Psychische Erkrankungen im jungen Alter nehmen zu: Beratungsstelle Mikado lädt zu Vortrag
SARLEINSBACH. Psychische Störungen zählen zu den häufigsten Krankheiten von Kindern und Jugendlichen und treten immer öfter auf. Das merken auch die Mitarbeiter in der Beratungsstelle Mikado.

Eine vor kurzem veröffentliche Studie der MedUni Wien und dem Ludwig Boltzmann Institut Health Promotion Research zeigt auf, dass mittlerweile fast ein Viertel (23,93 Prozent) aller Kinder und Jugendlichen in Österreich im Alter von zehn bis 18 Jahre psychisch erkranken. Dabei ist zu beachten, dass Störungen stark vom jeweiligen Alter und Entwicklungsstadium beeinflusst sind, betont Mikado-Leiterin Ingrid Föderl-Höbenreich: „In keiner Lebensspanne durchlaufen Menschen stärkere körperliche und psychische Entwicklungen, als in diesem Altersbereich.“
Wenn Therapie alleine nicht ausreicht
Über die Behandlung der psychischen Erkrankungen informiert die Linzer Kinder- und Jugendpsychiaterin Doris Koubek bei einem Vortrag in Sarleinsbach. Auch Psychopharmaka spielen dabei eine Rolle. „Manchmal ist eine nicht-medikamentöse Therapie allein nicht ausreichend. Es gibt eine Reihe von Medikamenten aus der Gruppe der Psychopharmaka, welche die Behandlung unterstützen. Psychopharmaka beeinflussen verschiedene Stoffwechselvorgänge in unserem Gehirn, sie können unter anderem erregend oder hemmend wirken und greifen so im Gehirn bei der Verarbeitung von Emotionen und Gefühlen ein“, erklärt Föderl-Höbenreich. Diese Medikamente wirken stimmungsaufhellend, beruhigend, reduzieren Stimmungsschwankungen oder erhöhen die Konzentration.
Pille für die Seele
Die Mikado-Leiterin ergänzt: „Einerseits beobachten wir in unserer Beratungstätigkeit, dass auf Verlangen der Eltern, aber auch durch die Jugendlichen selbst, relativ rasch zur „Pille für die Seele“ gegriffen wird. Das kommt dem Wunsch sehr entgegen, die psychischen Probleme einfach ohne eigenes Zutun schnell zu lösen.“ Die Realität schaut aber anders aus: Medikamente können Stütze zur psychischen Genesung sein, eine Auseinandersetzung mit den eigenen Problemen ist aber in der Regel unumgänglich, um eine längerfristige Verbesserung herbeizuführen.
„Andererseits gibt es auch die Tendenz, dass Psychopharmaka strikt abgelehnt werden“, wissen die Berater aus Erfahrung. Sie sehen gerade bei speziellen Krankheitsbildern, etwa bei Depression oder ADHS, eine gute Möglichkeit den Genesungsfortschritt zu beschleunigen. Eine medikamentöse Einstellung ist oft auch Voraussetzung dafür, dass psychologisch bzw. psychotherapeutisch gearbeitet werden kann.
Termin:
Der Vortrag über die Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter mit der Linzer Kinder- und Jugendpsychiaterin Doris Koubek findet am Donnerstag, 16. November, 19 Uhr im Gemeindeamt Sarleinsbach statt. Eintritt frei.


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