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Wolfgang Wimmer: „Die Wahrheit zur Teuerung ist bei den Leuten noch nicht angekommen“

Michaela Primessnig, 17.01.2023 11:40

BEZIRK PERG. Die Teuerung und die Energiekrise machen auch den heimischen Unternehmen im Bezirk Perg massiv zu schaffen. Tips hat Wirtschaftskammer-Bezirksobmann Wolfgang Wimmer befragt, wo der Schuh am meisten drückt und wie er in das Jahr 2023 blickt.

WK-Bezirksobmann Wolfgang Wimmer (Foto: Mario Buchberger)
WK-Bezirksobmann Wolfgang Wimmer (Foto: Mario Buchberger)

Tips:Wie geht es den Betrieben im Bezirk? Wie blicken Sie dem neuen Jahr entgegen?

Wimmer:Die Wahrheit über die Teuerung ist bei den Leuten und auch den Unternehmen leider noch gar nicht angekommen, weil sie es auf den Rechnungen noch nicht schwarz auf weiß haben. Die Beunruhigung ist aber schon überall zu spüren. Wir werden diese Krise bewältigen müssen, aber die Frage wird sein, zu welchem Preis.

Tips: Wie kann man diese Krise gut bewältigen?

Wimmer:Vielleicht fehlt gar nicht so viel – damit wir wieder alles in die richtigen Bahnen bringen. Die derzeitige Situation ist weder für die Menschen noch für die Unternehmer eine leichte. Wenn man von der Pandemie etwas Positives mitnehmen konnte, war es vor allem zu Beginn das Zusammenrücken. Eine Tugend, die auch künftig sehr wesentlich sein wird, ob wir die Herausforderungen gemeinsam gut bewältigen. Bisher haben Unterstützungen vieles abhalten können, aber Umsatzersatz und Gießkannenprinzip werden sich auf Dauer nicht ausgehen, um das zu lösen.

Tips:Immer wird aber nach Förderungen gerufen. Wie sollte das dann aussehen?

Wimmer:Ich würde mir wünschen, dass wir diese Instrumente gar nicht benötigen und schneller auf „sehbare“ Entwicklungen entgegenwirken. Die Energiekrise wird uns noch viel mehr beschäftigen, als uns lieb ist. Jetzt Milliardengewinne abzuschöpfen, um sie zum Teil wieder verteilen zu können, ist doch nicht verständlich. Ein Einwirken gegen diesen Lobbyismus wäre sicher zielführender gewesen.

Tips:Ein großer Brocken ist auch der Arbeitskräftemangel. Wie kann man hier gegensteuern?

Wimmer:Es würde nicht viel brauchen und wir könnten der Situation am Arbeitsmarkt positiv entgegenwirken. Wir müssen einfach Menschen, die einer Arbeit nachkommen, mehr Entlastung geben. Die Work-Life-Balance, alles schön und gut, aber die kommt oft aus der Ziellosigkeit. Es muss möglich sein, mit Arbeit wieder persönliche Ziele und Perspektiven zu erreichen. Leistung ist bei uns viel zu hoch besteuert. Wir haben so viele Menschen wie noch nie in Arbeit, aber wir brauchen oft zwei für einen Arbeitsplatz. Um das Potential der 62+-Generation wissen wir alle. Viele von ihnen möchten noch gerne arbeiten, aber ohne Anreiz wird das nicht gehen.

Tips:Täglich hört man in den Medien von weiteren „Mangelerscheinungen“ in unserem System, die schwächen. Wie sehen Sie das?

Wimmer: Es hat sich eine Art von konsequenzloser Verantwortungslosigkeit breitgemacht. Hier gibt es Verantwortliche, die ihre Arbeit nicht machen und ich finde es vermessen, alles auf die Politik zu schieben. Dort läuft vieles nicht rund und man hat das Gefühl, dass außer gegenseitiger

Diffamierung kaum noch etwas Platz findet. Und da schließt sich der Bogen. Zusammenrücken, sich bewusst machen, warum man gewählt wurde. Um Richtiges zu tun, über den eigenen Tellerrand blicken. Ich bin davon überzeugt, dass nicht viel fehlt, wenn jeder wieder einmal sich seiner Aufgabe und Verantwortung bewusst wird.

Tips: Da schwingt bei den vielen kritischen Tönen auch Optimismus für 2023 mit?

Wimmer: Ja, aber sicher doch. Die Zeit wird eine herausfordernde, aber wenn wir Menschen und Unternehmer finden, die den Schubkarren ziehen, dann schaffen wir das. Ideen zulassen,

Zusammenhalt stärken, Regionalität leben und über das eigene „Ich“ blicken, dann wird es ein gutes Jahr 2023!


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