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MÜHLHEIM. Seit vielen Jahren ist Viktoria Kluwe im Marketingbereich tätig. Ihre Leidenschaft fürs Texten führte sie nun auch in eine andere Richtung: Sie machte sich als freie Rednerin selbständig.

Viktoria Kluwe hat als freie Rednerin auf Hochzeiten schon vieles erlebt. Foto: privat
Viktoria Kluwe hat als freie Rednerin auf Hochzeiten schon vieles erlebt. Foto: privat

 Nach über 20 Jahren im Marketing wollte Viktoria ihre Passion für eine ausdrucksvolle Bildsprache weiter ausbauen. „Die Suche brachte mich zum Beruf des „Freien Redners““, erzählt die Mühlheimerin. „Es ist so schön, den mitunter glücklichsten Tag im Leben von uns Menschen begleiten zu dürfen. Ich kann mit meinen Worten berühren, glücklich machen, Sehnsüchte wecken. Der Spruch „Die Feder ist mächtiger als das Schwert“ von Edward Bulwer-Lytton trifft bei diesem Berufsbild voll ins Schwarze.“

Als freie Rednerin bietet Viktoria freie Trauungen, Willkommensfeiern, also Taufen, und Jubiläumsfeiern an. Auch als Ghostwriterin für Reden kann sie engagiert werden.

Die Ausbildung machte sie über das Wifi, wo sie einen Lehrgang zum Freien Redner mit Diplom abschloss. „Hier lernt man das Handwerk von der Pike auf. Meine Trainerin ist ein alter Hase im Geschäft und war sogar schon bei der Sendung „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ zu sehen.“

Für Notfälle gerüstet

Bei Hochzeiten ist sie für die gesamte Trauung zuständig. Hier muss sie nicht nur eine berührende Rede schwingen, sondern auch für viele weitere Eventualitäten gerüstet sein. Rechtzeitig vor der Zeremonie ist sie mit einem großen Koffer vor Ort und hat vielfältige Hilfsmittel mit. „Vom zusätzlichen Wasser oder Zucker für eine nervöse Braut bis hin zu Reserve-Gedichten, Sprüchen oder Musik vom Band, falls die Anlage vor Ort ausfällt, ist alles dabei.“

Auch ein eigenes Mikrofon und Lautsprecher sowie Nadel und Faden sind im Notfall-Set. „Ich checke vor der Trauung auch, ob Ringe da sind, die Gäste instruiert sind und so weiter“, erzählt die Expertin. „Kurzum bin ich dafür da, dass sich sowohl Braut als auch Bräutigam während der Dauer der freien Zeremonie wirklich zurücklehnen und das Ganze genießen können.“

Eine rechtsverbindliche Ehe kann Kluwe als freie Rednerin nicht schließen. Der freien Trauung muss im Vorfeld eine standesamtliche Trauung vorangehen. Der Vorteil einer freien Zeremonie ist aber, dass sie fast überall und zu jeder Zeit abgehalten werden kann.

Die Rede als Herzstück

Herzstück der Feierlichkeit ist die Rede. Für Viktoria ist eine Rede dann gelungen, wenn die Gäste von Anfang bis Ende gebannt zuhören. „Wenn sie lachen, weinen, schmunzeln und wenn ich am Ende in glückliche Gesichter blicke, weil ich die persönliche Geschichte des Brautpaars in rührende, emotionale, aber auch lustige Worte verpackt habe.“

Die Inspirationen kommen von den Auftraggebern. „Ihre Geschichten schreiben meine Rede.“

Intensive Vorbereitung

Dennoch braucht es viel Vorbereitung. „Ich treffe mich mit den Paaren gerne zu diversen Gesprächen, stelle Fragebögen zusammen, die von wichtigen Personen beantwortet werden. Dann schreibe ich die Rede, überlege mir passende Rituale, erstelle die Hochzeitsurkunde und vieles mehr.“ Gut und gerne 20 Stunden Vorbereitung braucht es für die Rede und die Feier.

Dabei sollte eine freie Rede so individuell wie die Auftraggeber sein. „Kein Pärchen ist wie das andere, jeder hat andere Ecken und Kanten. Jede Kennenlerngeschichte und Beziehung ist einzigartig.“

Professioneller Vortrag

Beim Vortrag ist der Rednerin ein professionelles Auftreten wichtig. „Mich darf nichts aus der Ruhe bringen und ich muss für alle Eventualitäten gerüstet sein.“

Vor der Trauung werden Atem- und Stimmübungen gemacht. „Und auch Lutschpastillen sind immer mit im Gepäck, um mein wichtigstes Werkzeug bei Laune zu halten.“

Tempo und Variation sind für einen guten Vortrag ausschlaggebend. „Und ganz wichtig: laut und deutlich sprechen.“

Lampenfieber als Bodyguard

Auch vor einem Profi wie Viktoria macht Lampenfieber nicht Halt. „Aber ich stelle es mir als meinen Bodyguard vor, der mich beschützt und der mir fehlen würde, wenn er nicht mehr da ist.“

Ring rollte vom Boot

Trotz bester Vorbereitung kann bei Feierlichkeiten immer viel passieren. „Vom schlechten Wetter angefangen bis hin zum Trauzeugen, der die Eheringe vergessen hat. Oder die Musik geht aus unerfindlichen Gründen nicht und vieles mehr.“

Viktoria erinnert sich auch an eine Trauung auf einem Boot, bei der ein Hund die Trauringe bringen sollte. Diese waren mit Schnüren an seinem Hals befestigt und lösten sich, weil der Hund viel zu schnell auf das Brautpaar zulief. „Der Ring rollte vom Boot und verschwand im See. Wer jetzt glaubt, das habe ich mir ausgedacht, den muss ich enttäuschen“, schmunzelt die freie Rednerin.

Highlights wiederum gibt es bei fast jeder Zeremonie. „Manche möchten gerne vorab vor einer Rede noch derjenigen gedenken, die nicht mehr an der Feier teilnehmen können. Diese Anfänge sind oft sehr emotional. Sie symbolisieren aber auch den Beginn eines neuen Lebensabschnitts.“

Für Viktoria ist die emotionale Teilhabe an den Reden immer wieder ein Höhepunkt. „Es ist auch schön, in die Augen von Jubilaren zu blicken, die vielleicht schon über 25 Jahre miteinander verheiratet sind und sich immer noch lieben wie am ersten Tag.“ Weitere Infos gibt es unter www.zeremonien-rede.at


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