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NEUFELDEN/MÜHLVIERTEL. Zu Ertragseinbußen, aber nicht zu Qualitätseinbußen beim Mühlviertler Hopfen führte das Hagelunwetter im heurigen Frühsommer. Bei der Bonitierung wurde dem grünen Gold eine gute Qualität bescheinigt.

  1 / 11   Die Kommission bescheinigte dem Mühlviertler Hopfen eine gute Qualität: 99,91 Prozent der 115 Hopfen-Proben haben der höchsten Klasse entsprochen. (Foto: Gahleitner)

99,91 Prozent der 115 Hopfen-Proben haben der höchsten Klasse entsprochen; die Kommission unter Leiter Johann Jäger von der Brauunion bestätigte somit dem Mühlviertler Hopfen einmal mehr eine gute Qualität. Dabei war es wahrlich kein einfaches Jahr: Nach einem späten Start der Vegetationsperiode, hat der Hopfen den Rückstand im Juni aufholen können und alles sah nach einem guten Hopfenjahr aus. Bis Ende Juni ein noch nie dagewesenes Hagelunwetter kam.

65 Prozent der Gesamtfläche vom Hagel betroffen

„Das ging durchs Herz unseres Hopfenbaugebietes und schädigte die Pflanzenbestände schwer. 65 Prozent der Gesamtfläche waren betroffen“, berichtet Stefan Hofer, Obmann der Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft. Mit einem Ernteausfall von 35 Prozent habe man damals gerechnet, auch die überdurchschnittlichen Niederschläge im Sommer stellten die Landwirte vor eine große Herausforderung. Am Ende war die Ernte aber „besser als befürchtet“, verweist Hofer auf die 238 Tonnen Mühlviertler Hopfen, die auf den heimischen Feldern geerntet werden konnten.

Bitterhopfen verschönert Bilanz

Beim Bitterhopfen gab es sogar ein Plus von 10 Prozent. „Das verschönert die Bilanz, denn beim Aromahopfen haben wir doch gut 25 Prozent weniger, beim Biohopfen kam es teilweise sogar zu Totalausfällen mit kaputten Reben“, informiert Geschäftsführer Manuel Starlinger, der aber gleich beruhigt: „Es wird nächstes Jahr wieder Bier in der Region geben.“ Das heurige Jahr habe gezeigt, wie wichtig ein Überhang beim Hopfenanbau ist, vor allem im Biobereich ist man laufend auf der Suche nach neuen Hopfenbauern.

Vorratshaltung ist auch für die Brauereien wichtig, wie Peter Krammer von der Hofstettner Brauerei bestätigt. Der Absatz sei auch in Corona-Zeiten kaum zurückgegangen, sondern habe sich vom Faßbier auf Flaschen und Kisten verlagert.

70 Jahre Genossenschaft

Der Hopfenanbau geht im Mühlviertel übrigens zurück bis ins 13. Jahrhundert. Für viele Landwirte war es ein Zubrot und selbst Hausbesitzer haben vor ihren Häusern Hopfen gebedelt und auf den Dachböden getrocknet, weiß Markus Fösl. Der gebürtige St. Veiter hat zum 70-jährigen Jubiläum der Hopfenbaugenossenschaft die Geschichte des Hopfens aufgearbeitet. Ab 1860 kam es mit der Industrialisierung in den Brauereien und der Globalisierung des Hopfenmarktes zu einem Hopfenboom, im Zweiten Weltkrieg allerdings kam mit dem Rodebefehl das vorläufige Ende des Hopfenbaus im Mühlviertel.

Mit einem Hopfenversuch 1948 erfolgte der Neustart und bereits am 7. November 1951 wurde die Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft unter dem ersten Obmann Georg Engleder gegründet. In Folge ging es stetig bergauf: „Alte Stangenanlagen wurden durch Gerüsteanlagen ersetzt, ab 1969 kamen vermehrt Pflückmaschinen zum Einsatz und viele Darren wurden neu gebaut“, berichtet Fösl. An die Blüte des Hopfenanbaus kann man jedoch nach wie vor nicht anschließen: 1910 wurde auf 510 Hektar Gesamtfläche Hopfen angebaut; derzeit ist man bei gut 150 Hektar.


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Bertlwieser Franz, Aigen-Schlägl
Bertlwieser Franz, Aigen-Schlägl
21.10.2021 11:55

Hopfenbau im Bezirk Rohrbach, 70 Jahre Hopfenbaugenossenscha

Wenn man über den Mühlviertler Hopfen und die Hopfenbaugenossenschaft berichtet, gehört schon auch Ing. Josef Fellhofer (1900 – 1986) erwähnt! Geboren in Königswiesen besuchte er im 1. Weltkrieg die Ackerbau- und Obstbaumschule in Ritzlhof und schloss diese mit gutem Erfolg ab. Ab 1. September 1924 wurde er auf Grund seiner Fähigkeiten mit der Gründung einer landwirtschaftlichen Förderungs- und Beratungsstelle des OÖ. Landeskulturrates in Rohrbach betraut und baute dort systematisch die Landwirtschaftsberatung auf. Der Beginn dieser Arbeit war nicht leicht. Sein Arbeitsbereich erstreckte sich damals teilweise über die heutigen Bezirksgrenzen hinaus, so gehörten der Gerichtsbezirk Engelhartszell und große Teile des Bezirkes Urfahr ebenfalls zu seinem Beratungsbereich. Seine Arbeitsziele galten der Verbesserung der Getreidesorten durch gezielten Saatgutwechsel und der Rinderzucht durch geregelte Stierhaltung. Gleichzeitig übernahm er die Geschäftsführung der Rinderzuchtgenossenschaft Hofkirchen, die in der Folge auf den ganzen Bezirk ausgedehnt wurde und später in den Fleckviehzuchtverband Mühlviertel eingegangen ist. Besonders intensiv beschäftigte sich aber Josef Fellhofer mit den Produktionsbedingungen im Hopfenbau und er führte 1927 diese Sonderkultur in unserem Bezirk wiederum ein. Der Auf- und Ausbau des Hopfenanbaues einschließlich der Verwertung wurde bald sein Hauptanliegen. Auch die Gründung der Molkereigenossenschaft Rohrbach im Jahre 1929 und des Saatbauvereines Arnreit, welche später mit der OÖ. Saatbaugenossenschaft vereinigt wurde, waren weitere Aufgaben, die er erfolgreich durchführte. Im Jahre 1932 wurde vom OÖ. Landtag das Landwirtschaftskammergesetz beschlossen. Der bisherige Landeskulturrat und das Personal, darunter auch Insp. Josef Fellhofer, wurden von der neu gegründeten Landwirtschaftskammer übernommen. Vom März 1938 bis Mai 1945 war Fellhofer als Berater der Kreisbauernschaft Rohrbach unterstellt. Ab Mai 1945 wurde er wieder Wirtschaftsberater der Bezirksbauernkammer Rohrbach. Da nach 1938 der Hopfenbau in unserem Bezirk aufgelassen werden musste, begann er gleich nach dem 2. Weltkrieg wiederum mit dem Aufbau des Hopfenbaues. Josef Fellhofer war der Hauptinitiator bei der Gründung der OÖ. Hopfenbaugenossenschaft im Jahre 1951. Der Anbau und die Vermarktung dieser Sonderkultur in den Höhenlagen des oberen Mühlviertels kann wohl als das Lebenswerk von Josef Fellhofer angesehen werden. Viele Jahre lang war er auch ihr ehrenamtlicher Geschäftsführer. Man kann wohl zu Recht sagen, dass es den Hopfenbau in unserem Bezirk und die Hopfenbaugenossenschaft, ohne die unermüdliche Beratungsarbeit dieses Pioniers, in dieser Form nicht gäbe! Josef Fellhofer war bis 31. Dezember 1965 bei der Bezirksbauernkammer Rohrbach als Wirtschaftsberater beschäftigt. Die Gründung und der Aufbau dieser Beratungsstelle der Landwirtschaftskammer OÖ. ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Oberinspektor Josef Fellhofer verstarb am 3. April 1986 in Rohrbach.