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BEZIRK RIED. Das Thema Gewalt verliert nicht an Aktualität. Seit Jänner gibt es in Linz eine zentrale Gewaltambulanz mit speziell ausgebildeten Forensic Nurses. Auch für den Bezirk Ried gibt es mehrere Unterstützungsangebote für Betroffene, denn der Bedarf ist groß.

Michaela Schrotter, Leiterin des Frauenhauses Ried (Foto: Tips)
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Blaue Flecken, angebliche Treppenstürze oder Vergewaltigungen: Betroffene von körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt können seit Jänner in die neue Gewaltambulanz im Linzer KUK kommen. Neben Wien, Graz und Innsbruck ist sie die vierte Einrichtung dieser Art in Österreich.

Im Vorjahr wurden am KUK insgesamt 570 Gewaltopfer dokumentiert. „Dieses Jahr waren es bis März etwa 150 Personen“, erklärt Monika Kern, Leiterin der Klinischen Sozialarbeit und eine von drei speziell ausgebildeten Forensic Nurses.Zu den Betroffenen zählen Frauen, Männer und Kinder – rund 70 waren im Vorjahr minderjährig. Am häufigsten suchen Menschen Hilfe aufgrund von häuslicher und körperlicher Gewalt. 

Betroffene werden im Idealfall direkt in die Gewaltambulanz oder wegen ihrer Verletzungen in die zuständige Fachambulanz weitergeleitet. Die Versorgung erfolgt in enger Abstimmung im Team und sowohl auf medizinischer als auch auf forensischer Ebene. Neben der Behandlung werden Spuren gesichert und Verletzungen dokumentiert.„Für viele ist der erste schwere Schritt der ins Krankenhaus“, erklärt Forensic Nurse Eva-Kathrin Wiredu. Für die Spurensicherung ist es aber hilfreich, wenn Betroffene so schnell wie möglich ungeduscht und mit der getragenen Kleidung kommen. Die Arbeit mit Gewaltopfern ist emotional fordernd und benötigt viel Feingefühl. „Jeder Fall ist anders. Aber wenn alle gut zusammenarbeiten und lösungsorientiert handeln, profitieren am Ende die Patienten“, so Kern.

Gewaltschutzzentrum

Die Zahl der Menschen, die Unterstützung beim Gewaltschutzzentrum Oberösterreich suchen, steigt seit Jahren deutlich an. Auch der Bezirk Ried ist davon betroffen: Laut aktueller Statistik wurden im Jahr 2024 insgesamt 112 Betroffene betreut. Zusätzlich meldete die Polizei 70 Betretungs- und Annäherungsverbote an das Gewaltschutzzentrum weiter. Der Großteil der Betroffenen sind Frauen. Das Gewaltschutzzentrum OÖ spricht weiterhin von einer hohen Belastung durch häusliche Gewalt und zunehmenden Fällen von psychischer und digitaler Gewalt.

Beratung und Hilfe im Bezirk 

Das Frauennetzwerk3 verzeichnete für 2025 ebenso einen Anstieg der Beratungen im Innviertel. Bis Ende August 2025 wurden bereits 1.493 Beratungen durchgeführt – gegenüber 1.100 im Vergleichszeitraum 2024. Das entspricht einem Plus von rund 30 Prozent. Jede dritte Frau, die sich an das Frauennetzwerk wendet, sei von Gewalt betroffen. Allein im Bezirk Ried wurden letztes Jahr 618 Beratungsgespräche durchgeführt. Das ist ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Komplexe Themen

„Obwohl die Anzahl der Klientinnen im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben ist, haben die Häufigkeit der Termine sowie die Komplexität der Themen zugenommen. Das Thema Gewalt wurde in 30 Prozent der Gespräche thematisiert, wobei die Formen der Gewalt sehr facettenreich waren. Spitzenreiter bei den Gewaltthemen war auch 2025 wieder die Form der psychischen Gewalt, gefolgt von sozialer und körperlicher sowie ökonomischer Gewalt. Weniger häufig wurden 2025 im Rahmen unserer Beratungsgespräche die Themen digitale Gewalt und sexualisierte Gewalt behandelt“, weiß Anna Pucher, Leiterin des Frauennetzwerk3 in Ried.

Frauenhaus Ried

Auch das Frauenhaus Ried meldet weiterhin eine hohe Auslastung. Die sechs Wohneinheiten und die Notunterkunft sind meistens belegt. „Wir schauen aber immer, dass wir Plätze finden“, betont Michaela Schrotter Leiterin des Frauenhauses Ried. Das Frauenhaus ist telefonisch 24 Stunden erreichbar. Die Beratung kann sowohl telefonisch als auch per Mail, ambulant und anonym erfolgen. Es werden Beratungen in unterschiedlichen Sprachen angeboten. Bei akuter Gewalt rät das Frauenhaus aber, die Polizei zu rufen. „Die Polizei hat rechtliche Möglichkeiten und kann etwa ein Annäherungs- und Betretungsverbot aussprechen. Damit verbunden ist eine verpflichtende Gewaltpräventionsberatung für den Gefährder. Es ist daher besser, früher als zu spät zu agieren. Zugleich wird das Gewaltschutzzentrum informiert“, weiß Schrotter. Auch Zivilcourage ist gefragt. Sollte man etwa bei Freunden oder Arbeitskollegen von möglicher Gewalt hören, ist es wichtig, aktiv zu werden und bei Bedarf Unterstützung anzubieten.

Frauennetzwerk3Kapuzinerberg 7, 4910 Ried Montag – Donnerstag: 8 – 16 UhrFreitag: 8 – 12 Uhr0664 5178530 0660 1741151www.frauennetzwerk3.at

Frauenhaus Ried
Postfach 15, 4910 Ried 07752 71733 (rund um die Uhr)office@frauenhaus-ried.atwww.frauenhaus-ried.at


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