Zwei Ärzte im Interview zur Covid-19 Impfung

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Rosina Pixner Rosina Pixner, Tips Redaktion, 19.01.2021 09:00 Uhr

RIED. Das Impfen gegen das Corona-Virus hat begonnen, doch noch immer gibt es offene Fragen. Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist teilweise noch sehr groß. Auch im Krankenhaus Ried wurde mit den ersten Impfungen begonnen. 

Tips hat bei Wolfgang Kögler und Johannes Huber vom Krankenhaus Ried nachgefragt. Wolfgang Kögler ist Facharzt für Innere Medizin und arbeitet derzeit auf der Pandemiestation im Krankenhaus Ried. Johannes Huber, ist Ärztlicher Direktor des Krankenhauses und Impfbeauftragter.

Tips: Wie lange bin ich nach einer Impfung oder Infektion immun?

Dr. Kögler: Diese Frage kann derzeit noch nicht endgültig beantwortet werden. Nach einer Covid-19 Infektion ist eine Immunität für zumindest sechs Monate anzunehmen. Die Dauer der Immunität nach der Impfung steht derzeit noch nicht genau fest. Für den mRNA Impfstoff wird (laut Aussage von Prof. Ugur Sahin, Firma BioNtech) eine Immunität von zumindest zwölf Monaten angenommen.

Tips: Wirkt der Impfstoff auch gegen die Mutation des Corona-Virus?

Dr. Kögler: Ja. Die derzeit bekannten Mutationen, insbesondere die britische B.1.1.7 Virusvariante wird vom mRNA Impfstoff abgedeckt. Falls eine neue Variante auftreten sollte, die derzeit vom Impfstoff nicht abgedeckt wird, so wäre binnen sechs Wochen eine Adaptierung des mRNA Impfstoffes möglich.

Tips: Sollen auch jene geimpft werden, die eine Infektion durchgestanden haben?

Dr. Kögler: Die Impfung sollte diesen Menschen auch angeboten werden. Da der Impfstoff jetzt noch nicht breit verfügbar ist, haben diese Menschen allerdings keine Priorität bei der Impfstoffzuteilung. Es wird empfohlen, zumindest drei Monate nach einer durchgemachten Covid-19 Infektion mit der Impfung zu warten. Vor der Herbst-/Wintersaison 2021/2022 sollten möglichst viele Menschen geimpft sein, um einen Herdenschutz aufzubauen und uns allen weitere Covid-19 Todesfälle und Lockdowns zu ersparen.

Tips: Wie sicher kann ein Impfstoff sein, der innerhalb eines Jahres entwickelt wurde?

Dr. Kögler: Sehr sicher! Wenn wissenschaftliche Ressourcen und finanzielle Mittel auf der ganzen Welt gebündelt werden, dann ist es möglich, in kurzer Zeit einen sicheren und wirksamen Impfstoff herzustellen. Die Vorarbeit wurde aber schon seit den 1990er Jahren geleistet. Es gab seit 2013 klinische Studien (Phase 1 und 2) mit mRNA Impfstoffen am Menschen. Die Marktreife scheiterte bis 2020 allerdings am Geld und an der Stabilisierung der mRNA. Diese Probleme wurden mit gemeinsamen Kräften durch die Weltgemeinschaft zum Wohle der Menschheit gelöst. Darüber hinaus hat das rollierende Zulassungsverfahren auch eine entscheidende Rolle gespielt.

Tips: Welche Argumente sprechen für eine Impfung?

Dr. Kögler: Die Aussicht auf ein Ende der Pandemie, ein Ende der wiederkehrenden Lockdowns und auf eine Rückkehr zum normalen Leben mit allen Möglichkeiten des Reisens und Feierns. Die Gesundheit und die persönliche Freiheit sind unbezahlbar.

Tips: Wie kann man Impfgegner überzeugen?

Dr. Huber: Es gibt vermutlich mehr Impfskeptiker als Impfgegner. Die Skeptiker kann man durch Aufklärung überzeugen. Covid-19 gilt nicht nur als potenziell tödliche Viruserkrankung, es sind auch Langzeitverläufe mit hohem Leidensdruck und Leistungsminderung sowie Folgeschäden möglich, unter anderem können eine Lungenfibrose oder neurodegenerative Veränderungen auftreten. Die Gegner werden selbst entscheiden müssen, ob sie im Gegensatz zu geimpften Mitmenschen weiterhin gesundheitliche Schäden riskieren und bis auf unabsehbare Zeit nur ein eingeschränktes Leben führen wollen oder ob sie uneingeschränkt am Leben teilnehmen.

Tips: Ist eine Impfpflicht umsetzbar?

Dr. Huber: Eine Entscheidung darüber ist eine politische Entscheidung. Für gewisse Gruppen wird die Covid-19 Impfung allerdings Berufsvoraussetzung werden, wie bereits jetzt beispielsweise die Masern-Mumps-Röteln Impfung in Gesundheitsberufen.

Tips: Der Umgang der Politik mit der Corona-Pandemie ist in der Bevölkerung mittlerweile umstritten. Was halten Sie persönlich von Schlagwörtern wie „Reintesten“ oder „Freiimpfen“?

Dr. Huber: Alle Bemühungen, die Pandemie so rasch als möglich zu beenden, sind zu unterstützen. Faktum ist, dass erst nach Durchimpfen des größten Teils der Bevölkerung gesundheitliche Sicherheit hinsichtlich Covid-19 wiedererlangt werden kann. Das muss uns allen klar sein, eine Testung ist immer nur eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Abnahme, Testen sehe ich als Überbrückung bis zur Impfung.

Tips: Werden Sie sich gegen das Corona-Virus impfen lassen?

Dr. Huber: Ja. Erste Mitarbeitende in unserem Krankenhaus werden ab sofort geimpft. Wir alle warten seit Wochen auf die Impfung, deshalb haben wir viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich sofort impfen lassen wollen. Das Nadelöhr sind derzeit die Impfstoffe. Wir impfen vor allem jene Mitarbeiter, die direkt die Covid-19 Patienten behandeln.

Dr. Kögler: Ich arbeite auf einer Covid-19 Station und wurde bereits geimpft. Ich empfehle jedem Leser die Impfung, weil sie sicher und wirksam ist.<

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