Ein Jahr im Bürgermeisteramt
PÖGGSTALL. Seit ziemlich genau einem Jahr fungiert Margit Straßhofer als Bürgermeisterin der Marktgemeinde im südlichen Waldviertel und ist eine von nur 137 Frauen in Österreich, die dieses Amt bekleiden. Im Tips-Interview zieht die Pöggstallerin über das intensive Jahr Bilanz.

Tips: Wie erging es Ihnen in Ihrem ersten Jahr als Bürgermeisterin?
Straßhofer: Dieses Jahr, in dem wir als Team sehr viel umsetzen konnten, ist schnell ergangen. Sehr erfreulich waren für mich die vielen Gespräche mit der Bevölkerung, aber auch mit Gästen, die unsere Leistungen und das Niveau honorieren. Wir pflegen eine gute Diskussionskultur, daher macht es Freude, Gestaltungsvorschläge, Neuerungen und Ideen einzubringen, weil dies alles Anerkennung findet.
Tips: Seit Amtsantritt beschäftigen Sie sich mit großen Themen wie Asylpolitik oder der Austragung der Landesausstellung. Was war die größte Herausforderung bislang?
Straßhofer: Beim Asylthema liegt die größte Herausforderung darin, immer wieder zu erklären, dass dieses sehr schwierige Thema nicht alleine auf Gemeindeebene gelöst werden kann. Unverständlich ist es aber auch, dass es noch immer Gemeinden gibt, die bis jetzt noch keinen einzigen Flüchtling aufgenommen haben. Die Vorbereitungen auf die Landesausstellung zählen hingegen zu den schönsten Herausforderungen. Es ist eine sehr fordernde, lehrreiche und interessante Zeit, von der ich keine Minute missen möchte. Auf diese Entwicklung unserer Gemeinde können und dürfen wir stolz sein.
Tips: Was hat Sie am meisten überrascht in Ihrer jetzigen Funktion?
Straßhofer: Überraschend ist für mich, dass es in der heutigen Zeit noch viele positiv denkende, dankbare und idealistische Mitbürger gibt, die konstruktive Ideen einbringen oder sich auch für Kleinigkeiten bedanken.
Tips: Sie sind bereits seit langer Zeit in der Politik tätig. Was war der Grund in die Politik zu gehen?
Straßhofer: Ich bin mit Politik groß geworden. Vor elf Jahren wurde ich dann gebeten, in der Kommunalpolitik mitzuarbeiten und konnte sodann als geschäftsführende Gemeinderätin und Vizebürgermeisterin viele Erfahrungen sammeln. Der Grund für den Einstieg war, dass mir meine Heimat am Herzen liegt und ich viel Potential sehe.
Tips: Wie sieht ein Durchschnitts-Tag einer Bürgermeisterin aus?
Straßhofer: In den letzten Monaten bin ich im Durchschnitt rund zehn Stunden im Einsatz. Die Tagesabläufe sind sehr unterschiedlich, da das Amt einer Bürgermeisterin viele verschiedene Bereiche umfasst. Dies sind etwa Mitarbeitergespräche, Telefonate, unterschiedlichste Verhandlungen, Lokalaugenscheine, Ehrungen, Vernetzungsgespräche, Repräsentationsaufgaben, Auswärtstermine in der Landesregierung sowie bei diversen Ämtern und Behörden, Sprechstunden, Besuche von Veranstaltungen, Abendtermine, und so weiter. Resultierend aus den Landesausstellungs-Vorbereitungen sind zusätzliche Aufgaben wahrzunehmen. Das Amt erfordert auch, dass man sich den Anlässen entsprechend vorbereitet und vor allem die Termine gut koordiniert. Zudem fungiere ich als Unternehmerin. Daher ist es umso wichtiger Prioritäten zu setzen, Synergien zu nutzen und Flexibilität an den Tag zu legen.
Tips: Wo liegen die Schattenseiten in der Bürgermeister-Funktion?
Straßhofer: Das Berufsbild des Bürgermeisters hat sich im Vergleich zu früher unglaublich verändert. Zunehmend werden Kommunalpolitiker zu einer Mischung aus Manager, Mediator und Sonstigem. Die begrenzten finanziellen Mittel machen es nicht leichter, Großes für die Gemeinde bewegen zu können. Das Zitat „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ gilt auch für mich als Bürgermeisterin.
Tips: Gibt es politische Vorbilder?
Straßhofer: Zu den größten Visionären zählen für mich Landeshauptmann Erwin Pröll und sein Stellvertreter Wolfgang Sobotka. Auch die ehemalige Bundesministerin Marilies Flemming und die Bundesministerin Dorothea Schittenhelm nehmen für mich eine Vorbildfunktion ein. Sie haben Handschlagqualität, Weitblick, Glaubwürdigkeit, Selbstdisziplin und Optimismus.
Tips: Gerade das südliche Waldviertel hat mit gravierenden Problemen wie Landflucht und dem Aussterben der Nahversorger und Dorfwirte zu kämpfen. Wo sehen Sie Ihre persönlichen Stärken, mit denen Sie Pöggstall in eine sichere Zukunft führen wollen?
Straßhofer: Die Landesausstellung wird sicher für touristische Impulse sorgen. Gerade in diesem Bereich hoffe ich, dass diese Chance auch von allen genutzt wird. Zurzeit haben viele Gemeinden mit Problemen wie Abwanderung oder fehlenden Betriebsgründungen zu kämpfen. Ich möchte mit meinem Team mit der Schaffung von kleineren Dienstleistungsjobs, dem Angebot an leistbaren Wohnungen, dem Projekt „Junges Wohnen“ sowie der Schaffung von neuem Bauland dem Negativtrend entgegensteuern. Durch die Aufwertung des Zentrums und die damit einhergehende Entwicklung der verschiedenen Ortsteile wollen wir uns im südlichen Waldviertel klar positionieren. Kultur, Wohn- und Lebensqualität und eine gesunde, nachhaltige, wirtschaftliche und bürgerfreundliche Entwicklung werden die Alleinstellungsmerkmale unserer Gemeinde sein.
Tips: Wo sehen Sie sich persönlich in fünf Jahren?
Straßhofer: Ich beschäftige mich eher nicht damit, was in fünf Jahren sein wird, denn ich bin gefordert hier und jetzt zu arbeiten, zu gestalten und sowohl Pöggstall, meine Firma als auch mein persönliches Umfeld in eine erfolgreiche Zukunft zu führen und die jetzt anstehenden Herausforderungen anzunehmen.


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