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SARLEINSBACH. Jeder sechste EU-Bürger leidet laut OECD an psychischen Gesundheitsproblemen. Angst- und depressive Störungen stehen dabei an der Spitze.

  1 / 2   Dem Stress und seinen Folgen widmet sich ein Vortrag in Sarleinsbach. Foto: TuckerBlade/Shutterstock.com

Psychische Leiden verursachen in Österreich, gleich nach Krebserkrankungen, die längsten Krankenstände (36 Tage/Fall). Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich diese Zahl verdreifacht, weiß Christoph Bilous, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin im Neuromed Campus. „Frauen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Männer. Laut Wifo 2017 sind Depressionen und Stress mittlerweile der häufigste Grund für Berufsunfähigkeit.“

Für den Mediziner ist Stress in Kindheit und Jugend eine häufige Ursache für psychische und körperliche Probleme im Erwachsenenalter. „So haben bereits frühe Bindungsstörungen lange bis permanente Auswirkungen auf die Ausreifung des Stressverarbeitungssystems in unserem Gehirn“, sagt Bilous.

Veränderte Stressregulation

Ganz grundsätzlich dienen akute Stressreaktionen der Leistungssteigerung mit dem Ziel der Anpassung an Herausforderungen, etwa bei Prüfungen. Scheitert diese Anpassung, ist das Ergebnis entweder Dauerstress oder eine ex-treme Stressantwort (z.B. Trauma). „In beiden Fällen können massive Veränderungen in der stressregulierenden Kette passieren, zum Teil mit schweren und langfristigen Konsequenzen. Nervenzellen schrumpfen oder sterben vollständig.

Die Folgen sind Störungen in der Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis oder Impulskontrolle. Darüber hinaus kommt es zur Abnahme des Immunsystems, zu einem vorzeitigem Altern und zu körperlichen Erkrankungen“, erklärt der Facharzt. Dies und vieles mehr könne bei einem Großteil depressiver Patienten beobachtet werden, ergänzt Bilous, der am 22. Oktober in Sarleinsbach zum Thema „Macht der Stress uns depressiv?“ spricht. Der medikamentöse Einsatz von Psychopharmaka ist neben Psychotherapie, Aufklärungsarbeit, psychosozialer und körperlichen Behandlungen, dabei nur eine von vielen Therapiemöglichkeiten.

Vortrag zur „Ersten Hilfe für die Seele“ am Dienstag, 22. Oktober, 19 Uhr, Gemeindesaal Sarleinsbach


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