beieinander liegen, werden wir dies als Vertreter*innen der St. Georgener ÖVP und GRÜNEN diesmal gemeinsam tun. 

Du schreibst in deiner Stellungnahme vom 20.01:  Deiner Ansicht nach sei es aufgrund der Corona-Pandemie, zur Wahrnehmung deiner Verpflichtungen als Dienstvorgesetzter des Seniorenwohnheims, erforderlich gewesen „häufiger und intensiver“ mit Personal und Bewohner des Seniorenwohnheims in Kontakt zu treten, als vor der Krise. Daher sei deine Impfung im Rahmen der derzeitigen Bestimmungen gerechtfertigt.

Deine Vorgangsweise rechtlich zu beurteilen obliegt derzeit den zuständigen Stellen. Dem wollen wir nicht vorgreifen. Wir anerkennen deine Bemühungen in diesen schwierigen Zeiten durch viel persönliche Präsenz im Seniorenwohnheim einen Beitrag zur Überwindung der Krise zu leisten. Auch können wir deinen Wunsch, die Bewohner durch deine Impfung zu schützen, nachvollziehen. Dennoch hätten wir uns von dir ein anderes Vorgehen erwartet!

Als Bürgermeister und Politiker in vielen weiteren Funktionen hat man von Amtes wegen sehr viele Kontakte mit vielen verschiedenen Menschen und ist dadurch einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Wir hätten es daher für verantwortlicher gehalten, wenn du von Beginn der Pandemie an, deine Aufenthalte im Seniorenwohnheim auf das unbedingt nötige Ausmaß reduziert hättest, anstatt dich noch häufiger dort aufzuhalten. Schließlich gibt es vor Ort einen Heimleiter und eine Pflegedienstleitung die gute Arbeit leisten! Viele Unternehmen und auch die Organe der öffentlichen Verwaltung haben in den letzten Monaten gezeigt, dass es möglich ist Führungsverantwortung wahrzunehmen, und trotzdem die direkten Kontakte auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Wo bleibt hier dein Vorbild? Eine Impfung schützt dich selbst vor einem schweren Krankheitsverlauf. Laut derzeitigem Stand des Wissens (Homepage AGES 21.01.2021) ist nicht bekannt, ob geimpfte Personen niemanden mehr mit Covid-19 anstecken können. Wir appellieren daher an dich, trotz Impfung, die Kontakte im Seniorenwohnheim auf das unbedingt nötige Maß zu reduzieren, und andere Wege zu finden, wie du dort und anderswo deiner Verantwortung nachkommen kannst!

Gerade jetzt, in einer Zeit der Unsicherheit und der Abschottung von Risikogruppen vom Rest der Gesellschaft, wäre es aus unserer Sicht ein besseres Vorbild gewesen, wenn du Personen aus der vulnerablen Bevölkerungsgruppe den Vortritt gegeben hättest. Die jetzt aufflammenden Diskussionen schaden dem Ansehen des Amtes des Bürgermeisters und schüren Zweifel an der Fairness der Verteilung des kostbaren Impfstoffes.

Geimpft oder nicht. Einschränken der Kontakte, Maske tragen, Abstand halten und die Einhaltung der Hygieneregeln werden noch einige Zeit ungeliebte, aber notwendige Begleiter unseres Alltags bleiben. Zum Schutz der Bewohner*innen des Seniorenwohnheims und all der vielen Menschen, mit denen du als Politiker tagtäglich Kontakt hast, fordern wir dich daher dringend auf, dein Verhalten zu überdenken!  Die kommenden Monate werden für uns alle nicht leicht werden. Gerade wir als Politiker*innen sind jetzt gefragt mit gutem Beispiel voranzugehen, und vor allem unser Möglichstes dazu beitragen, die Menschen in unserem Umfeld vor Ansteckung zu schützen. Sollte dir das in den kommenden Monaten nicht besser gelingen als bisher, legen wir dir dringend Nahe deine Eignung für das Amt des Bürgermeisters gründlich zu überdenken!

 

Leserbrief von

Andreas Derntl Fraktionsobmann ÖVP St. Georgen an der Gusen

Renate de Kruijff Fraktionsobfrau GRÜNE St. Georgen an der Gusen

 

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Kommentare

  1. Aussteiger
    Aussteiger01.02.2021 17:50 Uhr

    arme Bürgermeister - Solche Charakterschwächlinge sollte man gar nicht ernst nehmen. Sie sind selbst gestraft mit ihrem Hang zur Selbstdarstellung und dem Glauben wichtig und unabkömmlich zu sein. Die Angst als "Hochrisikopatient" treibt sie zu solchen Taten die immer sofort fadenscheinig begründet werden. Bitte habt Mitleid, denn sie können nicht anders und es werden viele folgen von den Charakterzwergen.

  2. Maio70
    Maio7030.01.2021 18:53 Uhr

    Beistriche - Für einen offenen Brief zu viele Beistrichfehler....

    • Why wahl04.02.2021 15:45 Uhr

      Ist kleinlich - Naja das find ich nicht so das Problem. Ich glaub ja, dass der das nicht selber geschrieben hat - hatte sonst nicht das Gefühl, dass der sich gut ausdrücken kann. Der Wahl kreiert die Meinung die er gerade braucht und lässt sie dann durch andere ausdrücken, ein Hardcore Politiker, mit dem gemeinen Mann hat der nichts zu tin. Was ist los mit der SPÖ, haben die echt nichts besseres? Glauben die ihre eigenen Märchen?

  3. Fritz Baumgartner
    Fritz Baumgartner29.01.2021 23:02 Uhr

    Impfstoff-Fabriken! Sofort und Weltweit - Es muss doch rechtlich, technisch und logistisch möglich sein, dass auch das Gewöhnlichvolk jederzeit zu einem Impfstoff kommen kann, und das weltweit, in Afrika genau so wie in Südamerika und im Unteren Mühlviertel ! Wir Volk stehen noch nicht einmal in der Warteschlange und vorne agieren ungustiös ein paar moralisch mutierte Bürgermeister mit Ellbogentechnik. In meiner jugendlichen Tramperzeit war es selbst auf jeder Griechenlandinsel möglich ein Löwenbräu zu trinken, ohne dass dieses zentral vom Löwenbräukeller München ausgeliefert werden musste. Es war „licensed by Bavaria …“. Wir brauchen umgehend weltweit Produktionsfabriken für Impfstoffe. Es wird ja juristisch wohl möglich sein, die Patente und Rezepte gegen entsprechende Tantiemen von den börsenotierten Pharmakonzernen auf Augenhöhe zumindest befristet herauszuverhandeln. Für die jahrzehntelange vorbereitende Molekular-Forschung an den Universitäten haben ja auch wir Steuerzahler hergehalten! Bei diesem Impfstoff darfs nicht prioritär um Macht und um Milliardengewinne für ein paar Börsianer gehen. Hier geht’s ums Überleben der Menschheit, weltweit!

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