Schwarze Schafe werden in Zukunft strenger kontrolliert
BEZIRK SCHÄRDING. Der Fachkräftemangel ist weiterhin auf hohem Niveau. Es gibt viele offene Stellen, die nicht besetzt werden können. Andererseits ist die Zahl der geringfügig Beschäftigten nach wie vor hoch. Arbeitsminister Kocher hat mit einem Erlass, wonach es strengere Regeln für Arbeitslose mit geringfügigem Zuverdienst geben soll, reagiert und nimmt das Arbeitsmarktservice in die Pflicht.

Monatelang haben ÖVP und Grüne an einer Reform des Arbeitslosengeldes verhandelt und sich nicht einigen können. Arbeitsminister Martin Kocher (VP) hat darauf mit einem Erlass reagiert und seine Zielvorstellungen für das Arbeitsmarktservice formuliert. Das Hauptaugenmerk soll auf die Vermittlung von Vollzeitstellen gelegt werden, ausgenommen davon sind Personen, die Kinderbetreuungspflichten haben oder andere Gründe für geringere Arbeitszeiten. Eine überregionale Vermittlung soll laut Kocher ebenfalls möglich sein. Das heißt ein Wechsel von Ost- nach Westösterreich, aber auch die Vermittlung von Personen aus der Europäischen Union.
Regionale Vermittlung
Das Arbeitsmarktservice Schärding versucht Arbeitsuchende in erster Linie an Arbeitgeber in der näheren Region zu vermitteln. Die zumutbare tägliche Wegzeit für Hin- und Rückweg beträgt jedenfalls eineinhalb Stunden (pro Fahrtrichtung); bei einer Vollzeitbeschäftigung bis zu zwei Stunden. „Es geht beim Projekt der überregionalen Vermittlung aber auch weniger darum, Menschen zu langem täglichen Pendeln „zu verpflichten“, sondern darum (erfolglos) Arbeitsuchenden auch die branchenabhängigen Chancen in anderen Regionen aufzuzeigen und beispielsweise arbeitslose Gastronomiekräfte zu motivieren, eine Arbeitsaufnahme samt (saisonaler) Übersiedelung auch in entfernteren Gebieten ins Auge zu fassen“, berichtet Slaby.
Geringfügigkeit
Aufgrund des weiterhin bestehenden Arbeits- und Fachkräftemangels und des hohen Niveaus an offenen Stellen soll die Vermittlung Arbeitsloser auf vollversicherungspflichtige Stel-len durch das AMS intensiviert und zukünftig noch verbindlicher gestaltet werden“, verkündete Arbeitsminister Kocher. Firmen, die auffällig viele arbeitslose Geringfügige beschäftigen, sollen ebenfalls strenger kontrolliert werden.
Zusatzverdienst liegt bei 500 Euro
Der Zuverdienst bei geringfügiger Beschäftigung liegt bei rund 500 Euro. Kocher meint, dass dies viele davon abhalte, ihre Arbeitsstunden aufzustocken. Zudem zeigten Analysen, dass Personen, die während ihrer Arbeitslosigkeit eine geringfügige Beschäftigung aufnehmen, länger arbeitslos bleiben. Laut Slaby kann man nicht jeden Sachverhalt über denselben Kamm scheren. Wie meist im Leben muss man sich auch hier immer den Einzelfall anschauen, um ein einigermaßen objektives Urteil abgeben zu können.
Unproblematisch
„Es gibt nämlich genügend völlig unproblematische Fälle, in denen die Menschen bereits neben der Vollzeitbeschäftigung eine geringfügige Beschäftigung hatten und sich gleich wieder intensiv um einen neuen Job bemühen“, sagt Slaby. So gibt es auch Arbeitslose, die trotz starker Bemühungen nicht sofort wieder eine vollversicherungspflichtige Arbeit finden und sich daher eine Zeit lang mit geringfügiger Erwerbsarbeit zufriedengeben müssen. Zudem sind viele Jobs aber auch in Teilzeit ausgeschrieben.
„Schwarze Schafe“
Wie immer im Leben gibt es aber auch schwarze Schafe, die das System ausnutzen. „Es gibt natürlich auch Fälle, in denen Menschen bewusst versuchen, für sich ein gewisses Lebensmodell aus Arbeitslosengeld plus geringfügigem Verdienst zu schaffen, mit dem sie ganz gut über die Runden kommen und unter dem Strich oftmals ein besseres Gesamteinkommen erzielen, als wenn sie arbeiten gehen würden. Letztere Konstellation ist für uns durchaus ein Thema und erschwert uns die Vermittlung beträchtlich“, meint Schärdings AMS-Chef, der weiters berichtet, dass das AMS in solchen Fällen schon bisher nicht untätig war. Nun wird noch schärfer kontrolliert. „Per Ministererlass werden wir jetzt angewiesen, einen noch stärken Fokus auf das Thema „geringfügige Beschäftigung mit parallelem Leistungsbezug“ zu richten“, berichtet Slaby.


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