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RIED. Seit April ist Sebastian Stiglmayer der Nachwuchsleiter der SV Ried und somit zuständig für den Grundlagenbereich von den Bambinis bis zur U14-Leistungsliga.

Sebastian Stiglmayer ist seit April für den Nachwuchs der SV Ried unterhalb der Akademie verantwortlich. (Foto: Horn)

Im Hauptberuf ist Stiglmayer Berufsschullehrer. Zu Jahresbeginn wurde er erstmals von der SVR kontaktiert, nach einigen Gesprächen war man sich einig. Stiglmayer sagt: „Es ist mein Herzensverein. Ich habe selbst lange in Ried Fußball gespielt, alle Akademiemannschaften und jede Nachwuchsmannschaft durchgemacht. Ich bin schon ewig Ried-Fan. Deswegen war für mich dann eigentlich klar, dass ich das machen und den Verein unterstützen möchte. Ich habe das Hobby ein Stück weit zum Beruf gemacht.“

Tips: Worauf achten Sie bei jungen Spielern als Erstes?

Stiglmayer: Bei den Bambinis zählt vor allem der Spaß. Je höher das Leistungsniveau wird, desto mehr geht es auch um Disziplin, Teamfähigkeit und Respekt. Da kommt sicher meine pädagogische Seite durch. Sportlich legen wir viel Wert auf Technik: Welche Ballfähigkeiten bringt ein Kind mit? Wie können wir diese weiterentwickeln? Das ist die Basis. Dazu kommen koordinative Dinge: Wie bewegt sich ein Kind? Ist es vielleicht schon beidfüßig? Wie ist die Motorik? All diese Fähigkeiten spielen eine Rolle.

Tips: Welche Eigenschaften muss ein Talent heute unbedingt mitbringen?

Stiglmayer: Disziplin beziehungsweise Selbstdisziplin. Kreativität ist auch wichtig. Dazu Respekt und Teamfähigkeit. Wenn ein Bursche oder ein Mädchen das mitbringt, stehen die Türen sicher offen.

Tips: Was macht die Nachwuchsarbeit bei der SV Ried besonders?

Stiglmayer: Für mich persönlich macht es besonders, dass es der Verein in der Region ist, für den man arbeiten kann und mit dem man Ziele verfolgt: Kinder weiterzuentwickeln — und zwar Mädchen genauso wie Burschen. Das ist mir ganz wichtig. Es geht darum, Kindern Freude am Sport näherzubringen. Nicht nur am Fußball, sondern generell an der Bewegung. Die Kinder sind selbst begeistert, dass sie beim Bundesliga-Verein im Nachwuchs spielen.

Tips: Wie wichtig ist neben dem Fußball die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder?

Stiglmayer: Sehr wichtig. Bei den Bambinis ist es natürlich so: Die kommen mit fünf oder sechs Jahren zum Training. Wenn da ein Vogel vorbeifliegt oder irgendwo eine Blume wächst, ist das in dem Moment vielleicht interessanter als der Ball. Das ist normal. Aber genau da beginnt auch die Aufgabe des Trainers. Ich weiß das selbst noch von früher. Viele Dinge — Disziplin zum Beispiel — habe ich durch den Fußball kennengelernt.

Tips: Welche Rolle spielen die Eltern in der Ausbildung junger Fußballer?

Stiglmayer: Zum Großteil eine sehr positive. Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Eltern sagen: „Mein Kind muss spielen“ oder „Mein Bub oder mein Mädchen spielt zu wenig“. Das gibt es bei jeder Nachwuchsmannschaft. Aber grundsätzlich sind die Eltern ein wichtiger Teil in der Entwicklung des Kindes.

Entscheidend ist, wie sie die Kinder unterstützen. Ich weiß noch von meinem Vater: Er hat mich von klein auf unterstützt, war bei jedem Training dabei und ist zu jedem Spiel mitgefahren. Das sehe ich heute auch. Viele Eltern unterstützen ihre Kinder bis zur letzten Minute des Tages. 
Diese Unterstützung ist auf jeden Fall gegeben — und sie ist auch wichtig. Ein Kind einfach nur zum Training oder Spiel zu schicken und nie zuzuschauen, wäre nicht Sinn der Sache.

Tips: Ab wann zeigt sich, ob ein KInd das Potenzial für die Akademie hat?

Stiglmayer: Bei uns ist es so: Von den Bambinis bis etwa zur U10 forcieren wir den Breitensport. Das heißt: Fußball für alle — und vor allem Fußball für Kinder aus unserer Region. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wenn ein Kind aus Ried oder der Rieder Umgebung ist, dann soll es auch in Ried Fußball spielen können. Das gilt ungefähr bis zur U10. Ab der U11 kommen wir langsam in den Leistungsbereich. Dann steigert sich das Schritt für Schritt in Richtung Leistungsmodus. Ab der U14 beginnt dann quasi der Vorkader für die Akademie. Da kristallisiert sich erstmals stärker heraus, in welche Richtung es bei einem Kind gehen kann und wie es sich entwickelt.

Tips: Bei den Mädchen ist dann aber meistens Schluss.

Stiglmayer: Ja, für Mädchen ist es in diesem Bereich dann schwieriger. Trotzdem ist uns wichtig: Wir nehmen nicht nur Burschen. Gerade im unteren Bereich bis zur U10 sollen Mädchen genauso kommen können, wenn sie Fußball spielen möchten — vor allem, wenn sie aus Ried oder der Umgebung sind.

Tips: Was sind die größten Herausforderungen in Ihrer täglichen Arbeit?

Stiglmayer: Am Anfang war es vor allem die Terminkoordination. Jeder will etwas von einem, jeder Trainer hat offene Fragen. In der Vergangenheit war vieles unklar. Ich bin gerade dabei, das ein bisschen aufzuräumen. Ich bin auch viel daheim gesessen und habe in Abstimmung mit Gerhard Schweizer ein neues Nachwuchskonzept erstellt. Das alles kennenzulernen, offene Fragen zu beantworten und die Gegebenheiten zu verstehen, war schon herausfordernd. Ich bin zum ersten Mal Leiter in einem Grundlagenbereich. Da muss man selbst auch erst hineinwachsen.

Tips: Was sind die wichtigsten Inhalte dieses Konzepts?

Stiglmayer: Im Grunde soll es ein Leitbild für die Trainer sein. Es umfasst den Bereich von den Bambinis bis zur U14. Enthalten sind Ziele der Nachwuchsarbeit, ein Trainerkodex, das Verhalten gegenüber Spielern, gegnerischen Mannschaften und Schiedsrichtern sowie allgemeine Trainingsgrundsätze, die für jeden Trainer und jeden Jahrgang gelten sollen.

Dann ist es nach Altersgruppen aufgeteilt — zum Beispiel Bambinis bis U8, U9 bis U12 und U13 bis U14. Für jeden Jahrgang gibt es definierte Ziele und Trainingsprinzipien. Ein Beispiel: Es soll kein Training ohne Ball geben beziehungsweise keine Übungen ohne Ball. Der Ball ist der ständige Begleiter. Das gilt für alle Jahrgänge. Wichtig ist, dass wir innerhalb des Vereins eine gemeinsame Ausbildungsphilosophie haben. 


Ich vergleiche das gerne mit einem Lehrplan in der Schule: Als Lehrer habe ich Themen, die ich behandeln muss. Wie ich sie aber vermittle und mit welchen Materialien, ist mir überlassen. So ähnlich soll auch dieses Konzept funktionieren. Unterm Strich steht immer das gemeinsame Ziel, jedes einzelne Kind bestmöglich zu entwickeln.

Tips: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Nachwuchsfußballs in der Region?

Stiglmayer: Eine harmonische Zusammenarbeit und ein respektvolles Verhalten untereinander. Ried ist natürlich der Bundesligaverein in der Region, und gegen Ried sind viele doppelt und dreifach motiviert. Trotzdem wünsche ich mir eine gute, harmonische Verbindung zu den umliegenden Vereinen.   


Innerhalb des Vereins ist mein persönlicher Wunsch, dass wir den Kindern Spaß vermitteln — Freude an Bewegung und Freude am Fußball. Und dass wir jedes einzelne Kind bestmöglich entwickeln. Der Nachwuchs der SV Ried soll ein Ausbildungsbereich für jedes Kind bis zur U14 sein — und dann für jene, die das Niveau erreichen, der Sprung in die Akademie.                 


In der Region müssen wir Vorbild sein, und das sind wir hoffentlich auch. Neben der SV Ried gibt es natürlich auch das LAZ, das man erwähnen muss. Dort kommen die besten Spieler aus der Region zusammen, vom Niveau her ist das natürlich sehr gut. Diese Spieler schaffen dann häufig den Sprung in die Akademie. 


Was mir auch am Herzen liegt: Fachlich ausgebildete Trainer sind in Ried immer herzlich willkommen. Wenn es motivierte Trainer gibt, die sich vorstellen können, in Ried mit Kindern zu arbeiten, dann stehen in Ried im Normalfall alle Türen offen. Übrigens auch für Frauen: Wir haben im Trainerteam aktuell zwei Frauen. Im Bambini-Bereich ist Diana Wiedmann dabei, und für die U14-Leistungsliga haben wir mit Gabi Leimhofer eine neue Haupttrainerin bekommen.


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