„Irgendwie muss man durch“: Warum jede Krise letzten Endes eine Chance ist

Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 31.01.2018 12:12 Uhr

SARLEINSBACH. Ein Leben ohne Krisen gibt es nicht. Deshalb sind auch die Vorträge des ehemaligen Sarleinsbacher Gemeindearztes Bernhard Lang so gut besucht, in denen er über Resilienz spricht. Also darüber, was Menschen stark macht. Der Grundstock dafür wird bereits in frühester Kindheit gelegt; das bedeutet aber nicht, dass man Resilienz nicht auch erlernen und trainieren kann.

Wissenschaftlich betrachtet ist Resilienz die Summe von Eigenschaften einer Persönlichkeit, um Lebenskrisen ohne anhaltende Beeinträchtigungen durchzustehen.

Wenn der pensionierte Allgemeinmediziner in seinen Vorträgen über ebendiese Eigenschaften spricht, merkt er oft ein zustimmendes Nicken im Publikum, eine Bestätigung vor allem bei älteren Zuhörern. „Irgendwie muss man ja durch - das wissen diese Menschen, die schon Kriege miterlebt, viele schwierige Situationen überstanden haben oder jetzt vielleicht Angehörige pflegen. Denn pflegende Angehörige sind eine besonders resiliente Gruppe“, weiß Bernhard Lang.

Kette an Schutzfaktoren

Was macht Menschen nun stark genug, um beim Tod des Ehepartners oder eines Kindes nicht zu verzweifeln, um gegen schwere Krankheiten anzukämpfen ohne aufzugeben, um trotz finanzieller oder beruflicher Sorgen zuversichtlich zu bleiben? Es sei eine ganze Kette an Schutzfaktoren, informiert Lang. „Der Grundstein wird in der Kindheit, in den ersten 24 Monaten, durch die Nahbeziehung zu einer stabilisierenden Person gelegt. So kann sich das 'Ich' ausbilden und das Kind lernt, Vertrauen zu sich und zu anderen zu haben. Das hält ein Leben lang an.“

Positive Grundhaltung trainieren

Fehlt diese positive Grundhaltung könne man durch Bewusstseinsbildung lernen, resilient zu werden. „Bei jedem Menschen ist eine Veränderung möglich, darum toure ich auch mit meinen Vorträgen durch die Gegend“, meint Lang. Zu den wesentlichen Säulen gehören eine gute Selbst- und Fremdeinschätzung, die Kontrolle über die eigenen Impulse, soziale Kompetenzen (also die Not anderer sehen, aber auch selbst um Hilfe bitten zu können), Stressbewältigung, Kohärenzgefühl und Selbstwirksamkeit. „Zur Stressbewältigung muss man positive Emotionen zulassen“, rät er etwa, Glücksmomente zu finden und diese bewusster zu erleben. Wichtig sei auch, sich Ziele zu setzen, einen Sinn im Leben zu finden und zu sehen, dass man mit dem eigenen Tun etwas bewirken kann.

Raus aus der Opferrolle

Der Sarleinsbacher, der sein Wissen und seine Fähigkeiten auch für das Leaderprojekt „Voi Lebm“ einsetzt, hat selbst viele Niederschläge einstecken müssen: vom Tod seiner Mutter, als er noch ein Kind war, bis zum Mobbing in der Schule oder während des Studiums. „Ich hab mir gesagt: Mit mir nicht! Viele ändern sich nur unter Leidensdruck, aber sie schaffen es, aus ihrer Opferrolle rauszukommen. Da muss man Eigenverantwortung zeigen und das eigene Leben in die Hand nehmen.“ Krisen oder Krankheiten sind für ihn „letzten Endes eine Chance auf Veränderung hin zu Besserem. Menschen, die nie Krisen durchgemacht haben und immer erfolgreich waren, trifft der Misserfolg härter. Denn nur wer aufstehen lernt im Leben, wird resilient.“

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