In der Stiftsbrauerei ist eine diplomierte Bierbraumeisterin am Werk
AIGEN-SCHLÄGL. Ein klassisches Wanderjahr hätte es für Karin Thaller in der Stiftsbrauerei werden sollen. Mittlerweile ist sie bereits seit vier Jahren hier in Schlägl am Werk und hat zudem ihr Studium zur diplomierten Bierbraumeisterin in Weihenstephan erfolgreich abgeschlossen.

Damit gehört die 26-Jährige zu den ersten Bierbraumeisterinnen mit Diplom in Österreich. „Durch das Studium bekommt man Weitblick für die tägliche Arbeit und breit gefächertes Wissen“, sagt Karin Thaller, die 2015, nach der Matura, ihre Lehre als Brau- und Getränketechnikerin begonnen hat. „Damals gab es keine zehn Brauerinnen in Österreich, jetzt sind es schon ein bisserl mehr“, weiß die gebürtige Tullnerin. Ihr Heimatort und damit die Nähe zur Brauerei Zwettl haben die Berufswahl quasi vorgegeben: Schon mit 14 Jahren erlebte sie ihren ersten Schnuppertag in der Brauerei und war vom Fleck weg fasziniert: „Nur vier Rohstoffe und es kommt immer was anderes raus“, ist sie von der Biervielfalt beeindruckt. Ob Märzen, Pils, Weizen oder Dunkles, Stout oder Ale; ob süß, hopfig bitter, fruchtig oder blumig – „pauschal zu sagen, man mag kein Bier, ist so, als ob man sagt, man mag kein Obst“, meint Karin Thaller. Gerade die Craft Beer-Szene habe viel aufgerührt, „das tut der Biervielfalt gut.“
Sensorik ist das wichtigste Instrument
In Schlägl gefällt der leidenschaftlichen Bierbrauerin nicht nur, dass auch im neuen Braukeller trotz modernster Technik viel Wert aufs Handwerk gelegt wird, sondern auch die kreative Spielwiese, wo sich die Brauer austoben können und Spezialbiere entstehen. Seit 2016 ist Karin auch Biersommelière und trainiert ihre Sensorik – das „wichtigste Instrument eines Braumeisters, das kein Analysegerät ersetzen kann“ – eigentlich ständig. „Ich rieche automatisch vor jedem Schluck, egal welches Getränk“, meint sie. Als Teil des österreichischen Nationalteams wird sie im September an der Biersommelier-Weltmeisterschaft in München teilnehmen.
Das Team der Stiftsbrauerei freut sich natürlich mit der tüchtigen Mitarbeiterin: „Es ist beeindruckend, um nicht zu sagen mutig, wenn sich eine junge Frau einem so männerlastigen Beruf stellt. Und sie meistert das mit Bravour, da sind wir auch stolz darauf“, bekräftigt Betriebs- und Marketingleiterin Elfriede Haindl.
Die Reise geht weiter
Allerdings führt mit Oktober der Weg der diplomierten Bierbraumeisterin weiter nach Kelheim zu Schneider Weisse. Dort will sie in der reinen Weißbierproduktion neue Erfahrungen sammeln, auch wenn der Abschied von Schlägl schwerfällt.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden