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RIED. Zu einem hoch interessanten Vortrag über „Städtische Entwicklung im ländlichen Raum“ lud der Rieder Wirtschaftsbund am 5. April. Referent im Saal der Raiffeisenbank war der 1. Bürgermeister von Freyung (Bayern), Olaf Heinrich.

  1 / 2   Olaf Heinrich, 1. Bürgermeister von Freyung, schilderte anschaulich, wie die Stadt Freyung den Umschwung schaffte. (Foto: Nico Schoßleitner)

Heinrich (CSU) ist seit zehn Jahren Bürgermeister der 7300-Einwohner-Stadt Freyung im Dreiländereck Bayerischer Wald nahe an der Grenze zu Tschechien und Österreich.

Schlechte Ausgangsposition

Als er im Mai 2008 Bürgermeister wurde, war die Lage nicht gut. Die Einwohnerzahl sank seit Jahren und Freyung galt als „der Ort, in dem am meisten gestritten wurde“ – Gemeinderatssitzungen dauerten oft sechs Stunden und mehr.

Sitzungen gekürzt

Die Lösung: Heinrich führte einen Beschluss herbei, der die Länge der Sitzungen auf drei Stunden beschränkte. Bei Überschreitung der Zeit würde das Sitzungsgeld um ein Drittel gekürzt. „Das hat hervorragend funktioniert“, berichtete er mit einem Schmunzeln.

Patentrecht für Ideen

Kleineren Fraktionen garantierte Heinrich ein „Patentrecht für Ideen“: Sollte eine der kleineren Gruppen einen Vorschlag haben, würde sie von der Planung bis zur Umsetzung oder Eröffnung immer als Urheber genannt.

Bevölkerung einbeziehen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor seien Bewusstseinsbildung und Bürgerbeteiligung, sagte Heinrich. Man müsse den Bürgern vermitteln, welche Macht sie als Konsumenten haben: „Die lokale Wirtschaft funktioniert nur, wenn die Leute auch dort einkaufen.“

Keine Neuansiedlungen am Stadtrand

Daher beschloss der Stadtrat, keine innenstadtrelevanten Neuansiedlungen (Einzelhandel) am Stadtrand zu genehmigen. Heinrich: „Unsere Stärke ist die Versorgung, nicht der Erlebniseinkauf. In Freyung bekommt man alles, was man an 29 von 30 Tagen braucht. Am 30. Tag können die Leute gerne nach Passau fahren.“

Bürgerentscheid

Mit einem Bürgerentscheid konnte in Freyung ein 40-jähriger Streit um eine Entlastungsstraße 2013 gelöst werden. „Die Mehrheit von 52 Prozent war knapp, aber das Ergebnis wird von allen respektiert.“

Harte Wahrheiten

Es zeigte sich, dass den Bürgern bei klaren Zielsetzungen auch harte Wahrheiten zu vermitteln sind. Als die Trinkwasserversorgung bei einem Schuldenstand von 18 Millionen für vier Millionen Euro saniert werden musste, entschied sich eine Zweidrittelmehrheit der Bürger dafür, den Betrag nicht über 40 Jahre abzustottern, sondern gleich zu zahlen – obwohl sie dafür selbst etwas beitragen mussten. Heinrich: „Damit haben wir uns eines Rucksacks entledigt und Freiräume geschaffen.“

Das Zentrum ins Zentrum

Weil „die Visitenkarte jeder Stadt das Zentrum ist“, stand die Stärkung des Stadtzentrums im Mittelpunkt der Bemühungen.

Der wohl größte Erfolg war, dass zwei seit langem leer stehende Häuser am Stadtplatz durch einen 12-Millionen-Euro-Neubau ersetzt wurden, der eine Tiefgarage, ein Edeka-Geschäft und ein Kino umfasst.

Auch eine lokale Brauerei konnte neu belebt werden.

In Vorleistung gehen

„Die Stadt kann das Zentrum nicht selbst aktivieren, aber sie kann auch scheinbar unlösbare Dinge lösen, wenn sie sich traut, in Vorleistung zu gehen“, sagt Olaf Heinrich.

Anstatt Neubaugebiete zu schaffen, kauft die Stadt Freyung jedes frei werdende Grundstück mit Potenzial und entwickelt Konzepte für leerstehende Häuser. Diese fertigen Konzepte werden dann ausgeschrieben.

Investoren aus der Region

Als sehr erfolgreich erwies es sich dabei, bei der Suche nach Investoren auf Leute zuzugehen, die in der Region verwurzelt sind. Heinrich: „Die kann man leichter davon überzeugen, dass es nicht ausschließlich auf die Rendite ankommt, sondern auch darauf, etwas für die Heimatstadt zu tun. Es geht auch um Emotionen.“

Digitalisierung in der Bank

Wie sich die Digitalisierung auf die Rieder Raiffeisenbank auswirkt, erläuterte Gastgeber und RaiBa-Vorstand Joachim Knoglinger. Die Schaltertransaktionen seien in den letzten Jahren um 50 Prozent zurückgegangen, von den 31.000 Kunden der Bank kommt ein Drittel gar nicht mehr in die Filiale, ein Drittel nur drei bis vier Mal im Jahr und ein Drittel etwa monatlich. Als Reaktion darauf habe man die Schalterstunden gekürzt und die Beratungszeiten flexibler gestaltet.


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