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RIED. Wolfgang Fiala kam vor sechs Jahren zur SV Ried, zunächst als sportlicher Leiter des Nachwuchses. Nach dem Abstieg 2023 wurde er Sportvorstand, im April 2024 dann Geschäftsführer Sport. Er gilt mit dem ehemaligen Trainer Max Senft und dem technischen Direktor Lukas Brandl als Architekt des neuen Rieder Weges.

Wolfgang Fiala will mit den Ressourcen der SV Ried nicht einfach dasselbe machen wie alle anderen. (Foto: SVR / Schröckelsberger)

Tips:Mit etwas Abstand betrachtet: Was nehmen Sie aus der vergangenen Saison als wichtigste Erkenntnis für die Zukunft mit?

Wolfgang Fiala: Dass es sich auszahlt, einen Plan zu machen, ihn zu verfolgen und ihn auch in guten wie in schwierigeren Zeiten nicht gleich über den Haufen zu werfen. Dann kommt am Ende etwas Gutes dabei heraus.

Tips:Also nicht nervös werden?

Wolfgang Fiala: Nicht nervös werden, genau.

Tips:Wo ordnen Sie die Saison ein? War das vor allem ein sportlicher Erfolg, oder hat sich auch die Wahrnehmung der SV Ried bei Spielern, Trainern und möglichen Sponsoren verändert?

Wolfgang Fiala: Das ist schwer zu beurteilen. Sportlich ordne ich die Saison extrem hoch ein. Vor drei Jahren, im Juni 2023, sind wir – salopp gesagt – wirklich am Boden gelegen. Es war nicht klar, wie es weitergeht. Wenn man andere Klubs sieht, die seit Jahren in der zweiten Liga sind und sich schwertun, dann können wir extrem stolz auf das Erreichte sein. Nach dem Aufstieg nicht nur in der Bundesliga mitzuspielen, sondern dort auch eine tragende Rolle einzunehmen, ist beachtenswert. Ich glaube, das verändert auch die Außendarstellung des Vereins – nicht nur im Sport, sondern in der gesamten Gesellschaft.

Tips:Was war für Sie persönlich der wichtigste sportliche Moment: der Klassenerhalt, die Cup-Auftritte, die Derbys oder etwas ganz anderes? Die Auswahl war diesmal relativ groß.

Wolfgang Fiala: Ja, sehr groß. Ich glaube, dass die Derbywoche entscheidend war, beginnend mit dem Spiel bei Blau-Weiß Linz. Nach drei Spielen hatten wir erst einen Punkt. Hätten wir dort verloren, wäre die Saison vielleicht in eine andere Richtung gelaufen. Der Auftakt dieser Derbywoche war daher ein entscheidender Punkt. Diese Woche hat Schwung, Überzeugung und Glauben gegeben. Sie hat viele Dinge befeuert, die vorher schon vorhanden, aber noch nicht bestätigt waren.

Tips:Nun steht ein massiver Umbruch an. War absehbar, dass der Wechsel so groß wird?

Wolfgang Fiala: Ja. Die Zyklen eines Fußballkaders dauern meistens rund drei Jahre. Dass Spieler, die seit drei Jahren dabei waren und zwei Jahre um den Aufstieg gekämpft haben, noch ein Jahr Bundesliga mitnehmen wollen, ist logisch. Dass sie nach einer erfolgreichen Bundesliga-Saison für andere Schritte bereit sind, ist ebenso klar.Dass wir Spieler wie Kingston oder Nico Bajlicz im Sommer 2025 gut ausgewählt haben, ist auch ein Kompliment für uns. Wenn man Siebter wird, wenn einer 16 Tore schießt oder wenn ein Niki Havenaar beziehungsweise Max Senft eine starke Saison hat, dann sind die schwer zu halten. Das hat sich bei vielen abgezeichnet – ob beim Max, beim King (Mutandwa) oder beim Toni (Van Wyk), bei dem schon im Winter Interesse da war.

Tips:Wie läuft die Kaderplanung? Entscheiden vor allem Daten und Scouting, oder ist auch viel Gefühl dabei?

Wolfgang Fiala: Natürlich ist Gefühl dabei. Fußball ist es nicht so weit weg von anderen Bereichen: Es gibt Daten, Videos und Fakten, die auf dem Tisch liegen. Aber die Kaderplanung ist zu komplex und hat zu viele Variablen, um alles nur auf Daten oder einen Score herunterzubrechen. Sonst könnte jeder auf einen Wert schauen und danach Spieler auswählen.Es entsteht über längere Zeit ein Gefühl – durch viele Gespräche, Eindrücke und unterschiedliche Perspektiven. Je besser sich dieses Gefühl mit Daten und qualitativen Eindrücken kombinieren lässt, desto besser wird die Entscheidung.

Tips:Woran erkennen Sie bei einem potenziellen Neuzugang, dass er nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich passt?

Wolfgang Fiala: Auch das ist ein Gefühl. Man schaut, wie er sich am Platz verhält, welche Informationen man über ihn bekommt und was Leute sagen, die mit ihm gearbeitet haben. Wichtig ist auch die Frage: Was hat er gemacht, wenn es nicht so gut gelaufen ist? Dazu kommt der persönliche Eindruck – aus Video-Calls, Telefonaten und Gesprächen. Das alles fließt ein.

Tips:Wo steht der Kader jetzt? Was braucht die SVR noch?

Wolfgang Fiala: Ich denke, dass wir 14, 15 oder 16 Spieler haben, die wirklich sehr ordentlich sind. Die Neuzugänge haben bereits Eindruck hinterlassen, und dahinter können wir junge Spieler integrieren. Fakt ist aber auch: Wir brauchen noch den einen oder anderen Spieler.

Tips:Jussef Nasrawe hat jetzt die Nummer zehn bekommen. Ist das eine Beförderung?

Wolfgang Fiala: Das war sein Wunsch. Und weil er im Frühjahr seine Leistung kontinuierlich gesteigert hat, war das auch naheliegend. Ich mag junge Spieler, die Verantwortung übernehmen wollen.

Tips:Wollten Sie beim neuen Kader die Abgänge in erster Linie eins zu eins auffangen oder das Team neu strukturieren?

Wolfgang Fiala: Neu strukturieren. Eins zu eins geht es ohnehin nicht. Einen Niki Havenaar kann ich nicht eins zu eins ersetzen, weil er sehr spezielle Charakteristiken hat – genau danach haben wir ihn gescoutet. Es soll in eine ähnliche Richtung gehen und gewisse Aufgaben müssen abgedeckt werden. Aber jeder Mensch und jeder Spieler ist anders. Deshalb wird der Kader ein neues Gesicht und eine neue Struktur bekommen.

Tips:Was darf der SVR-Fan unter der Handschrift von Mario Despotovic erwarten?

Wolfgang Fiala:Zunächst sollen die Dinge bleiben, die uns stark gemacht haben: Wir werden sicher eine Mannschaft sehen, die hart arbeitet, viel läuft und für Gegner möglichst unangenehm ist. Zusätzlich wollen wir eine Mannschaft auf den Platz bringen, die noch unberechenbarer wird. Das war auch ein Hintergedanke bei der Entscheidung für Mario: dass er mit seinem Trainerteam den Spielern vielleicht noch mehr Verantwortung und Freiraum gibt.

Tips:Was war dann der Punkt, an dem er für Sie nicht nur ein interessanter Kandidat, sondern wirklich Ihr Wunschtrainer war?

Wolfgang Fiala: Die ersten und zweiten Gespräche mit ihm. Wir haben mit den Kandidaten sehr lange gesprochen. Nach dem zweiten Gespräch haben wir ihn dem Vorstand präsentiert, danach gab es noch einen Video-Call. Insgesamt waren es vier Gespräche über einen längeren Zeitraum und mehrere Stunden. Wenn man dann kein Gefühl bekommt, sollte man diesen Job nicht machen.

Tips:Welche Frage wollten Sie von ihm unbedingt beantwortet haben? Und was hat Sie an seiner Antwort überzeugt?

Wolfgang Fiala: Die größte Frage war sehr allgemein formuliert: Wie sehen Sie das Thema Entwicklung, insbesondere die Spielerentwicklung? Überzeugt haben mich seine Erfahrung und sein Blick auf die Sache. Er sieht Entwicklung als etwas sehr Komplexes, das nicht zu hundert Prozent kontrollierbar ist und zu dem verschiedene Wege führen können. Am Ende haben mich auch seine Klarheit und gleichzeitig seine Gelassenheit in den Antworten überzeugt.

Tips:Glauben Sie, dass seine neuen Ideen schnell greifen, ohne dass die alten Stärken verloren gehen?

Wolfgang Fiala: Ein Umbruch braucht immer Zeit. Das war vor drei Jahren nicht anders: Da hatten wir nach sechs Spielen in der zweiten Liga sechs Punkte. Deshalb werden wir nicht ungeduldig werden. Ich habe aber bereits in den ersten drei, vier Wochen der Vorbereitung gute Entwicklungsschritte in der Mannschaft gesehen. Entwicklung verläuft nicht linear nach oben, sondern ist immer wieder mit kleinen Rückschlägen verbunden. Das muss man als Fan, Verantwortlicher oder Sympathisant einpreisen. Wenn man der Mannschaft die nötige Zeit gibt, wird man eine sehr gute Tendenz sehen.

Tips:Max Senft hat sehr viel und sehr genau vorgegeben. Gibt es jetzt mehr Freiheit, mehr Offensive, vielleicht sogar mehr Risiko?

Wolfgang Fiala: Ob mehr Risiko, weiß ich gar nicht. Mir ist wichtig, dass ein Trainer einen roten Faden hat. Wenn ein Trainer ständig predigt, dass er viel Struktur will, dann aber nicht entsprechend coacht, wird es schwierig. Genauso ist es widersprüchlich, den Spielern Entscheidungsfreiheit zu versprechen und ihnen dann jeden Schritt vorzugeben. Mario ist ein anderer Typ als Max, das ist klar. Es geht darum, den Spielern einen Rahmen zu geben, ihnen aber gleichzeitig mehr Verantwortung zu übertragen – damit sie weniger zur Ersatzbank schauen und selbst Verantwortung übernehmen.

Tips:Wie viel Geduld wird Trainer und Mannschaft zugestanden, wenn es am Anfang nicht läuft?

Wolfgang Fiala: Geduld ist im Profifußball keine Kategorie. Man muss Schritt für Schritt bewerten, wie gearbeitet wird und wie sich die Mannschaft entwickelt. Wir können ein schwächeres Spiel einordnen und Leistung und Ergebnis so gut wie möglich voneinander trennen. Am Ende muss man aber eine Entwicklung und Tendenz sehen: Die Dinge müssen besser und nicht schlechter werden. Wenn wir nach fünf Runden nicht die Punktezahl haben, die wir uns wünschen, aber die zugrunde liegenden Kennzahlen zeigen, dass wir gut performen, ist das kein Problem. Wenn wir Zweiter sind, aber in allen Statistiken die Schlechtesten, müssen wir trotzdem reden und schauen, wie wir uns verbessern. Fußball ist zu zufällig, um alles nur an Ergebnissen festzumachen.

Tips:Die SV Ried ist schon öfter mit ungewöhnlichen Entscheidungen aufgefallen. Ist dieses „Out of the Box“-Denken bewusst entstanden oder eher eine Reaktion auf finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen?

Wolfgang Fiala: Es ist schon auch eine Reaktion. Salopp gesagt: Not macht erfinderisch. Bei uns gibt es aufgrund der Größe des Vereins manchmal ressourcentechnische Engpässe. Deshalb wäre es für mich nicht der richtige Ansatz, trotz geringerer Ressourcen einfach dasselbe zu machen wie alle anderen. Die entscheidenden Fragen sind: Welche Nischen können wir besetzen? Wo können wir anders vorgehen? Wo können wir einen Wettbewerbsvorteil herausholen? Das versuchen wir.

Tips:Was wäre für Sie am Ende eine gelungene Saison? Klar, der Klassenerhalt – aber kann oder muss sich die SVR nicht höhere Ziele setzen?

Wolfgang Fiala: Nein. Das Ziel ist der Klassenerhalt und die nachhaltige Etablierung in der Bundesliga. Nachhaltig in dieser Liga zu spielen, bedeutet für uns zunächst einmal: die Klasse halten. Wenn die Mannschaft mehr erreicht, sich gut weiterentwickelt und sich dadurch neue Ziele ergeben, wäre das natürlich schön. Aber als Verein ist das Saisonziel klar.


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