Jäger kritisieren: Bewusstsein für den Wald als Wild-Lebensraum geht verloren
BEZIRK ROHRBACH. Die Zunahme der unkontrollierten Freizeitnutzung in den heimischen Wäldern bereitet der Jägerschaft im Bezirk Rohrbach Sorgen. Der wiedergewählte Bezirksjägermeister Martin Eisschiel appellierte am Bezirksjägertag im Centro an die Vernunft der Bevölkerung, die Rückzugsorte des Wildes zu respektieren. Auch Rückkehrer und Zuwanderer beschäftigen die Jägerschaft.

„Jeder darf sich im Wald aufhalten, aber nur fußläufig!“, betonte Martin Eisschiel. Das Befahren, egal ob mit oder ohne Motor - ist an sich untersagt. „Leider wird auf die wichtige Funktion des Waldes als Lebensraum für unser Wild immer mehr vergessen.“
Dazu müsse man den Unterschied zwischen Dein und Mein wieder schärfen.
Elche in der Fotofalle
Der Bezirk Rohrbach ist in den vergangenen Jahren zum Zuwanderungs- und Rückkehrer-Gebiet für verschiedene Tierarten geworden. „Immer öfter werden von den Fotofallen im Böhmerwald Elche abgelichtet. Das war vor einigen Jahren noch undenkbar“, erklärte der Bezirksjägermeister. Auch der Bestand des Luchses steige stark und sei gesichert: „Da ist kein Aufwand mehr nötig, um ihn zu erhalten und die Zahl der bestätigten Risse durch Luchse wird immer größer. Wünschenswert wäre, dass diese beim Rehwild in die Abschusszahlen eingerechnet werden. Das würde der Akzeptanz des Luchses nicht schaden und Druck von den betroffenen Revieren nehmen.“
Wolf noch wenig Thema
Ein Zuwanderer, der in benachbarten Bezirken bereits auf dem Vormarsch ist, ist der Goldschakal - ebenso wie der Wolf. „Es gibt zwar einzelne Sichtungen aber wir haben momentan noch kein Problem. Wir müssen uns aber schon vorher Gedanken machen, wie wir dem begegnen wollen“, sprach Eisschiel in seinem Bericht ein heikles Thema an, und weiter: „Mich stören die ständigen Umfragen zur Akzeptanz des Wolfes. Angeblich sind 70 Prozent der Österreicher für ihn. Würden diese nur in ländlichen Regionen durchgeführt, in denen die Menschen mit ihm leben müssen, würde die Akzeptanz schnell Richtung null gehen.“ Auch Landesjägermeister Sepp Brandmayr, der als solcher bald in Pension gehen wird, schlug bei seinem letzten Bezirksjägertag in Rohrbach in dieselbe Kerbe: „Niemand spricht dem Wolf seine Lebensberechtigung ab, aber nur in seinem Lebensraum. Und der ist definitiv nicht mehr hier in Österreich, in einem Agrar- und Kulturland!“
Naturverjüngung braucht Schutz
Die gute Zusammenarbeit zwischen Jägerschaft und Landwirten lobte Bezirksbauernkammer-Obmann und Landtagsabgeordneter Georg Ecker (VP) in Vertretung des Landeshauptmannes: „Die Wildbestände sind gut an unseren Wald angepasst. Hinsichtlich Freizeitnutzung wird es aber nicht ohne die gegenseitige Rücksichtnahme auf die Interessen des Einzelnen gehen. Seitens der Jagd muss man auch eine gewisse Weiterentwicklung in den Wäldern zur Kenntnis nehmen. Wo es beispielsweise große Schadholzmengen durch den Käfer oder den Schneedruck gab, hoffen wir auf Naturverjüngung. Die Flächen müssen gut geschützt werden“, appellierte er an die Jägerschaft.
Abschusspläne erfüllt
Was die Abschusspläne betrifft, liegen die Jäger im Bezirk Rohrbach voll im Plan. Der Rotwildbestand hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Bezirk vervierfacht. Sorgen macht den knapp 938 Jägern des Bezirkes - darunter 65 Jägerinnen - der Feldhase. Man will sich Gedanken machen, wie man den Bestand wieder erhöhen kann, etwa durch vermehrte Raubwild-Bejagung.
Martin Eisschiel wurde von der versammelten Jägerschaft einstimmig für sechs weiter Jahre in sein Amt gewählt.
Ehrungen
Den „Goldenen Bruch“ für 50 Jahre Jagd gab es für Ernst Fischer (Pfarrkirchen), Albin Kitzberger (Altenfelden), Erwin Lichtenauer (Julbach), August Pühringer (Nebelberg), Johann Reininger (Stift Schlägl), Karl Reiter (Oepping), Norbert Turner (Neustift) und Hermann Zeller (Altenfelden)
Die Anstecknadel für 60 Jahre Jagdausübung erhielten Richard Neubauer (Rohrbach-Berg), Alois Priglinger (Niederwaldkirchen), Friedrich Ransmayr (Rohrbach-Berg), Siegfried Sailer (Haslach), Georg Salburg (Altenhof) und Erwin Wallinger (Kirchberg).
Die Raubwildnadel bekamen Konrad Andexlinger (Kleinzell), Franz Binder (Klaffer), Josef Grimps (Julbach), Kurt Hölzl (Hörbich), Alfred Kneidinger (St. Peter), Adolf Natschläger (Oepping) und August Stöbich (Sarleinsbach).
Mit der Ehrenurkunde für ausgeschiedenen Jagdleiter wurden Josef Mittermaier aus Schlägl, Johann Peter aus Aigen, Friedrich Ransmayr aus Rohrbach und Stefan Schütz aus Haslach ausgezeichnet.
Die Rebhuhnnadel durfte sich Alfred Wiltschko aus Ulrichsberg anstecken.
Wolfgang Falkner und Ewald Eckerstorfer von der Jagdhornbläsergruppe Pfarrkirchen bekamen das Jagdhornbläserabzeichen.


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