Nüchtern durch die Nacht: Wie die Region Rohrbach beim Null-Promille-Trend mitzieht
BEZIRK ROHRBACH. Alkoholfreie Drinks sind ganz stark im Kommen. Mit dem „Dry January“ – also dem „trockenen Jänner“ – starteten viele Menschen ins neue Jahr und nun ist mit der Fastenzeit der nächste Grund da, um auf Alkohol zu verzichten. Sowohl in der Stiftsbrauerei Schlägl als auch in der Gastronomie im Bezirk Rohrbach spürt man den Wandel deutlich.

„Unbeschwert“ heißt das alkoholfreie Bier aus der Stiftsbrauerei Schlägl, das 2023 erstmals abgefüllt wurde und seither eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte schreibt. Braumeister Reinhard Bayer beobachtet gar eine grundlegende Veränderung in der Bierbranche: „Als unser alkoholfreies Bier vor drei Jahren auf den Markt kam, hätten wir uns diesen Erfolg so nicht erwartet. Die geplante Jahresabsatzmenge war schon nach zwei, drei Monaten erreicht. Und auch von 2024 auf 2025 verzeichneten wir nochmals ein Plus von 30 Prozent.“
Im Ranking fast am Stockerl
In der Beliebtheitsskala unter den insgesamt zehn Schlägler Biersorten hat sich das „Unbeschwert“ bereits auf Platz vier vorgearbeitet. Ein beachtlicher Erfolg, gerade in einem Umfeld, das aktuell unter sinkenden Absatzzahlen leidet.
„In Österreich lag der Rückgang beim Bierkonsum im Vorjahr bei rund sechs Prozent, und auch wir in Schlägl befinden uns in diesem Bereich. Interessant ist, dass die Nachfrage nach Spezialbieren stabil geblieben ist, während klassische Sorten stärker betroffen sind. Meiner Meinung nach herrscht hier ein Wandel in der Gesellschaft selbst, aber auch im Gesundheitsbewusstsein. Das alles spielt in den Trend zum Verzicht auf Alkohol hinein. Heute wird niemand mehr schief angeschaut, wenn er sich im Wirtshaus ein Alkoholfreies bestellt – nicht einmal mehr der Braumeister“, schmunzelt er.
Neben Bier füllt die Brauerei auch fünf verschiedene Limonadensorten ab. Hier bleibt der Absatz konstant, doch der Braumeister kündigt bereits an, das Sortiment weiterzuentwickeln: „Bei den Limonaden werden wir uns etwas überlegen.“
Der Wandel ist männlich
Michael Bertlwieser, Betreiber des Lokals Nummer3 am Rohrbach-Berger Stadtplatz, bestätigt den Trend aus Sicht der Gastronomie: „Vor allem junge Männer zwischen 18 und 24 Jahren greifen zunehmend zu alkoholfreien Getränken. Diese Generation lebt oft sehr gesundheitsbewusst und trinkt teilweise überhaupt keinen Alkohol, konsumiert aber trotzdem viel und hat auch ohne Alkohol a Gaudi“, erklärt er. Währenddessen bleibt das weibliche Publikum eher bei Aperol und Co.
Eistee und Limonaden boomen
Besonders gut laufen im Nummer3 die hausgemachten Limonaden und Eistees. Alkoholfreie Spirituosen wie zum Beispiel Gin-Alternativen werden hingegen kaum nachgefragt. „Mir als Gastronom ist es völlig egal, was die Gäste trinken, Hauptsache, sie fühlen sich wohl“, so Bertlwieser.
Um das Angebot abwechslungsreich zu halten, wechselt das Nummer3 seine Limonaden saisonal. Zudem soll das Cocktailangebot – insbesondere im alkoholfreien Bereich – bald deutlich ausgebaut werden, denn die Nachfrage wächst stetig.


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