Borkenkäfer: Druck auf den Wald wächst
BEZIRK ROHRBACH. Nach einem außergewöhnlich trockenen Start ins Jahr haben Waldbesitzer aktuell ein wachsames Auge auf ihre Bestände. Grund ist der Borkenkäfer, der sich bei Trockenheit und warmem Wetter explosionsartig vermehren kann. Die bisher eher kühlen Temperaturen haben das noch verhindert. „Das kann sich aber schnell ändern“, erklärt Bezirksbauernkammer-Obmann Martin Mairhofer im Tips-Gespräch.

„Es war heuer noch selten wirklich warm. Dadurch konnte bislang nur eine Käfergeneration ausfliegen“, erklärt Mairhofer. In früheren Jahren sei im Mai oft bereits der zweite Käferflug im Gange gewesen.
Ganz ruhig ist es allerdings nicht mehr. Vereinzelt gibt es bereits Käfernester, vor allem im südlichen Teil des Bezirks. „Würde es jetzt heiß werden, kann sich das sehr rasch entwickeln“, weiß Mairhofer auch aus eigener Erfahrung. Für Waldbesitzer heißt das vor allem: genau hinschauen. Kontrollgänge und das rasche Entfernen befallener Bäume sind derzeit entscheidend.
Prägende Katastrophenjahre
Man habe viel aus den extremen Käferjahren von 2017 bis 2019 gelernt. „Die Waldbesitzer sind da wirklich gebrannte Kinder“, sagt Mairhofer und denkt an die Jahre zurück, in denen die Waldbauern mit der Aufarbeitung nicht mehr nachgekommen sind und die Abfuhr stockte. Im Vergleich zu diesen Katastrophenjahren hat sich die Praxis deutlich verändert: Heute wird viel mehr maschinell aufgearbeitet, rasch abtransportiert und es gibt mehr Unterstützungsangebote durch Bauernkammer, Lagerhaus, Forstservices und Waldverband.
Mischwälder wachsen
Langfristig setzen viele Betriebe im Bezirk auf Mischwald, um in Sachen Schädlinge und Klimawandel breiter aufgestellt zu sein. Unterstützt wird dieser Umbau auch über den Waldfonds. Ganz einfach sei dieser Weg aber nicht, erklärt Mairhofer: „Mischwald ist pflegeintensiver, die Setzlinge müssen oft einzeln vor Verbiss geschützt werden. Und wir wissen heute ja noch gar nicht, ob das der richtige Weg ist. Schließlich gibt es für jede Baumart Schädlinge.“ Als Beispiel nennt er die Esche, die durch die Ausbreitung eines Pilzes vom Aussterben bedroht ist.
Holzmarkt unter Druck
Auch wirtschaftlich bleibt die Lage angespannt. Die Holzpreise sind zuletzt gesunken. Gründe dafür sieht Mairhofer unter anderem im internationalen Handel: „Was viele nicht wissen: Europa hat bisher stark in den arabischen Raum exportiert. Durch den aktuellen Konflikt dort ist dieser Markt komplett weggebrochen. Im Herbst und Winter waren die Erlöse nicht so schlecht, deshalb wurde viel Holz gemacht und das drückt jetzt den Preis.“ Eines ist für Mairhofer sicher: „Früher war der Wald die Sparkasse des Bauern. Diese Zeiten sind vorbei und das ist gefährlich, denn alles, was zu wenig Ertrag abwirft, wird vernachlässigt.“
Zweite Front droht
Für die kommenden Wochen wünscht sich der Bezirksbauernkammer-Obmann moderates Wetter und vor allem ausreichend Niederschlag. „Die Natur kann sich nur helfen, wenn sie Wasser hat“, sagt er. Das gelte nicht nur für den Wald, sondern auch für andere Bereiche der Landwirtschaft, etwa, wenn es um die Engerlinge in den Wiesen geht. Die Maikäferlarven gedeihen unter ähnlichen Bedingungen wie die Borkenkäfer. Geht das Jahr heiß und trocken weiter, haben die Landwirte wohl Kämpfe an zwei Fronten auszufechten.


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