Kinos kämpfen um jedes Ticket, weil Blockbuster fehlen
RIED/TUMELTSHAM. Nach einer 20-wöchigen Sperre haben auch die Star Movie-Kinos seit 5. August wieder geöffnet. Wie sehr das Kino den Menschen gefehlt hat, zeigte der Andrang am ersten Tag: Da kamen mehr als 900 Kinofans ins Rieder Star Movie.

Seitdem, sagt Star Movie-Geschäftsführer Hans-Peter Obermayr, kämpfe das Kino um jedes Ticket. Mit Kurzarbeit und zwei Schließtagen (Montag und Dienstag) käme man „so recht und schlecht“ über die Runden.
Gutes Hygienekonzept
Das Hygienekonzept funktioniere sehr gut, meint Obermayr: „Wir bitten unsere Gäste, den aktuellen Maßnahmen entsprechend, den MNS im Kinofoyer und bis zum Sitz zu tragen. 95 Prozent der Kinofans kommen bereits mit MNS. Wer keinen dabei hat, bekommt ihn um einen Euro am Kinobuffet.“
Für den Abstand im Kinosaal sorgt automatisch das Reservierungssystem – das durch die freien Plätze neben den Besuchern oder Besuchergruppen sogar noch mehr Komfort bringt. Durch die gestaffelten Beginnzeiten komme es auch nicht zu größeren Menschenansammlungen. In den Sälen werde die Luft viermal pro Stunde komplett getauscht.
Bedrohliche Situation
Insgesamt ist die Situation für die Kinos aber bedrohlich. Obermayr, der auch Branchensprecher der oberösterreichischen Kinos in der Wirtschaftskammer ist, sagt: „In der Kinobranche sprechen wir nicht von Gewinnrückgang wie in anderen Bereichen, sondern über einen existenzbedrohenden Umsatzrückgang von prognostizierten 70 Prozent für 2020. Es ist für uns derzeit äußerst schwierig, den operativen Betrieb kostendeckend zu führen. Die weltweite Film- und Kinobranche wurde von Corona aus dem Gleichgewicht gebracht. Mit einer vollständigen Normalisierung ist erst im zweiten Halbjahr 2021 zu rechnen.“
Blockbuster fehlen
Obermayr: „Wir bekommen zwar drei bis vier neue Filme pro Woche, vor allem deutschsprachige und andere europäische, aber die Kinos leben von den Blockbustern. Und die fehlen wegen der Pandemie derzeit.“
Obermayr erklärt, warum das so ist: „Im Grunde ist jeder Film eine Firma mit großem Risiko. Bei der Veröffentlichung hat man pro Film nur einen Schuss. Wenn es nicht läuft, kann man nicht sagen 'Probieren wir es in drei Monaten noch mal'.“
Studios sind vorsichtig
Daher seien die großen Studios sehr vorsichtig, wann sie ihre Blockbuster in die Kinos bringen – nicht zuletzt, weil mit den Filmen auch wochen- und monatelange, extrem teure Werbekampagnen verbunden sind.
Warner ist im Sommer mit „Tenet“ vorgeprescht und hat diesen cleveren Science-Fiction-Action-Thriller trotz Corona herausgebracht. Außerhalb der USA, wo es in vielen Ländern funktionierende Hygienekonzepte für die Kinos gibt, hat das laut Obermayr recht gut funktioniert (in Österreich sahen 135.000 Kinobesucher den Film). In den USA, wo die meisten Kinos geschlossen waren, war das Einspielergebnis enttäuschend.
Das war für die anderen Studios das Signal, ihre Blockbuster weiter zurückzuhalten. So wurde erst vor wenigen Tagen der Start des sehnlich erwarteten neuen James Bond-Films erneut verschoben, diesmal auf April 2021.
Obermayrs Fazit: „Wir haben tolle Kinos, aber zu wenig Filme.“
Wiedersehen mit Kinohits
Daher greift Star Movie, wie andere Kinos auch, auf „alternativen Content“ zurück und bringt attraktive ältere Filme noch einmal auf die Leinwand. Unter anderem zeigt Star Movie am 22. Oktober „Zurück in die Zukunft“ und im November alle acht Harry Potter-Filme sowie beide Teile von „Phantastische Tierwesen“.
„Wir kämpfen um jedes Ticket“, sagt Hans-Peter Obermayr. „Das Schöne ist aber: Es hat noch kein Kinogast gesagt: 'Ich fühle mich derzeit nicht wohl im Kino'.“


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