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ZELL. Die Pramtaler Sommeroperette wird zehn Jahre alt. Der Münzkirchner Intendant Harald Wurmsdobler ist einer der Gründerväter des Kulturjuwels.

foto: VOLKER WEIHBOLD harald wurmsdobler chor (Foto: Volker Weihbold)
foto: VOLKER WEIHBOLD harald wurmsdobler chor (Foto: Volker Weihbold)

Tips: Herr Wurmsdobler, was bedeutet die Pramtaler Sommeroperette für Sie persönlich?

Wurmsdobler:Wenn Sie mich so fragen, so muss ich sagen, dass die PSO quasi ein „Baby“ von mir ist. Wie alle Eltern freue auch ich mich, wenn man sieht, das Kind wächst heran, es wird größer, gedeiht und gewinnt an Eigenständigkeit. Selbstverständlich haben Jugendliche auch so ihre Reibepunkte und oftmals ärgert man sich über sie. Aber schließlich lernt man selbst sehr viel daraus, indem man das Geschehen reflektiert und selbst dabei Neues entdeckt und lernt. Die Angst vor dem Versagen spielt jedes Jahr eine große Rolle und man zittert immer aufs Neue mit, ob alles gut gehen wird. Jedenfalls bin ich froh, dass diese Geburt mit allen Geburtshelfern (Salonorchester sINNfonietta, Leader Region, Schloss Zell und Gemeinde Zell an der Pram) vor zehn Jahren so gut über die Bühne gegangen ist und heute eine gesunde, vitale Jugendliche vor uns steht.

Tips:Heuer steht „Orpheus in der Unterwelt“ auf dem Programm. Warum haben Sie sich ausgerechnet für diese Operette entschieden?

Wurmsdobler: „Orpheus in der Unterwelt“ gilt als erste abendfüllende Operette und ihr Schöpfer, Jacques Offenbach, als Begründer des Genres. Sein Zugang definiert die Operette als gesellschaftskritisches Format, das mit Satire und Ironie die Zustände seiner Zeit karikiert. Die Operette ist also dem Kabarett viel näher als der Oper. Wir, das Team der PSO, finden uns in dieser Definition wieder und daher war es naheliegend, ein Werk Offenbachs zum Jubiläum auf den Spielplan zu setzen. Der „Orpheus“-Mythos wurde in der Musikgeschichte wiederholt vertont, aber Offenbach verkehrt die Ausgangslage: Statt aus Trauer um den Verlust seiner Gattin in die Unterwelt hinabzusteigen, um von den Göttern die Herausgabe seiner Geliebten Eurydike zu erbitten, ist bei Offenbach Orpheus froh, sie endlich los zu sein. Darüber hinaus verhalten sich die Götter keineswegs besser als die Menschen. Wir wollen wieder eine unterhaltsame Inszenierung bieten und versetzen die Handlung in die 80er Jahre in einen schulischen Kontext, in dem Süchte eine gewisse Rolle spielen. Deutschland legalisiert Cannabis 2023, da sind wir doch wieder sehr aktuell.


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