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BEZIRK. Die HBLW-Ried-Absolventin Yvonne Kaisinger lebt für interkulturellen Dialog und Multilingualität und kann Fremdes nicht als Bedrohung wahrnehmen. Pädagogin Maria Planitzer von der HBLW Ried sprach mit Yvonne Kaisinger.

Yvonne Kaisinger erkundete unter anderem die Insel Hawaii.
Yvonne Kaisinger erkundete unter anderem die Insel Hawaii.

Sehr stolz ist die HBLW Ried auf ihre Absolventin, die nach der Matura am Sprachenzweig der Schule nun ihre Dissertation im Fach Amerikanistik und Anglistik in Salzburg abgeschlossen hat, zur Zeit am Institut lehrt und am Afro-Asiatischen Institut in Salzburg das „Eine Welt Stipendium“ für Studierende aus Asien, Afrika und Lateinamerika betreut. Die HBLW führte anlässlich der Beendigung ihrer Dissertation ein Interview mit ihrer erfolgreichen Absolventin.

Wann hattest du deine ersten Begegnungen mit fremden Sprachen und wann hast du fremde Kulturen erstmals als interessant erlebt?

Yvonne Kaisinger: Ich entwickelte durch meine Lust am Lesen schon sehr früh Freude an fremden Sprachen und Kulturen. So habe ich in der Volksschule Englisch und freiwillig Französisch gelernt. In der Hauptschule wurden wir mit Internationalität vor allem durch ein Comeniusprojekt mit Schulen aus Kempten und Palermo konfrontiert. Meine erste Flugreise und meinen Palermo-Aufenthalt in einer italienischen Familie werde ich nie vergessen.

Du hast die HBLW Ried als weiterführende Ausbildung gewählt. Wurden deine hohen Erwartungen an den Sprachenzweig der Schule erfüllt?

Yvonne Kaisinger: Die HBLW Ried hat mit ihren fünf Fremdsprachen – Englisch, Französisch, Italienisch und auf freiwilliger Basis Spanisch und Russisch – meine Sprachenbegeisterung in vielerlei Hinsicht gefördert und intensiviert. Eine besondere Chance bot für mich die Möglichkeit, das dreimonatige Pflichtpraktikum zwischen dritter und vierter Klasse im Ausland zu absolvieren. Ich trat eine Stelle in einem Vier-Sterne-Hotel in Bournemouth in England an und arbeitete dort erstmals mit Kollegen aus aller Welt zusammen. Wir sind zu einer großen internationalen Familie geworden und ich hab“ zu vielen Freunden aus dieser Zeit nach wie vor Kontakt. Ein besonders schönes Ereignis war, als ich Trauzeugin eines finnischen Freundes aus dieser Zeit sein durfte.

Wie waren deine Pläne nach der Matura? Wie kam es zur Entscheidung, Anglistik zu studieren?

Yvonne Kaisinger: Ich wollte mir nach der Matura ein Jahr Auszeit nehmen und ein Regenwald-Projekt der Österreicher in Costa Rica unterstützen. Wir absolvierten zu zweit zunächst einen Sprachkurs in Boquete in Panama und lebten in einer Gastfamilie, um Kultur und Sprache intensiver kennenzulernen. Die Familie wird mir immer in Erinnerung bleiben, da wir sofort über alle Maßen großzügig im Kreis der ärmlichen Familie aufgenommen wurden. Nach Weihnachten und Silvester mit Freunden in Panama City arbeiteten wir zwei Monate als Voluntärinnen in der Esquinas Rainforest Lodge und erkundeten den Regenwald. Angeregt vom Regenwaldprojekt, begann ich im Herbst 2007 in Salzburg Ökologie zu studieren. Schon bald wurde mir aber klar, dass ich mein Leben lang Sprachen gelernt hatte und diesen Aspekt einfach nicht missen wollte. Ich inskribierte also Englisch und schloss den ersten Studienabschnitt in Rekordzeit ab. Schon bald arbeitete ich als Tutorin und anschließend als Studienassistentin im Fachbereich Amerikanistik. Schließlich beendete ich mein Diplomstudium, nahm eine Stelle als Universitätsassistentin der Amerikanistik an und verfasste eine Dissertation zum Thema „An Ocean of Words: Literature and the Environment on Caribbean and Pacific Islands“. Ich nahm an zahlreichen Konferenzen teil, war in der Organisation von Workshops tätig und begann, Literaturkurse zu unterrichten.

Du kannst auf eine Reihe von Auslandsaufenthalten zurückblicken, welche haben dich besonders geprägt?

Yvonne Kaisinger: Nach einem Sommer auf einer Gemüsefarm in Irland hat mich das Studienjahr an der University of Maine in Orono/USA besonders fasziniert. Studierende aus unterschiedlichen Ländern begleiteten mich auf diesem großen Campus einer kleinen amerikanischen Stadt, der von Natur umgeben ist. Ich lernte neben typisch amerikanischen Festen wie Thanksgiving und den berühmten Städten New York City und Boston auch menschenleere Wälder und Seen im Norden von Maine kennen. Im Zusammenhang mit meiner Dissertation unternahm ich eine Reihe von Forschungsreisen auf karibische und pazifische Inseln. Besonders in Puerto Rico und auf Hawaii sah ich vor Ort, wie sehr diese Inseln von der kolonialen Geschichte und der neoliberalen Gegenwart geprägt sind und wie stark bedroht dort die Ökosysteme sind. Besonders beeindruckend war für mich 2015 mein langjähriges Wunschziel – Neuseeland. Die Erkundung beeindruckender Landschaften faszinierte mich ebenso wie die Kultur der Maori oder der wissenschaftliche Austausch mit KollegInnen neuseeländischer Universitäten. Man muss Fremde/s als Chance und als Bereicherung sehen.


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