Vom Rohrbacher, der aus Alcatraz fliehen wollte
ROHRBACH-BERG/SAN FRANCISCO. Es war im Jahr 1936, als erstmals ein Häftling versuchte, aus dem berüchtigten Gefängnis Alcatraz zu fliehen. Gelungen ist das Vorhaben nicht, doch Joseph Bowers schrieb damit Geschichte. Was kaum jemand weiß und wovon im neuesten Behmwind-Heft des Bezirksheimatvereins zu lesen ist: Der besagte Gefangene Nr. 210 war ein gebürtiger Rohrbacher.

ORF-Redakteur und Fernseh-Chef Gernot Ecker hat sich für den Heimatverein des Bezirkes Rohrbach auf Spurensuche gemacht und auf 18 Seiten die Lebensgeschichte des 1897 geborenen Josef Ebner zusammengefasst. Dieser schloss sich nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1922 der großen Auswanderungswelle an und versuchte sein Glück in der Neuen Welt.
Ein Leben zwischen Lügen und Straftaten
Es war ein Leben voller Lügen, das er sich als Joseph Bowers in den USA aufbaute. Und ein Leben, das zunehmend von Straftaten geprägt war. Diese gipfelten im Jahr 1932 in einer für den Mühlviertler verhängnisvollen Tat: Gemeinsam mit einem Komplizen überfiel der bis dahin Kleinkriminelle die Poststation in einem kalifornischen Goldgräberort und bedrohte den diensthabenden Beamten mit einer Waffe. So sah es jedenfalls das Gericht als bewiesen an, auch wenn Ebner die Tat bestreitet. Er wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. Zwei Jahre saß er in einem Bundesgefängnis, ehe er trotz der zunehmenden psychischen Probleme ins Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz in der Bucht vor San Francisco verlegt wurde.
Mit Schwerkriminellen, Mördern, Entführern und Mafiagangstern als Mitgefangene und unter Haftbedingungen, die als die strengsten in der Geschichte des Gefängnisses gelten, zeigten die harten Bedingungen rasch ihre Folgen. Schon nach einem halben Jahr Haft unternahm Ebner einen Selbstmordversuch. Deshalb könnte der Ausbruchsversuch am 27. April 1936 ein bewusst in Kauf genommener Tod gewesen sein – unter den Alcatraz-Häftlingen ging das Gerücht um, er habe einfach den leichtesten Ausweg gewählt.
Flucht in den Tod?
Was war passiert? Josef Ebner war an diesem Tag zum Müllsortieren abkommandiert. Als das Signal zur Rückkehr in die Zellen ertönte, ging der Rohrbacher einfach in die entgegengesetzte Richtung und kletterte auf den Maschendrahtzaun, der das Gefängnisareal umgibt. Am helllichten Tag, zur Mittagszeit, blieb das natürlich nicht unbemerkt. Laut den Recherchen von Gernot Ecker rief ein Wachmann ihm mehrmals zu, wieder herunterzukommen. Doch Ebner kletterte trotz der Warnschüsse weiter. Als er über die obersten Stacheldrahtstränge klettern wollte, fiel ein weiterer Schuss – der ihn tödlich traf. Ebner fiel vom Zaun auf die Außenseite des Gefängnisses und damit tatsächlich in Freiheit. Seine Aktion gilt daher als Ausbruchsversuch. Eine große Steintafel erinnert heute die Gefängnisbesucher an den ersten Fluchtversuch aus Alcatraz. Bis zur Schließung im Jahr 1963 folgten 13 weitere durch insgesamt 35 Insassen.
Behmwind Nr. 39
Das aktuelle Behmwind-Heft des Bezirksheimatvereins beinhaltet nicht nur die Geschichte vom ersten Ausbrecher aus Alcatraz. Zu lesen ist auch von alpinen Phänomenen im Böhmerwald, mit denen sich Fritz Bertlwieser beschäftigt hat. Walter Großhaupt bezweifelt in einer Biographie, dass der ehemalige Rohrbacher NSDAP-Kreisleiter-Stv. Rudolf David nach dem Krieg ein geläuterter Nationalsozialist war. Felix Grubich hat den Briefverkehr des Peilsteiner Kriegsgefangenen Ludwig Paster aus den USA mit der Heimat aufbereitet. Franz Reitinger aus Sarleinsbach hat eine kleine Biographie über seinen Vater verfasst, der ein Leben in Uniform verbracht hat. Monika Klepp widmet sich den Kunstwerken aus der aufgelassenen Schlosskapelle in Langhalsen, die in der Pfarrkirche Neufelden gelandet sind. Auf die Rohrbacher Bürgerschule 1922 schaut Felix Grubich zurück.In der Serie „Künstler aus dem Bezirk“ stellt Wolfgang Baumüller diesmal Gerhard Wöß aus Ulrichsberg vor. Dem kürzlich verstorbenen Schlägler Prämonstratenser und Historiker Isfried H. Pichler ist ein Nachruf von Fritz Bertlwieser gewidmet.Zwei Buchvorstellungen runden das 120 Seiten starke A5-Heft ab.Bezugsquellen des „Behmwind“: die meisten Gemeindeämter, Buchhandlung Frick Rohrbach, Klosterladen Stift Schlägl, Trafik Brunner Haslach, Marktplatzerl Inge Fuchs Neufelden, Monika Staltner Lembach, Kaufhäuser Wöss Kollerschlag, Innertsberger Peilstein. Preis: 12 Euro








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