SV Ried unterliegt dem Lask in dramatischem Cup-Fight 1:2
RIED. Nach mehr als 120 emotionalen, intensiven und hochspannenden Minuten mit Torchancen auf beiden Seiten setzte sich der Lask im ÖFB-Cup-Halbfinale bei der SV Oberbank Ried mit 2:1 durch. Der mögliche Siegtreffer der SVR in der 89. Minute wurde nach minutenlanger VAR-Prüfung nicht anerkannt. Obwohl das Spiel alles hatte, was ein Cup-Halbfinale haben sollte, sorgte Lask-Trainer Didi Kühbauer nach dem Match noch zusätzlich für Aufregung.

Er verweigerte dem SVR-Trainer Maximilian Senft nicht nur den Handschlag, sondern sorgte mit provozierendem Jubel in Richtung der Westtribüne beinahe für einen Platzsturm einiger Ried-Fans. Die wurden gerade noch rechtzeitig von Mannschaftskapitän Andreas Leitner und Sport-Geschäftsführer Wolfgang Fiala gestoppt.
Emotionale Pressekonferenz
In der Pressekonferenz legte Kühbauer nach ruhigem Anfang noch einen drauf: „Ich bin super happy. Es war nicht das beste Spiel meiner Mannschaft. Das hatte den Grund, dass wir kaum einen Rhythmus bekamen. Es war über 120 Minuten ein Standard-Spiel mit vielen Unterbrechungen. Wichtig war, dass wir nach dem 1:0 gleich das 1:1 geschossen haben. Dann war es ein Spiel, das man sich grundsätzlich nicht gern anschaut, das hat mit Fußball wenig zu tun. Gefühlt war der Ball von den 120 Minuten 117 in der Luft. Dass wir das bessere Ende hatten, freut mich ungemein.“
Auf die Frage, ob der Jubel in Richtung der SVR-Fans nötig war, reagierte er mit wütenden Gegenfragen: „Muss man als Gasttrainer angeschüttet werden? Hab ich etwas falsch gemacht? Muss ich angeschüttet werden von der Tribüne?“
„Kein Handshake mehr“
Ein Handshake mit Maximilian Senft werde „nie wieder stattfinden“. Der Grund sei dessen Art von Coaching. Kühbauer: „Ich weiß, wovon ich rede, ich war früher auch ein sehr emotionaler Trainer. Aber wie der Senft sich jede Woche über 90 Minuten auf der Bank präsentiert, das ist der Grund, dass ich ihm mein ganzes Leben nicht mehr die Hand geben werde. Wenn ein Trainer 'Rudel' zur Mannschaft schreit, also zur Rudelbildung auffordert, dann geht es um Fairness. Deswegen will und werde ich ihm nicht mehr die Hand geben, mein ganzes Leben. Ich wünsche ihm das Beste, aber im Finale sind wir.“
„In Ried ist man der Feind“
Zur Stimmung in Ried meinte Kühbauer generell: „Wenn man nach Ried kommt, ist es immer so, dass man der Feind ist. Warum, weiß ich nicht. Du bist der Gegner, aber kein Feind. Dazu kommen Beleidigungen, die bei uns in Österreich leider überhand nehmen.“
Auch an der Rieder Spielweise fand Kühbauer nichts Positives: „Null. Absolut null. Jeder kann spielen, wie er will, aber ich sage: diese Art von Fußball – mein Leben nicht. Die haben heuer eine wunderbare Saison gespielt, aber nur köpfeln und nur lange Bälle schlagen, und wenn ein Outeinwurf immer 40 oder 45 Sekunden dauert, dann glaube ich, dass die FIFA die neue Regel für die Rieder gemacht hat.“
Im VIP-Club auf Kühbauers Äußerungen angesprochen, reagierte Max Senft nur mit einem Wort: „Glashaus“.
„Unglaublich emotionales Spiel“
Max Senft sprach in seiner Pressekonferenz, die vor der des Lask stattfand, von einem „unglaublich emotionalen“ Spiel mit sehr vielen Torraumszenen und Chancen für uns. „Insgesamt eine unserer besten Leistungen dieser Saison. Ich bin sehr enttäuscht, aber auch wirklich stolz auf die Mannschaft. Ich bin dankbar, mit diesen Jungs arbeiten zu dürfen und zu sehen, wie sie ihr Potenzial ausschöpfen.“
Zum verweigerten Handshake meinte Senft: „Ich handhabe das jedes Spiel gleich. Wenn wir der Verlierer sind, ist einer meiner ersten Wege zum gegnerischen Trainer für ein Handshake. So habe ich das gelehrt bekommen. So machen es eigentlich auch alle. Ich habe weder in Österreich noch in England, wo es sicher oft noch hitziger auf den Trainerbänken zugeht, erlebt, dass ein Trainer den Handshake verweigert. Es gab auch während des Spiels nichts zwischen uns. Es kann sich jeder sein eigenes Bild dazu machen. Ich habe den Handshake angeboten, er wurde nicht angenommen.“
Senft weiter: „Während der 120 Minuten darf es hoch emotional sein und es darf auch mal eine gelbe Karte wegen Kritik geben. Das hat es schon immer gegeben, das wird es auch immer geben, das ist okay. Für mich ist so etwas nach dem Spiel beendet. Dementsprechend trete ich dem Gegner gegenüber respektvoll auf und wünsche mir das auch von meiner Mannschaft. Ich wollte es nach den 125 Minuten respektvoll beenden, der andere Trainer nicht. Das ist jetzt aber auch nicht so schlimm.“
Intensives Spiel
Die Rieder waren dem Lask mindestens ebenbürtig und hatten mehr Torschancen; die des Lask waren seltener, aber gefährlicher.
Ried überschüttete den Lask mit Serien von Eckbällen und weiten Einwürfen und kam so auch zum Tor. Den neunten Eckball schoss Pomer zur langen Ecke, von dort lenkte Havenaar den Ball in die Mitte, wo ihn Fabian Rossdorfer ins Netz jagte (49.).
Im direkten Gegenstoß nach dem Anstoß spielte Saša Kalajdzić den Ball mit dem Außenrist auf Samuel Adeniran. Der US-Amerikaner konnte von der noch nicht sortierten Ried-Verteidigung nicht aufgehalten werden und schoß an Torhüter Andreas Leitner vorbei zum Ausgleich ein.
Lange VAR-Prüfung
Möglicherweise spielentscheidend war die VAR-Entscheidung nach dem möglichen SVR-Siegtreffer durch Oliver Steurer in der 89. Minute. Nach fast vierminütiger Suche kam der VAR zu dem Schluss, dass Nikki Havenaar, der den Ball zu Steurer weiterleitete, ein paar Millimeter im Abseits war.
Schon zuvor wurde ein Rieder Treffer nicht anerkannt: In der 33. Minute griff der VAR nicht ein, als Schiedsrichter Sebastian Gishamer nach einem Luftkampf zwischen Nikki Havenaar und Lask-Torhüter Lukas Jungwirth auf Offensivfoul entschied. Auch die sehr verhaltenen Rieder Proteste zeigten, dass Gishammer mit seiner Entscheidung richtig lag.
In der Verlängerung ging der Schlagabtausch weiter. In der 109. Minute köpfelte der kurz zuvor eingewechselte Lukas Kačavenda im Luftduell den Ball so an Verteidiger Havenaar, dass er von diesem ins Tor sprang.
In der 122. Minute hatte Jonas Mayer noch eine Chance zum Ausgleich, schoss jedoch über das Tor.


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