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RIED. Menschen leben zunehmend an mehr als einem Ort. Daraus resultieren viele Chancen für den ländlichen Bereich, gleichzeitig wird aber auch Unterstützung benötigt. Die Regionalmanagerinnen Stefanie Moser und Sandra Schwarz koordinieren mit dem Regionalverein Inn-Salzach-Euregio ein Agenda 21 Impulsprojekt zum Thema Multilokalität. Sie erklären was damit gemeint ist und welche erste Projektergebnisse entstanden sind.
von Gastredakteur Anton Planitzer

V. l.: Stefanie Moser und Sandra Schwarz Foto: RMOÖ GmbH
V. l.: Stefanie Moser und Sandra Schwarz Foto: RMOÖ GmbH

Der Verein Inn-Salzach-Euregio beschäftigt sich schon längere Zeit unter dem Titel „StadtLandler“ mit der Frage der Multilokalität. Was kann man sich unter Multilokalität vorstellen? Was sind die wesentlichen Punkte bei diesem Projekt? Wie muss man sich das Vorgehen bei so einem Projekt vorstellen?

Stefanie Moser: Multilokale sind Menschen, die an mehreren Orten daheim sind. Sie schwärmen aus – beispielsweise aufgrund von Ausbildung, Beruf, oder auch Freizeitmotive spielen dabei eine Rolle – fühlen sich aber auch einer zweiten Region/Gegend, meist der Herkunftsgemeinde verbunden. Dieses „heute da und morgen dort“ bezeichnen wir als multilokal. Dies ist ein Lebensstil, der in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt und auch aufgrund der zunehmenden Mobilität von Daten und Personen lebbar ist. Die Welt rückt zusammen – das ist mittlerweile auch im Innviertel gut spürbar.

Sandra Schwarz: Im Innviertel hat sich im Rahmen des Projekts ein engagiertes Netzwerk gebildet, das sich als „StadtLandler“ bezeichnet. Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam mit dem Netzwerk die besonderen Bedürfnisse und vor allem auch Chancen dieses Lebensstils für die Region erarbeitet. Unter anderem braucht es beispielsweise im Bereich Arbeiten andere und neue Formen beziehungsweise Rahmenbedingungen um an mehreren Orten gut arbeiten und sich einbringen zu können. Davon profitiert dann beispielsweise auch die Herkunftsregion, da die Multilokalen auch hier vor Ort ihre Erfahrungen und ihr Know-how – sprich ihr Mindset – einbringen können.

In Beiträgen werden immer wieder die Vorteile der Multilokalität betont. Welche Vorteile hat eigentlich das ländlich geprägte Innviertel aufgrund dieses Trends? Welche positiven Aspekte ergeben sich für „StadtLandler“ persönlich aufgrund so eines Lebensstils?

Stefanie Moser: Die Motive unserer StadtLandler sind sehr vielfältig und individuell. Eines wird aber immer wieder deutlich: Multilokale genießen die Standortvorteile ihrer unterschiedlichen Lebensmittelpunkte und fungieren damit auch als wichtige Brückenbauer zwischen ihren Orten. Eine unserer StadtLandlerinnen arbeitet beispielsweise in einem großen internationalen Konzern in der Marketingabteilung, bringt ihr Know-how aber auch bei einem örtlichen Verein ein. Von diesem Wissen und Tatendrang profitieren dann auch ländliche Regionen wie das Innviertel. Da sie bereits Erfahrungen anderswo gesammelt haben, bringen Multilokale spannende Sichtweisen und den „Blick von außen“ herein. Wichtig ist die offene Haltung gegenüber diesem „Neuen“ – und dies als Bereicherung wahrzunehmen.

Eine Gruppierung, die dieses Thema aufgreift, ist der Verein Trafos in Ried. Sie eröffnen Anfang 2021 ihr Haus der Nachhaltigkeit in Ried und haben dort auch einen Co-Working Space eingeplant. Was versteht man unter Co-Working Space? Wie wichtig schätzt ihr dieses Thema für uns im Innviertel ein?

Moser Stefanie: Wir hatten die Gelegenheit, uns im Rahmen eines Agenda 21 Themen-Labors intensiv mit dem Aspekt Multilokal arbeiten auseinanderzusetzten. Dabei konnten wir auch gleich die derzeit spannende Dynamik, die das derzeit entstehende Haus der Nachhaltigkeit im Herzen Rieds mit sich bringt, aufgreifen. Dies könnte ein idealer Andockpunkt für Multilokale in der Region Innviertel-Hausruck werden. In Co-Working Spaces teilen sich Menschen/Arbeitende, häufig Selbstständige oder kleine Unternehmen und Start-Ups Räumlichkeiten und Arbeitsinfrastruktur. Abgesehen von dieser Infrastrukturthematik bieten diese Räume auch Platz für Gemeinschaft und viel Innovationspotential, weil sich unterschiedliche Leute gegenseitig mit ihrem Wissen unterstützen können.

Sandra Schwarz: Beim Workshop zum Thema Multilokal arbeiten wurde deutlich, dass die Digitalisierung hierbei für den ländlichen Raum eine große Chance bietet. Durch die Überwindung von physischen Distanzen in virtuellen Räumen können wir uns ganz schnell Wissen von überall herholen und auch vom Innviertel aus überall hin liefern.

Ihr engagiert euch selbst für das Haus der Nachhaltigkeit in Ried und seid Mitglied im Verein Trafos. Was ist euch in diesem Zusammenhang wichtig? Welche Chancen bietet in euren Augen ein Haus der Nachhaltigkeit?

Moser Stefanie: Das Haus der Nachhaltigkeit kann aus meiner Sicht eine spannende Keimzelle für neue Ideen und Impulse für den ländlichen Raum werden. Es bietet die Chance urbanes Flair und neue Denkansätze aufs Land zu bringen. Auch für die StadtLandler könnte das Haus eine Art Homebase werden, wo sie arbeiten, aber auch ihr Know-how einbringen und ihre Potenziale entfalten können.

Sandra Schwarz: Das Besondere an diesem Haus sind für mich auch die Menschen dahinter. An diesem Projekt zeigt sich deutlich was machbar wird, wenn Menschen gemeinschaftlich für etwas brennen und gleiche Ziele verfolgen.


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