Nach fünf Monaten Ukraine-Krieg leben 272 Vertriebene im Bezirk Ried

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Walter Horn Tips Redaktion Walter Horn, 05.08.2022 12:12 Uhr

RIED. Putins brutaler Krieg in der Ukraine dauert schon mehr als fünf Monate, Anfang März kamen die ersten Flüchtlinge in Österreich und auch in Ried an.

Im Bezirk Ried leben mittlerweile 272 Vertriebene (Stand: 20. Juli), überwiegend Frauen und Kinder. Olena Kolosova spricht im Namen der Geflüchteten: „Die Einwohner der Stadt umhüllten uns sehr schnell mit Wärme und Fürsorge, wir hatten keine Zeit, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir uns ausstatten und unsere Kinder ernähren sollten. Ihr habt mit einem offenen Lächeln und brennenden Augen geholfen. Und es hat uns Kraft und Zuversicht für die Zukunft gegeben.“

Hilfe kam von vielen Privatpersonen, aber auch von zahlreichen Institutionen sowie großen und kleinen Rieder Betrieben und Firmen. Viele Ukrainer sind in privaten Quartieren untergekommen, bei Gastfamilien oder auch in Hotels.

Wohnungsprobleme

Dort gibt es jetzt häufig das Problem, dass Fristen abgelaufen sind, dass private Vermieter die Vertriebenen nicht auf Dauer beherbergen können oder wollen, dass sie den Raum wieder selber brauchen oder dass es zwischenmenschlich nicht klappt. Manche Hotels wollen auch nach drei oder vier Monaten wieder den normalen Preis für die Zimmer bekommen.

Der Stadt sei das Problem bekannt, sagt Bürgermeister Bernhard Zwielehner, aber man könne da nicht viel machen. Zum einen sei die Verteilung der Flüchtlinge Bundessache, zum anderen habe die Stadt keine freien Wohnungen, die man vergeben könne.

Bei der Caritas verweist man auf die Wohnraumhotline, bei der private Angebote gesammelt werden. Die Alternative sind organisierte Quartiere in Zusammenarbeit mit dem Land. So weit es geht, werde dabei darauf geachtet, ob die Vertriebenen schon einen Job gefunden haben, aber das kann auch mit einem Wechsel des Wohnorts verbunden sein.

Zwei Mal geflüchtet

Olena (Lena) Kolosova und ihr Mann Sascha lebten ursprünglich ganz in der Nähe von Donezk, das vor dem Krieg mit etwa 1,1 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt der Ukraine war. Als nach Putins Annexion der Krim 2014 pro-russische Separatisten in den Regionen Luhansk und Donbas zu den Waffen griffen und einen regional noch weitestgehend begrenzten Bürgerkrieg entfachten, flohen Lena und Sascha mit ihren Kindern 2015 in die Hauptstadt Kyiv (ukrainische Schreibweise von Kiew).

Dort arbeitete Lena als Ärztin in der Radiologie, Sascha war Account Manager (Kundenbetreuer). „Niemand konnte es glauben, als plötzlich Bomben auf Kyiv fielen und russische Soldaten in den Vororten standen“, erzählen die beiden. Vor allem wegen der Gefahr für ihre drei Kinder verließen sie im Frühjahr auch Kyiv. Lena: „Ich habe lange überlegt, weil ich als Ärztin auch zuhause gebraucht werde, aber die Sicherheit der Kinder ist wichtiger.“ Die drei Kinder sind übrigens auch der Grund, dass Sascha seine Frau begleiten durfte – Männer im wehrpflichtigen Alter von 18 bis 60 Jahren dürfen die Ukraine nur verlassen, wenn sie drei oder mehr minderjährige Kinder zu versorgen haben.

Lena: „Das Heimatland zu verlassen, diese Notwendigkeit zu akzeptieren, war katastrophal. Wir wussten nicht, was uns nach dem Grenzübertritt erwartet. Aber um unsere Kinder zu retten, traten alle Anforderungen schnell in den Hintergrund.“

Die Flucht im Auto nach Österreich dauerte vier Tage. Sascha berichtet von langen Autokolonnen und stundenlangen Wartezeiten an Kontrollpunkten und an der Grenze. Oft habe ukrainisches Militär die Flüchtlinge gestoppt, weil Straßen nicht sicher vor russischen Angriffen gewesen seien. Dass die Familie ins Innviertel geflüchtet ist, war kein Zufall, denn Lena verbrachte vor Jahren im Rahmen eines Austauschprogramms des Lions Clubs einige Zeit hier und hat von damals noch Freunde in Hofkirchen.

Wie die anderen Geflüchteten auch, wollen sie nicht vom Sozialstaat und von Spenden abhängig sein. Lena hat sich in Ried im Krankenhaus um Arbeit beworben („Es muss nicht einmal als Ärztin sein“), aber um dort einen Job zu bekommen, muss sie zuerst einen Deutschkurs absolvieren, was bis zum geforderten Niveau noch einige Zeit dauern wird. Sascha hatte mehr Glück und fand Arbeit bei Fill in Gurten.

Zentrum

Treffpunkt für die Ukrainer und für die Rieder Helfer ist der „Raum der Begegnung“ in der Roseggerschule. Das Zentrum ist jeden Mittwoch und Freitag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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