Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Investitionen in mehr Klimafreundlichkeit: Traditionsbrauerei denkt an die Zukunft

Martina Gahleitner, 04.11.2021 04:11

ST. MARTIN. Traditionsbewusst und dennoch mit Weitblick wird in der Brauerei Hofstetten gearbeitet. Das zeigt sich etwa im geplanten Umstieg auf klimafreundliche Prozesswärme.

In der Brauerei Hofstetten wird mit regionalen Rohstoffen Bier gebraut. (Foto: Brauerei Hofstetten)
  1 / 2   In der Brauerei Hofstetten wird mit regionalen Rohstoffen Bier gebraut. (Foto: Brauerei Hofstetten)

„Klimaschutz braucht große Umstellungen und damit große Investitionen“, ist sich Brauereibesitzer Peter Krammer bewusst. Für ihn sind diese aber selbstverständlich: „Nach meiner Überzeugung gehört das, was wir besitzen, schon immer der nächsten Generation.“ 2016 wurde ein effizientes neues Sudhaus errichtet, um die gestiegene Nachfrage zu befriedigen und zugleich durch Wärmerückgewinnung Primärenergie – also Öl – einzusparen. Um die Energiewende voranzutreiben, ist in den nächsten Jahren ein Umstieg auf klimafreundliche Prozesswärme angedacht. Krammer ergänzt: „Mir ist wichtig, die gute Substanz zu erhalten – möglichst in ihrer Funktion. Die nächste herausfordernde Aufgabe ist daher: Wie tauschen wir die Lagertanks im tiefen Keller im zweiten Untergeschoß, anstatt eine neue Kühlhalle auf noch unbebauter Fläche hinzustellen?“

Ebenso möchte er als ferneres Ziel die Anlage zum Keimen der Gerste wieder in Betrieb nehmen und in vorhandenen Raumressourcen selber Malz herstellen.

Mühlviertler Rohstoffe

Die Aufbruchsstimmung in der Mühlviertler Brauerei begann, als einige Schlüsselerlebnisse notwendige Veränderungen aufzeigten. „Der wirtschaftlich alles entscheidende Bierhauptbestandteil, nämlich das Wasser aus dem eigenen Brunnen, stand in Frage, denn die Nitratbelastung war damals ansteigend Richtung Grenzwert“, erzählt der Unternehmer und Landwirt. Er ließ die weitläufigen eigenen Äcker oberhalb des Brunnens in Brauteichnähe 2001 zum Wasserschutzgebiet erklären und stellte auf Biolandbau um. Das sicherte die heute wieder ausgezeichnete und akribisch überwachte Wasserqualität und war zudem Grundlage für die hochwertige Braugerste, die seit einigen Jahren wieder auf den Feldern wächst.

Ehrlicher Preis fürs Bier

Dabei arbeitet Peter Krammer intensiv mit den heimischen Biobauern zusammen. „Gerade die inhaltsreichen Produkte der Biobetriebe ermöglichen erst den Ausbau unterschiedlichster Geschmacksvarianten der vielen Biersorten, die alle ihre Liebhaber gefunden haben. Wir sind dankbar für einen treuen Kundenstock, der bereit ist, einen ehrlichen Preis zu bezahlen – als Voraussetzung für den nächsten Schritt. So schafften wir es nämlich, unseren Landwirten 50 Prozent über dem Marktpreis zu zahlen. Im Umkehrschluss braut Hofstetten kein ‚Aktionsbier’ und gewährt keine Rabatte. Schleuderpreise verursachen auf Umwegen Kosten für Mensch und Natur.“

Der erstarkte Trend zu regionalen Produkten spielt der Brauerei Hofstetten ebenso in die Karten, wie der Umdenkprozess zur Jahrtausendwende. „Bedroht es nicht die Vielfalt der Produkte, die Arbeitsplätze und das Leben in der Region, wenn kleine Firmen reihenweise eingehen, weil sich alles in wenigen großen konzentriert? So wandert doch nur die Wertschöpfung in die Ballungsräume und der Verkehr nimmt weiter zu. Da waren auf einmal kleine Betriebe wieder etwas wert“, sagt Krammer. Diese veränderte Sichtweise der Bevölkerung machte ein wachsendes Betriebsergebnis für die Brauerei möglich – und die nachhaltige Entwicklung der Brauerei bleibt auch finanzierbar.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden