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Die Suche nach Mitarbeitern gestaltet sich für Betriebe immer schwieriger

Omer Tarabic, 10.05.2022 10:43

BEZIRK. 296 Frauen und 317 Männer waren mit Ende April im Bezirk auf Arbeitsuche. Dazu kommen 216 Schulungsteilnehmer. Im Interview mit Tips spricht Harald Slaby, Leiter des AMS Schärding, über die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt.

Viele Betriebe aus dem Bezirk sind auf der Suche nach Mitarbeitern. (Foto: Wodicka)
  1 / 2   Viele Betriebe aus dem Bezirk sind auf der Suche nach Mitarbeitern. (Foto: Wodicka)

Tips: Herr Slaby, die Arbeitslosigkeit ist im Vorjahresvergleich um 497 Personen beziehungsweise um 45 Prozent zurückgegangen.

Slaby: Wir konnten zum zweiten Mal in Folge den kräftigsten Rückgang der Arbeitslosigkeit in ganz OÖ verzeichnen. Während die Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent für einen Aprilmonat die niedrigste seit Jahrzehnten darstellt, nähert sich die Anzahl der Beschäftigten im Bezirk einem neuen Höchstwert. Bald wird mit 24.000 Beschäftigten ein neuer Rekordwert überschritten sein.

Tips: Hört sich ganz nach Vollbeschäftigung an?

Slaby: Beinahe. Mit 884 offenen Stellen sind mehr Stellenangebote als Arbeitsuchende registriert. Dementsprechend wird es von Monat zu Monat für die heimischen Betriebe immer schwieriger, dringend benötigte neue Mitarbeiter zu finden.

Tips: Wo fehlen die meisten Mitarbeiter?

Slaby: Händeringend gesucht werden zum Beispiel Mitarbeiter in den Bereichen Metall/Elektro (129) und im Fremdenverkehr/Tourismus (121).

Tips: Aktuell gibt es im Bezirk sehr viele verfügbare Lehrstellen. Dem gegenüber stehen jedoch nur wenige Lehrstellensuchende.

Slaby: Derzeit sind 266 offene Lehrstellen, aber lediglich 94 Lehrstellensuchende registriert. Die meisten Betriebe werben ganz stark um die Jugendlichen und arbeiten hart daran, den jungen Menschen die Lehre beziehungsweise den Einstieg in ihr Unternehmen schmackhaft zu machen. Entsprechende Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten, Sozialleistungen sowie eine mitarbeiterorientierte Firmenkultur sind in den meisten Betrieben mittlerweile eine Selbstverständlichkeit.

Tips: Woher kommt der Lehrlingsmangel?

Slaby: Bildungsverhalten, Demografie, aber auch die enorme Nachfrage der Wirtschaft machen eine Abdeckung des Bedarfes an Lehrlingen dennoch ganz schwer.

Tips: In welchen Branchen werden die meisten Lehrlinge gesucht?

Slaby: Die meisten Lehrstellenangebote gibt es im Bereich Metall/Elektro (79) und Handel.

Tips: Aktuell haben 17 Betriebe im Bezirk Kurzarbeit angemeldet. Wie lange kann diese noch genutzt werden?

Slaby: Bedenkt man, dass in der Phase 1 coronabedingt noch in 627 Betrieben für 8.251 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet war, ist das Ganze unter diesem Titel fast kein Thema mehr. Wegen stockender Lieferketten gibt es bereits vereinzelt Anfragen zu Kurzarbeit. Kündigungen und Kurzarbeit konnten in den betroffenen Betrieben vorerst aber vermieden werden. Die jetzigen Kurzarbeitsbestimmungen laufen Ende Juni aus und werden gerade auf Regierungs- und Sozialpartnerebene neu verhandelt.

Tips: Die Folgen des Ukraine-Krieges sind noch nicht absehbar, Lieferengpässe drohen. Welche Auswirkungen könnte der Krieg auf den Arbeitsmarkt haben?

Slaby: Noch ist die Wirtschaftslage relativ stabil. Materialmangel, Lieferprobleme und Preissteigerungen werden aber zunehmends ernstere Herausforderungen, die in Verbindung mit einer möglichen Energieknappheit das aktuelle Wirtschaftshoch jäh einbremsen könnten.

Tips: Einen Teil der fehlenden Arbeitskräfte könnten Flüchtlinge aus der Ukraine abdecken?

Slaby: Aktuell haben sich 15 aus der Ukraine Geflüchtete beim AMS Schärding als arbeitsuchend gemeldet. Damit lässt sich der aktuelle Arbeitskräftemangel bei weitem nicht beheben.

Tips: Gibt es schon Ukrainer, denen eine Arbeitsstelle erfolgreich vermittelt werden konnte?

Slaby: Mittlerweile haben schon sieben Ukrainer eine Arbeit gefunden. Tips: Welche Maßnahmen zur schnellen Integration am Arbeitsmarkt wurden seitens des AMS getroffen? Slaby: Wir haben die Weichen gestellt, dass alle bei uns Vorgemerkten möglichst schnell in einen Deutschkurs eintreten können.


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