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Von Pfarrkirchen über Barcelona nach Costa Rica: „Auf dieser Welt gibt es einfach viel zu viel zu lernen“

Martina Gahleitner, 02.05.2024 05:37

PFARRKIRCHEN. Nach Matura und Zivildienst kurz mal weg: Das hatte der damals 20-jährige Markus Sageder aus Pfarrkirchen vor. Aus ein paar Monaten Barcelona sind fast 17 Jahre geworden und mittlerweile ist der Mühlviertler mitsamt seiner ecuadorianischen Frau und den gemeinsamen Kindern nach Costa Rica weitergezogen. Im Tips-Gespräch erzählt er von seinem Auswanderer-Leben.

  1 / 4   Markus Sageder mit seiner Familie beim Vulkan Irazu in Costa Rica. Die Corona-Zeit haben sie genutzt, um die neue Heimat in Südamerika zu erkunden. (Foto: privat)

Tips:Wann hat Sie als junger Mann die Reiselust gepackt?

Markus Sageder: Ich habe nach der Hauptschule in Hofkirchen die HTBLA St. Florian besucht. Hier mussten wir ein Praktikum machen und ich habe dieses damals mit 17 Jahren in Kanada absolviert. Mein erstes Mal wegfliegen war also gleich auf einen neuen Kontinent. Das hat mir die Augen geöffnet, wie groß die Welt ist und wie wenig man eigentlich davon gesehen hat. Und mir wurde klar, dass ich irgendwann wieder weggehen muss. Das war dann nach dem Zivildienst, als ich vor dem Studium noch eine Zwischenzeit in Barcelona machen wollte. Damals sagte ich zu meinem Freund Benedikt, dass es nur für ein paar Monate sein würde, aber das Leben hat oft andere Pläne.

Aus den geplanten paar Monaten sind ja dann ein paar Jahre geworden.

Ich habe anfangs bei der Familie des spanischen Freundes meiner Schwester gewohnt und ich kann mich noch erinnern, als ich damals mit gebrochenem Englisch und ohne Spanisch auf dem Passeig De Gracia nach der Adresse gefragt habe und mir keiner antworten konnte, da dachte ich mir, was machst du eigentlich hier.

Nach etwa drei Monaten bin ich dann in eine WG gezogen, habe eine Arbeit gefunden und war auf einmal mittendrin in dieser multikulturellen Welt – habe gewohnt mit einer Argentinierin, einem Dänen und einem Ungarn. Ich arbeitete mit Menschen aus ganz Europa und habe zum ersten Mal so richtig geschätzt, was die Europäische Union heute bedeutet. Ein paar Monate später habe ich meine heutige Frau Jessica kennengelernt und war wie verzaubert von der Stadt, von den Möglichkeiten, und Österreich rutschte mit jedem Jahr immer weiter in die Ferne.

Nach 17 Jahren in Spanien folgte vor drei Jahren Costa Rica. Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, so weit weg von Ihrer ursprünglichen Heimat eine Zukunft aufzubauen?

Während der Covid-Zeit, als wir viel zu Hause waren, kam irgendwann der Gedanke auf, noch einmal etwas Verrücktes zu unternehmen und unseren beiden kleinen Kindern Matteo und Emily (damals 6 und 7) die Kultur ihrer Mutter Jessica näherzubringen. Unsere älteste Tochter Celine war damals im Sommer als Au Pair in Deutschland und hat sich dann entschieden, nach Österreich zu ziehen. Für mich ergab sich zufällig die berufliche Möglichkeit, das geplante Büro von Autodesk in Costa Rica zu leiten. Es war eine bewusste Entscheidung, noch einmal etwas Neues auszuprobieren, aus unserer Komfortzone herauszutreten, und im Nachhinein war es eine großartige Entscheidung. Wir kannten das Land vorher nicht; alles, was wir über Costa Rica wussten, hatten wir im Fernsehen oder auf YouTube gesehen. Es war natürlich viel einfacher, in ein Land zu kommen, in dem man eine Arbeit hat, und unsere Firma hat sich hier sehr gut um uns gekümmert.

Wie ist das Leben in Costa Rica?

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir nach der ersten Nacht so verblüfft waren über den lauten Gesang der Vögel im Garten und über die Fülle an Flora. Alles wuchs und gedieh so üppig, im Gegensatz zu dem eher trockenen Klima in Spanien. Auch der erste Besuch auf dem Bauernmarkt war ein Erlebnis, als wir plötzlich Mangos, natürlich gereifte Bananen, Maracuja, Avocados und viele neue exotische Früchte entdeckten – fast schon paradiesisch. Wir haben die Covid-Zeit genutzt und haben viel vom Land an den Wochenenden erkundet. Das Leben an der Küste und außerhalb von San Jose hat eine andere Geschwindigkeit, und die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich natürlich dort. Ob Wale und Delfine vor Uvita, verschiedene Affenarten, Spinnen und Leguane in Manuel Antonio, das Rösten von Kaffee in Terrazu/Dota, die Thermalbäder und Vulkane in La Fortuna, Schildkröten und Krokodile am Playa Grande, das Surfen in Tamarindo, der Eingeborenenstamm der BriBris in Talamaka in der Karibik, Korallenriffe in Corcovado und Cahuita und vieles mehr – es gab immer etwas Neues zu entdecken.

Die Ticos (Costa Ricaner) sind ein unglaublich freundliches Volk, sehr hilfsbereit und immer gut gelaunt. Sie leben das Pura Vida, das reine Leben, das in etwa 20 verschiedenen Varianten als Antwortmöglichkeit auf verschiedene Fragen angewendet werden kann.

Was schauen Ihre weiteren beruflichen Ziele aus?

Aktuell bin ich Standortleiter bei Autodesk Costa Rica und leite mit meinem Team den Vertriebsinnendienst für ganz Südamerika. Von hier aus arbeiten wir eng mit den nationalen Büros in Mexiko, Kolumbien, Argentinien und Brasilien zusammen. Unser Büro ist in den letzten drei Jahren auf 75 Mitarbeiter angewachsen. Was die Zukunft bringt, weiß ich noch nicht. Ich versuche nie länger als zwei bis drei Jahre in der gleichen Stelle zu bleiben, da es auf dieser Welt einfach viel zu viel zu lernen gibt. Daher bemühe ich mich stets um Veränderung und neue Aufgabenbereiche. Vielleicht geht es als nächste Station zurück nach Österreich oder wieder nach Spanien, wir wissen es noch nicht so genau. 

Wieviel Kontakt besteht noch mit den Mühlviertlern und was vermissen Sie besonders?

Gute Freunde aus dem Mühlviertel waren gerade bei uns in Costa Rica zu Besuch und per WhatsApp halte ich mit meinen „Hittnbuam“ noch Kontakt. Die gemeinsame Vergangenheit und Freundschaft verbindet uns bis heute, auch wenn wir uns nicht mehr so oft sehen. Meine Familie ist mittlerweile stark gewachsen, aber die Kinder meiner Geschwister sehe ich fast nur über WhatsApp-Bilder und Videos aufwachsen.

Wenn wir in Österreich ankommen, gibt es zuerst eine Leberkässemmel und einen Almdudler. Das ist mittlerweile fast zur Familientradition geworden. Auch in Costa Rica darf natürlich Leinöl und Kùrbiskernöl im Haushalt nicht fehlen.

Was würden Sie Auswander-Willigen und generell jungen Menschen raten?

Ich kann nur jedem, der den Drang verspürt, empfehlen, ins Ausland zu gehen – auch wenn es nur vorübergehend ist. Als ich damals kurz davorstand, nach Kanada zu gehen, habe ich lange überlegt, ob ich gehen sollte oder nicht. Ich hatte Bedenken, dass ich etwas verpassen könnte, wenn ich einen Sommer weg bin. Im Nachhinein war es jedoch eine der besten Entscheidungen, die ich jemals getroffen habe. Vermutlich legte es auch den Grundstein dafür, später erneut den Mut zu finden und es noch einmal zu versuchen.


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