Wie die Schulschließung mit offenen Türen funktioniert

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Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 24.11.2020 11:25 Uhr

BEZIRK. Seit einer Woche sind die Schulen geschlossen, wobei diese wiederum für alle offen stehen, die Betreuungsbedarf haben. Im Vergleich zum Frühjahr wird diese Möglichkeit jetzt im zweiten Lockdown häufiger genutzt.

Etwa ein Fünftel aller Volksschüler in OÖ ist auch in Zeiten der geschlossenen Schulen in den Klassen anzutreffen; in den Mittelschulen und Gymnasien sind es rund acht Prozent. „Ich bin jeden Tag in der Schule bei meinen eigenen Schülern. Jeder kann kommen, der Betreuung braucht“, sagt eine Volksschullehrerin aus dem Bezirk, die aber auch von Schulen weiß, in denen die Pädagogen tageweise zur schulischen Betreuung eingeteilt sind.

Mit der Restklasse vor Ort macht die VS-Lehrerin die gleichen Übungen, die auch die Kinder zu Hause bekommen: „Jede Woche gibt es einen Plan mit analogen Lernmitteln, wie Büchern und Übungsmaterialien. Dabei sollen die Übungen so einfach wie möglich erklärt werden, damit die Kinder sie selbständig machen können und trotzdem produktiv sein. Sie sollen in dieser Zeit nichts beim Lernen verlieren“, sagt die Pädagogin. Ergänzend gibt es für die schnelleren Schüler Internet-Links, wobei diese Aufgaben jedoch teilweise an den fehlenden Endgeräten zu Hause scheitern.

Mit Schülern in Kontakt bleiben

Wichtig ist ihr der Kontakt mit ihren Schülern, der über Telefon oder Sprachnachrichten bestehen bleibt. Denn „zum Schulanfang hat man richtig gemerkt, wie sich die Kinder gefreut haben, dass sie wieder in die Schule gehen dürfen und wieder alle beisammen sind“, erzählt die Lehrerin.

Schulen funktionieren – aber um welchen Preis

Dennoch sei der Lockdown mit den Schulschließungen gerade im Bezirk Rohrbach dringend notwendig gewesen, ist der Leiter einer anderen Volksschule überzeugt. „Die neuerliche Notbremse ist von der Regierung nicht grundlos gezogen worden. Sie braucht aber gesetzlich verankerte Begleitmaßnahmen, wie finanzierte Pflegefreistellung für Familien mit Kindern“, meint er zur „Schulschließung mit offenen Türen“. Er spart auch nicht an Kritik: „Ein Wissenschaftsminister, der das Ergebnis seiner eigenen Studien ignoriert, denn die Gurgelstudie aus Schulen belegt klar, dass Kinder keinen Unterschied zu Erwachsenen in der Virusverbreitung machen und trotzdem tut man so, als wären Kinder als Virenverbreiter vernachlässigbar; eine Standesvertretung von Lehrern, die seit Monaten in der Schock- und/oder Parteisolidaridätsstarre verharrt, und bisher keinen wirksamen Arbeitnehmerschutz in Sachen Covid für Schulpersonal zusammengebracht hat; ein Schulbehördenapparat, der in vielen Sachen ein wenig ratlos scheint. Aber die Schule als Systemerhalter für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt funktioniert trotzdem mehr oder weniger gut.“ Allerdings um welchen Preis: „Man merkt allerorts, die Nerven liegen blank. Schulen und Kindergärten funktionieren in dieser Zeit nur, weil sich Menschen bis zum Anschlag ausrackern, genauso wie im Krankenversorgungs- und Pflegebereich“, sagt der VS-Direktor.

Kinder nehmen mit Sicherheit keinen – weder Bildungs- noch psychischen – Schaden, wenn sie ein paar Wochen weniger in der Schule sitzen, ergänzt der Pädagoge. „Echter Schaden hingegen entsteht aber, wenn sie in Gruppen beisammen sind, sich am Schulweg und in Schulbussen anhusten und balgen und sich dabei gegenseitig die Viren in die Familien hineintragen.“

Kinder brauchen Kontakt

Wie wichtig aber der soziale Kontakt ist, merkt die Klinische und Gesundheitspsychologin Barbara Belenky, die in ihrer Praxis in Niederwaldkirchen vermehrt Kindergartenkinder bis Jugendliche berät, die aufgrund des ersten Lockdowns psychische Folgen haben. „Von posttraumatischen Belastungsstörungen, wie es manche Studien angekündigt haben, kann ich zum Glück noch nicht berichten“, sagt sie. Aber Reizbarkeit, Schwierigkeiten ein- und durchzuschlafen, Veränderungen beim Essverhalten, Zurückhaltung, Angst und Traurigkeit seien mögliche Folgen des Lockdowns. „Bei Jugendlichen besteht noch die Gefahr des Cyber-Bulling, weil Teenager seit der ersten Ausgangssperre durchschnittlich mehr Zeit mit dem Handy und Tablet als vorher verbringen.“

Gelassen bleiben

Eltern rät sie zum einen, auf die eigene Gesundheit zu achten, denn „ausgeglichene Eltern können ihre Kinder besser durch diesen Lockdown begleiten“. Außerdem sei Routine wichtig: eine Zeit zum Lernen, zum Arbeiten, zum Essen, zum Spielen und Zeit für Medien. „Eltern sollen ihren Kindern auch ermöglichen, über Gefühle und Sorgen zu reden“, sagt die Psychologin. Und vor allem: „Gelassen bleiben: Versucht euer Bestes, aber ohne Druck, denn es kann nicht alles perfekt funktionieren.“

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