Geplantes Notzelt für Flüchtlinge: Barockstadt befürchtet wirtschaftlichen Kollaps
SCHÄRDING. Täglich kommen tausende Menschen an den Grenzübergängen in Achtleiten (Freinberg) und Schärding an um nach Deutschland weiterreisen zu können. Oft müssen sie mehrere Stunden in der Kälte ausharren, bis die Reise weitergeht. Von deutscher Seite werden stündlich nur 50 Personen übernommen, was die österreichischen Einsatzkräfte immer mehr fordert. Nun soll auch im Schärdinger Stadtgebiet ein Großzelt für 1000 Flüchtlinge aufgebaut werden. Massiver Widerstand kommt dabei von der Stadt Schärding.

Alle im Gemeinderat vertretenen Parteien seien sich einig, dass eine solch große Notunterkunft nur negative Folgen für die Barockstadt haben würde. In einem offenen Schreiben an Landespolizeidirektor Andreas Pilsl macht die Stadt ihren Standpunkt klar. So soll der Flüchtlingsstrom der „unweigerlich durch den historischen Altstadtkern von Schärding führt“, negative Folgen für den Tourismus haben. Ebenso sei der Wirtschaftsstandort Schärding betroffen: „Bereits jetzt haben wir zahlreiche negative Rückmeldungen seitens der Schärdinger Gastronomie, Hotellerie und des Handels, wonach besorgniserregende Umsatzeinbußen zu beklagen sind. Feststellung: die derzeitige Situationi führt zu Einbußen, die von der Wirtschaft gerade noch verkraftet werden können.“, heißt im Schreiben an den Landespolizeidirektor. „Eine Steigerung würde zu einem wirtschaftlichen Kollaps in der Stadt Schärding führen. Auch auf die vielen gefährdeten Arbeitsplätze sei an dieser Stelle deutlich hingewiesen“, wird weiter ausgeführt. Als drittes Argument wird das Hochwasser aus dem Jahr 2013 angeführt, wonach noch die Wirtschaft noch immer an den Spätfolgen leiden würde. „Eine weitere Schädigung der Betriebe würden diese in keinem Fall verkraften“.
Die Stadt Schärding, allen voran Bürgermeister Franz Angerer, der Vorstand des Tourismusverbandes und die Schärdinger Wirtschaft, sprechen im Schreiben auch davon, dass die „Aufstellung eines Notquartiers – im geplanten Ausmaß – sowohl zu einem Sterben der Schärdinger Wirtschaft, als auch zu einem Sprengen der Kapazitäten unserer bayerischen Nachbargemeinden Neuhaus am Inn führen. Gleichzeitig wird im Brief darauf hingewiesen, dass die Stadt bereits ihren humanitären Verpflichtungen in einem überdurchschnittlichen Ausmaß wahrnimmt. Als Beispiele werden die Bereitsstellung eines wintertauglichen Notquartiers für mehrere hundert Flüchtlinge im ehemaligen Pflegeheim, Unterbringungen von 40 Asylwerbern im ehemaligen Pflegeheim, die Unterbringungen von mehreren Asylwerbern in privaten Quartieren und die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Asylwerbern in der Innbruckstaße.
Standort noch nicht fixiert
In einer ersten Stellungnahme der Polizei wird die Lage beruhigt. Fix sei lediglich das Notzelt in Kollerschlag. „Weitere Standorte sind noch nicht fixiert. „Aber natürlich wird dabei nicht einfach über die Menschen darüber gefahren. Der Standort für neue Notzelte wird zuerst geprüft. Natürlich ist aber auch die Lage prekär, da wir nicht wissen wie viele Menschen noch nachkommen und wir all diese Flüchtlinge geordnet unterbringen müssen. Zur Zeit sind die Wetterverhältnisse noch gut, da wir keinen Niederschlag haben“.


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