„Die Kriegsjahre haben mich sehr geprägt“: Hubert Neissl schreibt Geschichte nieder

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Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 21.12.2020 18:30 Uhr

HOFKIRCHEN. Das Forschen in alten Unterlagen und Zeitzeugnissen hat Hubert Neissl schon immer interessiert. Mit der Pensionierung fand er auch Zeit, die gesammelten Schätze zu sortieren und zeitgeschichtliche Broschüren und Bücher zu schreiben. Heute gilt er als einer der eifrigsten Geschichtsschreiber der Region.

Vom Ende des Zweiten Weltkrieges im westlichen Teil des Bezirkes Rohrbach berichtet das jüngste und wahrscheinlich auch letzte Werk des mittlerweile 90-jährigen Buchautors aus Hofkirchen. Er schildert darin tatsächliche Kampfhandlungen, schreibt über Verbrechen, Morde, über die Nazis und den Widerstand, über Flugzeugabstürze, Gefallene und junges Kanonenfutter. „Ich hätte noch über viele arge und schreckliche Vorfälle berichten können. Aber die schlimmsten Vorgänge habe ich nicht veröffentlicht, ich wollte es den Nachfahren der handelnden Personen ersparen“, ist er sich seiner Verantwortung bewusst.

Unvorstellbare Zustände

Die Kriegsereignisse in seiner Heimatgemeinde Hofkirchen haben den in den spärlichen 30er-Jahren geborenen Hubert Neissl sehr geprägt. Als junger Volksschüler war er ergriffen von den vielen fremden Menschen, die als Flüchtlinge, Heimatlose und Vertriebene immer wieder nach Hofkirchen gekommen waren und in „kleinen Löchern hausen mussten. Menschen, die keine Heimat haben, so wie ich – das war eigentlich unvorstellbar“, erzählt der Geschichtsschreiber, dem seine Heimat schon immer sehr wichtig war. „Hoamat, Hoamat, du bist mei zweit Mutterleib“, meint Neissl pathetisch. Und fügt nicht ohne Stolz hinzu: „Ich bin der erste gebürtige Hofkirchner, den der Kunrath Karl, ein ehemaliger Tierarzt und Geschichtsschreiber in Hofkirchen, motiviert hat, sich für Chronik und Heimatgeschichte zu interessieren.“

Heimatgeschichte lebendig halten

Jahrzehntelang hat er deshalb auch alle möglichen Unterlagen und Zeitzeugnisse, die ihm in die Finger fielen, gesammelt und aufgehoben. Und so keimte bald auch der Wunsch, alles in Buchform zu veröffentlichen, „etwas Wertvolles daraus zu machen“, wie Hubert Neissl sagt. Aber erst nach seiner Pensionierung fand der gelernte Wagnermeister die nötige Zeit, die Zeitgeschichte-Schätze aufzuarbeiten, systematisch zu erfassen und in öffentlichen Archiven und Pfarrchroniken weiter zu forschen. Schritt für Schritt begann Neissl vor beinahe 30 Jahren, themenbezogene Broschüren zu erstellen. Er kaufte sich einen Computer, erlernte mühsam den Umgang damit und widmete sich dem Schreiben. „28 Jahre, abertausende Stunden und jede Menge Geld aus meiner Privatschatulle habe ich in die örtliche und regionale Heimatgeschichte investiert“, resümiert der Hofkirchner, der seiner Frau Anna und seiner Familie für das aufgebrachte Verständnis sehr dankbar ist. „Hofkirchen, meine liebste Heimat war mir immer ein großes Anliegen. Es war mir immer wichtig, der Ortsgemeinschaft dienlich zu sein. In unterschiedlichen Funktionen habe ich mich diesbezüglich zur Verfügung gestellt.“

„Interessiert euch für die Geschichte“

Mit seinem Buch über das Kriegsende in Hofkirchen und der umliegenden Region im Bezirk Rohrbach und im benachbarten Bayern erfüllt sich sein großer Wunsch: nämlich drei in der Vergangenheit geschriebene Broschüren als umfassendes, stattliches Gesamtwerk zu veröffentlichen. Unterstützt wurde Neissl dabei vom ehemaligen Heimatverein-Bezirksobmann Felix Grubich und Bezirks-Topothekar Ignaz Märzinger.

Der leidenschaftliche Heimatkundler möchte zum Abschluss die heutige Jugend motivieren: „Interessiert euch für die Geschichte eurer unmittelbaren Heimat! Wer seine Geschichte nicht kennt, ist verdammt sie zu wiederholen – das wäre alles andere als gut.“

„Das Kriegsende in Hofkirchen und Umgebung“ von Hubert Neissl (erste Auflage mit 500 Stück) ist ab 23. Dezember um 25 Euro am Gemeindeamt Hofkirchen erhältlich. Tel. 07285/7011

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