Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zerfiel die Monarchie in etliche Nationalstaaten. Im Norden des verbliebenen Kernlandes Österreich entstand der Staat Tschechoslowakei. Trotz größter Schwierigkeiten gelang dem damaligen Markt Rohrbach dank fortschrittlicher Bürger die Errichtung einer Höheren Schule für die Kinder. Aus dieser neuen Schulform entstand später die Hauptschule.
Der Besuch dieser neuen Schule in Rohrbach war freiwillig und den Kindern der gesamten Region zugänglich. Das ist erwähnenswert, weil auch Kinder aus dem Gebiet des angrenzenden Dorfes Deutsch-Reichenau im neuen Staat CSR die Hauptschule von Rohrbach wegen der leichten Erreichbarkeit besuchten. Während die benachbarten Haslacher Jugendlichen täglich zu Fuß zur Schule nach Rohrbach gingen war der Weg von Deutsch-Reichenau für den täglichen Schulbesuch schon zu beschwerlich. An einen Schulbus wie heute war nicht zu denken. Demnach fanden die Eltern der Schuljugend aus Deutsch-Reichenau eine Möglichkeit zum täglichen Besuch der Hauptschule in Rohrbach: Sie ersuchten die Hausbesitzer in Rohrbach, ihnen beim Schulbesuch ihrer Kinder behilflich zu sein, indem sie diesen während der Schulwoche Kost und Quartier in ihrem Haus gewährten. Diese vorteilhafte Quartiermöglichkeit nutzten hierauf Eltern der gesamten Rohrbacher Region für ihre Schulbesucher. Den Kostplatzeltern eröffnete sich gleichzeitig mit der Hauptschule eine Einnahmequelle aus der Aufnahme von Hauptschülern. Diese Möglichkeit des Hauptschulbesuches nahmen letztlich alle Eltern für ihre Kinder wahr, denen der tägliche Schulweg unzumutbar gewesen wäre. Zur Unterscheidung der österreichischen Schuljugend von den Angehörigen des neuen Staates Tschechoslowakei erfanden die Hauptschullehrer den Spitznamen „Fürsaumböhm“ (Fürsaum = Rand). Damit waren diese für alle anderen Mitschüler als Ausländer abgestempelt.
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