Personalnot in der Gastronomie - Wirte stoßen an ihre Grenzen
BEZIRK SCHÄRDING. Schon seit längerem sind Gastronomen mit Personalnot in ihrer Branche konfrontiert. Die Coronapandemie hat dieses Problem in den letzten zwei Jahren noch zusätzlich verschärft. „Wir brauchen, wir suchen, wir bekommen aber niemanden, damit wir unsere Gäste zufriedenstellend bewirten können. Wir sind Dienstleister, aber es stoßen alle inzwischen an ihre Grenzen“, spricht Schärdings Bezirkswirtesprecher Stefan Schneebauer die Problematik direkt an.

Von der Personalnot in der Gastronomie sind laut Schneebauer mittlerweile alle betroffen: „Besonders kleine Familienbetriebe, wo die Nachbarin oder die Bekannten zum Aushelfen kommen würden. Aber wenn für diese nach Abzug der Steuern am Ende nichts mehr überbleibt, läuft meiner Meinung nach etwas verkehrt. Denen, die arbeiten wollen, legt der Staat noch Steine in den Weg“, gibt Schneebauer zu bedenken.
Konsequenzen bereits ersichtlich
Dass die Personalnot in der Gastromonie auch Konsequenzen hat, ist nicht verwunderlich. „Das Resultat daraus ist bereits seit einiger Zeit ersichtlich, Öffnungszeiten wurden geändert, es gibt mehr Ruhetage oder Wirten können nur noch zu den Stoßzeiten öffnen“, nennt der Bezirkswirtesprecher einige Folgen der aktuellen schwierigen Situation.
Für Schneebauer braucht es Maßnahmen, die für den gesamten Arbeitsmarkt etwas bringen: „Es geht ja nicht nur unserer Sparte so, sondern allen und am Geld liegt es schon lange nicht mehr. Fakt ist, wir haben fast eine null Prozent Arbeitslosigkeit, den Rest kann man ganz einfach nicht brauchen.“ Ein Schritt zur Lösung sieht Schneebauer darin, dass sich die Gastronomen noch mehr Eigeninitiative aufbringen werden müssen: „Wir werden uns selbst helfen müssen: Lehrlinge ausbilden, ein gutes Arbeitsklima schaffen, Öffnungszeiten anpassen und hoffen, dass der Gast das versteht“, so Schneebauer, der weiter zu bedenken gibt, „Es gibt für unsere Regierung scheinbar wichtigeres als Klein- und Mittelbetriebe und ihre Mitarbeiter, die meiner Meinung nach aber nach wie vor die tragenden Säulen unseres Systems sind.“
Zahlen vom Arbeitsmarktservice
Beim AMS Schärding sind 120 offene Stellen aus dem Bereich Gastronomie gemeldet. Es sind 46 in der Gastronomie tätige Personen als arbeitsuchend beim AMS Schärding vorgemerkt. Der Verbleibsanteil der Beschäftigten in der Gastronomie ist seit Jahren mit rund 70 Prozent relativ stabil. „Im Jahr 2020 sind im Zuge der Covid-19-Krise aber weitaus mehr Arbeitnehmer als in Normaljahren aus der Branche abgewandert. Gleichzeitig mit der überproportionalen Fluktuation sind 2020 problemverstärkend österreichweit nur rund 20.000 anstatt wie üblicherweise mehr als 40.000 neue Personen in die Branche gekommen“, erklärt Harald Slaby, Leiter des AMS Schärding. Die während der Krise aufgeschobene Suche nach Mitarbeitern in Verbindung mit dem schnellen Wirtschaftsaufschwung hat laut Slaby in den vergangenen Monaten zum teilweise drastisch gestiegenen Bedarf bzw. zum Arbeitskräfteengpass in der Gastronomie geführt. „Dienstgeber, die sich rechtzeitig Gedanken über Bezahlung, Arbeitszeiten, Wertschätzung, Firmenkultur, Sozialleistungen, aber auch etwa über Möglichkeiten der Unterstützung der Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung machen, werden im aktuellen Wettbewerb um Arbeitskräfte die Nase vorn haben“, so der Arbeitsmarktexperte.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden