Ausbau der Kinderbetreuung ist notwendig für beruflichen Wiedereinstieg

Martina Gahleitner Tips Redaktion Martina Gahleitner, 05.10.2022 18:21 Uhr

BEZIRK ROHRBACH. Fehlende Kinderbetreuung ist einer der wichtigsten Gründe, warum Frauen nach der Karenzzeit nicht in gewünschtem Ausmaß wieder ins Berufsleben zurückkehren können.

In den letzten Jahren ist die Zahl von Frauen, die in Vollzeit beschäftigt sind, im Bezirk Rohrbach um 20 Prozent gesunken; fast 70 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit. Für den Bezirksstellenausschuss der Rohrbacher Wirtschaftskammer ist einer der Gründe dafür das vielerorts eingeschränkte Angebot an flexiblen und familienfreundlichen Lösungen. „Obwohl sich im Bezirk in den letzten Jahren in Sachen Kinderbetreuung schon einiges getan hat, gibt es in diesem Bereich nach wie vor Luft nach oben, damit eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich wird“, weiß WK-Bezirksstellenobmann Andreas Höllinger.

Wie es funktionieren kann, zeigt das Unternehmen Röchling Industrial Oepping: Gudrun Felhofer ist nach der Karenzzeit mit 25 Wochenstunden eingestiegen und schätzt die Familienfreundlichkeit des Betriebes. „Ich wollte einfach rasch wieder beginnen, um mein Know-how in meinem erlernten Beruf nicht zu verlieren. Dabei habe ich einen Arbeitsplatz gefunden, an dem ich meine Kompetenzen anwenden und mich beruflich weiterentwickeln kann, vor allem aber wo familienfreundliche Arbeitsbedingungen herrschen. Der kürzere Arbeitsweg erleichtert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehr.“

Teilzeit führt langfristig zu finanziellen Nachteilen

Je früher eine Frau aus der Karenz in ihren Beruf zurückkehren kann, desto geringer ist in den meisten Fällen der berufliche Karriereknick. Lange Karenzzeiten und Teilzeitarbeit ziehen meist auch langfristige finanzielle Konsequenzen nach sich, die sich im Lebenseinkommen und später bei den Pensionsansprüchen bemerkbar machen. So erhält etwa eine Frau, die nach der Karenz bis zum Pensionsantritt nur mehr mit 20 Stunden arbeitet, später eine um zirka 40 Prozent niedrigere Pension. Bei Alleinerzieherinnen wirkt sich das noch dramatischer aus.

Beide Seiten profitieren

Von einem raschen Wiedereinstieg ins Berufsleben nach der Karenz profitieren beide Seiten: Arbeitnehmerinnen, die up to date bleiben können, und auch Arbeitgebende, wenn Wissen und Fähigkeiten schnell wieder verfügbar sind. „Was es dafür braucht, sind Bereitschaft, Flexibilität, Zusammenarbeit sowie der Dialog aller Beteiligten“, sagt Höllinger.

Röchling Industrial Oepping ist nur eines von zahlreichen Unternehmen, das kreativ gedacht und neue Wege gefunden hat, um Lösungen zu schaffen. Unter anderem auch mit dem Kinderbetreuungsangebot in den Sommermonaten, das es heuer bereits zum sechsten Mal gegeben hat. Röchling-Geschäftsführerin Sandra Höglinger empfiehlt für Familienfreundlichkeit in Betrieben: „Wichtig sind ganz offene Gespräche über das Ausmaß und die Gestaltung der Arbeitszeit und die vorhandene Kinderbetreuung. Wir wollen vor allem die Motivation zum Wiedereinstieg unterstützen.“

Neben den Maßnahmen auf Unternehmensebene braucht es auch seitens der Politik eine weitere Verbesserung der finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten, um jungen Familien die berufliche Planung und Zukunft zu erleichtern.

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