Nachzucht der Flussperlmuschel in der Böhmerwaldregion gelingt
HASLACH/BEZIRK ROHRBACH. Mit einer frohen Botschaft startet die Naturschutzjugend önj Haslach ins neue Jahr: Die Nachzucht von Flussperlmuscheln in der Großen Mühl läuft erfolgreich seit fünf Jahren.

Während noch vor etwa 70 Jahren in den Fließgewässern der Böhmerwaldregion Flussperlmuscheln in großer Dichte zu finden waren, ist heute das Vorkommen auf winzige Restbestände beschränkt. Perlenräuberei und auch die Gewässerverschmutzung haben zum Rückgang der Vorkommen geführt. „Die Restbestände konnten sich nicht mehr erholen und sind heute deutlich überaltert. Der Fortbestand kann ohne menschliche Hilfe nicht mehr sichergestellt werden“, wissen Karl Zimmerhackl und Sophie Stelzer, die sich federführend um die Rettung der Flussperlmuscheln angenommen haben. „Seit vielen Jahren arbeiten wir aktiv für die Artenvielfalt in der Böhmerwaldregion. Dabei liegt uns die Rettung der Flussperlmuscheln, die als Ureinwohner gelten, besonders am Herzen“, betont Zimmerhackl.
Anspruchsvolle Jungtiere
Flussperlmuscheln brauchen nährstoffarmes, kaltes, sauerstoffreiches Wasser und besonders die Jungtiere brauchen gut durchströmtes Bachsediment, in dem sie die ersten Lebensjahre komplett vergraben sind. „Das Zusammenwirken verschiedener Gefährdungen verhindert, dass junge Muscheln überleben können. Dazu zählt etwa der übermäßige Eintrag von Nährstoffen und Feinsedimenten, die in die Fließgewässer gelangen. Fichtenmonokulturen, die bis an die Ufer reichen, verursachen die Versauerung des Bodens und somit auch der Gewässer und beeinflussen die Nahrungsmittelqualität. Zusätzlich wirkt sich der Klimawandel mit geringeren Niederschlägen, höheren Wassertemperaturen und häufigeren Extremereignissen bis auf den Grund unserer Bäche aus“, schildern die önj-Fachleute die Situation.
Flussperlmuscheln sind Umweltindikatoren
Für sie ist diese Tierart auch eine ökologische Messlatte: „Flussperlmuscheln stellen hohe Ansprüche an die Gewässergüte und gelten damit für uns als sensible Umweltindikatoren. Wo sie überleben können, haben auch andere Tiere und Pflanzen bessere Überlebenschancen.“ Sophie Stelzer ergänzt: „Flussperlmuscheln können über 100 Jahre alt werden und haben je nach Entwicklungsphase andere Anforderungen an ihren Lebensraum. Jede Verbesserung für die Muscheln ist eine Aufwertung für das gesamte Flussökosystem.“
Grenzübergreifende Zusammenarbeit
Die Österreichische Naturschutzjugend Haslach startete vor gut fünf Jahren ein grenzüberschreitendes Nachzuchtprojekt gemeinsam mit dem Forstamt des Stiftes Schlägl und dem Landschaftspflegeverband Passau, gefördert von der Abteilung Naturschutz der oö. Landesregierung: Seit dem Sommer 2016 werden jedes Jahr trächtige Muscheln aus der Großen Mühl für einige Wochen gemeinsam mit jungen Bachforellen in Rundstrombecken gehältert. Die Muscheln geben dort ihre Larven ins Wasser ab, die sich dann in den Kiemen der Bachforellen festsetzen und so überwintern. Im Frühling fallen die Jungmuscheln aus den Kiemen. Sie werden aufgefangen und in regelmäßig gereinigten Lochplatten oder Holzboxen ins Gewässer gesetzt. So sind sie vor Fressfeinden weitgehend sicher und werden bei höherer Wasserführung nicht abgeschwemmt.
600 Jungmuscheln
Seit Juli 2018 befinden sich die ersten, mindestens 600 nachgezüchteten Jungmuscheln wieder in der Großen Mühl. Da auch die Anzahl der noch vorhandenen Altmuscheln stabil ist, hoffen die hochmotivierten Umweltschützer, dass das Nachzuchtprojekt noch einige Jahre fortgesetzt werden kann. Ziel ist es, möglichst viele Jungmuscheln zu ernten und freizusetzen. Dafür sollen in den kommenden Jahren schrittweise bessere Bedingungen in den Gewässern der Region geschaffen werden: mit dem Ankauf von Uferrandstreifen, einer Bestandsumwandlung der ufernahen Fichtenwälder und lokalen Lebensraumverbesserungen.
Muschelpaten können das Nachzuchtprojekt der önj Haslach unterstützen: www.oenj-haslach.at, patenschaft@oenj-haslach.at


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