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Experten-Rat von Philipp Grill: Warum es nicht schlau ist, KI als dumm zu bezeichnen

Martina Gahleitner, 29.07.2026 09:33

ROHRBACH-BERG. Der regionale KI-Experte Philipp Grill lässt Tips-Leser mit Beiträgen an seinem Wissen teilhaben und verrät, wie man Künstliche Intelligenz besser verstehen und ihre Chancen und 
Risiken abwägen kann.

Philipp Grill beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Künstlicher Intelligenz. (Foto: Isabella Hewlett)

Nimmt dir KI bald den Job weg? Fragst du 53 Sprachmodelle, ob man zur 50 Meter entfernten Autowaschanlage geht oder fährt, raten dir 42 zum Gehen. Denn das spart Sprit. Dumm nur: Dann steht das Auto ungewaschen daheim.Solche Patzer sind lustig und viele lehnen sich beruhigt zurück: „KI ist dumm, mein Job ist sicher.“ Der erste Denkfehler.Der Patzer ist kein Zufall, er steckt in der Funktionsweise der Modelle. Ein Sprachmodell „denkt“ anders als wir: Es berechnet, wie wahrscheinlich das nächste Wortstück ist. Bei der Waschanlage ist „kurze Strecke, geh zu Fuß“ ein sehr naheliegendes Muster. Dass das Auto mitmuss, ist hingegen unterrepräsentiert, weil für uns ja logisch. Deshalb irren fast alle Modelle in dieselbe Richtung. Von den 53 Modellen lagen 33 auch bei zehn Versuchen kein einziges Mal richtig. Nur fünf lagen immer richtig.Der zweite Denkfehler steckt schon im Wort „KI“. Wir stellen uns eine menschenähnliche Intelligenz vor (General AI). Diese gibt es aber nicht und die Schätzungen, wann sie kommen wird, reichen von bald bis nie. Was es gibt, sind spezialisierte Modelle für genau eine Aufgabe (Narrow AI) und Sprachmodelle wie ChatGPT, die weder das eine noch das andere sind. Ihr Können verläuft zackig (Jagged Frontier): Gerade übermenschlich, doch im nächsten Moment scheitern sie am Kinderleichten. Der dritte Denkfehler: Wir fragen uns, ob KI unsere Arbeit machen kann – dabei muss sie diese nur programmieren. Unsere Arbeit wird dann nicht von KI, sondern einem Skript ersetzt. Programmieren wird durch KI schneller und billiger und Automatisierung lohnt sich nun auch dort, wo sie bisher zu teuer war.Nimmt dir KI also den Job weg? 
KI alleine nicht, aber Menschen, die mit ihr arbeiten und deine Arbeit dadurch schneller erledigen oder überflüssig machen. Um von KI zu profitieren, musst du wissen, wo in deinem Beruf die Zacken verlaufen: Was KI zuverlässig kann und was nicht. Das steht in keinem Artikel, das findest du nur heraus, indem du KI nutzt.

Im nächsten Beitrag beschreibt Philipp Grill, warum dir KI das Suchen abnimmt, aber nicht das Finden.


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