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RIED. Liebhaber der traditionelleren Malerei hatten in der vorigen Woche in Ried zwei Pflichttermine: Die Eröffnung der Ausstellung „Große Innviertler“ bei Kössl am Roßmarkt und die große Wilhelm-Dachauer-Schau im Museum Innviertler Volkskundehaus.

  1 / 2   Gastgeber, Organisatorinnen und Leihgeber (v. l.): Andreas Maurer, Elisabeth Stumpfoll, Kulturamtsleiterin Sieglinde Frohmann, Eröffnungsrednerin Verena Träger, Hedwig Stumpfoll, Bgm. Albert Ortig, Vzbgm. Gabriele Luschner, Philipp Illming (Foto: Tips

Die Kunsthistorikerin Verena Traeger brachte den Vernissagenbesuchern im Volkskundehaus Leben und Werk Dachauers ausführlich und interessant nahe und zeigte auch die Verwandtschaftsverhältnisse des Malers auf. Traeger: „Dachauer ist mit halb Ried verwandt.“

Zielstrebig

Der 1881 in Ried geborene Dachauer wusste schon mit fünf Jahren, dass er Maler werden wollte. Mit 14 ging er nach Wien, um dort eine Lehre als Zimmer- und Dekorationsmaler zu beginnen; 1899 wurde er an der Akademie aufgenommen, in der er 1927 Professor und 1939 Leiter einer Meisterschule wurde.

Akademischer Maler

Dachauer war ein „klassischer“ akademischer Maler mit herausragendem handwerklichen Können, der immer dem Traditionalismus verbunden blieb. Ab den 20er-Jahren malte er viele Allegorien, die oft zu Entrüstung von kirchlicher Seite führten – dennoch gestaltete er den Marienaltar in der Rieder Stadtpfarrkirche. Er nahm aber auch Aufträge für Etiketten an und gestaltete eine Reihe von Briefmarken – was dazu führte, dass er heute international in der Philatelie bekannter ist als in der Kunstgeschichte.

Ideologische Malerei

Sein Malstil und viele seiner Themen, vor allem die verherrlichende Darstellung des Landlebens, „passten“ bestens zur nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie. Trotzdem ist das in der Ausstellung gezeigte „Erde und Bauer“, das in seiner heroischen Überhöhung nach heutigen Maßstäben fast karikaturenhaft und geradezu typisch für diese Ideologie wirkt, schon von 1923.

Andererseits griff Dachauer für ein Gemälde, das 1944 als Geschenk Hitlers an Mussolini von der Reichskanzlei gekauft wurde (und von dem eine Vorstudie in der Ausstellung zu sehen ist, samt Hakenkreuz und Faszienbündel), deutlich auf Elemente des damals eigentlich verpönten Jugendstils zurück.

„Minderbelastet“

Nach dem Kriegsende wurde Dachauer sofort von der Akademie suspendiert (zu Recht: als Rektor erklärte er unter anderem die Werke Maria Lassnigs als „entartet“) und durfte 1946 auch nach seiner Einstufung als „minderbelastet“ nicht zurückkehren. Er starb 1951 in Wien an den Folgen einer Krebserkrankung und ist in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof begraben.

Umfassende Werkschau

Die von Sieglinde Frohmann zusammengestellte Ausstellung bietet mit rund 160 Arbeiten einen tiefen Einblick in das Werk Dachauers. Gezeigt werden vor allem viele Zeichnungen und kleinere Gemälde, aber auch mehrere großformatige Werke und einige interessante Werkreihen von der Skizze bis zum fertigen Bild.

Große Innviertler bei Kössl

Die Ausstellung „Große Innviertler“ in den Geschäftsräumen von Kössl Kunst & Teppich zeigt ebenfalls Werke von Wilhelm Dachauer und außerdem mehr als 40 Arbeiten der Bildhauerfamilie Schwanthaler.

Prunkstück dieser Werke ist das Relief „Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers“ von Johann Peter Schwanthaler dem Älteren, von dem es nur ein Pendant im Wiener Belvedere gibt.

Von Wilhelm Dachauer ist neben Zeichnungen und kleineren Gemälden auch „Der Sturzacker“ zu sehen, eines seiner zentralen Gemälde und das Lieblingsbild von Dachauers Tochter, von der Peter Kössl seinerzeit die Verlassenschaft des Malers erwarb.

Kubin bis Fischlhammer

Daneben präsentiert Kössl auch zahlreiche Werke anderer innviertler Maler und Zeichner aus mehreren Jahrunderten, von Alfred Kubin, Franz Xaver Weidinger und Roman Erich Petsche über Wilhelm Träger, Walther Gabler bis Reinhard Adlmannseder und Hubert Fischlhammer.

Letzte Ausstellung in Ried

Für Peter Kössl ist es die „aller-, aller-, allerletzte Ausstellung“ im Haus am Roßmarkt, da er sein Geschäft nach Wien verlegt hat. Bürgermeister Albert Ortig würdigte Kössl bei der Eröffnung für seine fast 42-jährige unternehmerische Tätigkeit in Ried und für sein Fachwissen. Sein Betrieb habe viele Besucher nach Ried gebracht.

Ausstellung „Wilhelm Dachauer“

  • Ried, Museum Innviertler Volkskundehaus
  • Geöffnet: Di–Fr 9–12 und 14–17 Uhr, Sa 14–17 Uhr
  • Ausstellungsdauer: bis 14. September

Ausstellung „Große Innviertler“

  • Ried, Kössl Kunst & Teppich, Roßmarkt 35
  • Geöffnet: Di–Fr 10–12 und 15–18 Uhr, Sa 10–12 Uhr
  • Ausstellungsdauer: bis 6. Juli

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