Wie der Pfaffenhofer zum Ziehvater des neuen ungarischen Hopfens wurde
ST. PETER AM WIMBERG. Eigentlich könnte Josef Reiter (65) in seiner wohlverdienten Pension das Leben genießen, Arbeit Arbeit sein lassen und sich eine schöne Zeit machen. Das tut der „alte“ Pfaffenhofer auch. Aber nicht nur – der Hopfen „schreit“ ihm auch über eine Entfernung von mehr als 600 Kilometern. In Ungarn hilft er, den zwischenzeitlich völlig verschwundenen Hopfenanbau wieder zu etablieren.

Bis an die slowenische Grenze hat es Sepp Reiter für dieses Projekt der ungarischen Hilfsorganisation „Ökumenikus“ verschlagen, genauer gesagt ins Dörfchen Kastélyosdombó. Dort befindet sich ein Modellprojekt zur Wiedereingliederung von Menschen in ein normales Alltagsleben, denn Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Arbeitslosigkeit sind in dieser Region zu einem enormen Problem geworden. Das Team dort versucht, den Menschen zu vermitteln, wie sie wieder mit eigener Hände Arbeit Geld verdienen und sich eine neue Existenz aufbauen können.
Ein Teil des Projektes widmet sich dem Hopfenanbau – und da kommt Sepp Reiter ins Spiel, der seit vier Jahren dieses Unterfangen berät.
Ein Leben mit dem Hopfen
Wie das kam, erzählt der rüstige Pensionist selbst: „Ein Bekannter aus der Brau-Szene hat von dem Projekt gewusst und mich quasi vermittelt. Ein wenig Ahnung vom Hopfen hab ich ja“, grinst er und untertreibt damit gewaltig, denn das Wissen um den Hopfenanbau hat der Petringer quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen. Schon alleine die Lage seines Hofes in der Hopfenau sagt alles. Vom Vater, der 1963 mit 1.000 Stauden mit dem Anbau des „Grünen Goldes“ begonnen hat, hat er alles von der Pike auf gelernt. 40 Jahre lang war er dann Hopfenbauer, bis er vor einigen Jahren an die Jungen übergeben hat. Und zwischendurch war er 20 Jahre lang Funktionär bei der Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft, zehn davon sogar Obmann. Vom Hopfen kann ihm also keiner so schnell was erzählen.
Ein Anfang bei null
Doch zurück zum Projekt in Ungarn: Dort ist der Hopfenanbau in den vergangenen zwei Jahrzehnten komplett verschwunden. Maschinen gab es zwar noch, aber niemand mehr wusste, wie man die Pflanzen ordentlich kultiviert. Deshalb suchte man einen Berater, der sein Wissen weitergeben würde. Sepp Reiter ist dafür wie geschaffen. „Wir haben dort also bei null wieder angefangen. Ich hab‘ ihnen gesagt, wie der Hopfenacker angelegt werden muss, wo sie die Setzlinge herbekommen, wie sie gepflegt werden müssen, habe geschaut, dass sie nirgends über den Tisch gezogen werden. Da haben mir meine vielen Kontakte, die ich in meiner aktiven Zeit aufgebaut habe, sehr geholfen“, erzählt der Experte.
Ein Lernprozess
Aber er hat sich auch manchmal ärgern müssen mit seinen Schützlingen: „Ein paarmal haben sie mir gar nicht gefolgt“, schüttelt Reiter den Kopf, „und dann haben sie wirklich keinen schönen Hopfen zusammengebracht. Aber dann haben sie‘s eh gesehen, dass sie besser tun, was ich sage. Im nächsten Jahr ist es dann schon besser gewesen“, erzählt er und ist schon ein bisserl stolz darauf, was das Projekt inzwischen auf die Beine gestellt hat. Zu Recht, denn im Vorjahr wurden auf den zwei Hektar Anbaufläche immerhin schon rund 5,5 Tonnen Hopfen geerntet und einige Bauern rund um das Projekt haben sich dort viel abgeschaut und eigenen Hopfen anzubauen begonnen. Im Vorjahr hat sich Sepp Reiter vom Erfolg seiner großteils telefonischen Beratertätigkeiten auch selber bei einem Besuch in Kastélyosdombó überzeugen können.
Ein wichtiger Partner
Um den Absatz des Bier-Rohstoffes muss sich das Projekt dank der Unterstützung der holländischen Brauerei Heineken keine Sorgen machen. „Heineken hat die Unterstützung solcher Projekte in seiner Firmenphilosophie verankert und braut aus dem in Kastélyosdombó produzierten Hopfen in der Stadt Sopron ein eigenes Bier. Der Reinertrag vom Verkauf fließt dann wiederum in das Ökumenikus-Projekt“, erklärt Reiter.
Ein Abschied
Für ihn wird es Zeit, das Kind flügge werden zu lassen. Nur noch dann und wann klingelt das Telefon wegen einer Frage. Aber das macht nichts, weil dem Sepp trotzdem nicht fad wird. Das Beraten, das ist zu seinem Steckenpferd geworden und man kann sich sicher sein, dass so manche Hopfenanlage hierzulande noch von ihm gemacht werden wird.


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