Mostviertler initiiert Notfallkarte: Sechs Seiten, die Leben retten können
PURGSTALL. Mit seiner Notfallkarte hat Manuel Brunner aus Purgstall im Bezirk Scheibbs ein bundesweit einmaliges Projekt ins Leben gerufen. Mithilfe des sechsseitigen Folders soll die Bevölkerung in Notsituationen möglichst schnell Hilfe holen können und auch selbst erhalten. Nun hofft der 41-jährige Initiator, dass sein privates Herzensprojekt möglichst viele Nachahmer in anderen Gemeinden findet.

„Gesundheit ist das Wichtigste“, ist Manuel Brunner überzeugt. Als ehemaliger Profi-Skifahrer lag er nach Verletzungen stolze 43-mal auf dem OP-Tisch. Grund genug, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die Idee für die Notfallkarte kam ihm schließlich vor etwa zwei Jahren durch den häuslichen Unfall einer Nachbarin. Denn in der Aufregung hatte sich deren Ehemann nicht mehr an die Telefonnummer der Rettung (144) erinnern können.
Ältere Menschen im Fokus
Viele Menschen würden in einem solchen Fall zum Smartphone greifen und die Nummer einfach googeln. Doch gerade ältere Menschen nutzen häufig noch Handys ohne Internetzugang. Hier setzt das Projekt von Manuel Brunner an. Er wollte eine Möglichkeit schaffen, mit der speziell auch ältere Menschen alle wichtigen Rufnummern und Infos im Notfall sofort griffbereit haben.
Pensionisten befragt
Manuel Brunner setzte sich mit Vertretern der Purgstaller Apotheke sowie den örtlichen Feuerwehren zusammen, um zu erfahren, welche Daten die Notfallkarte auf jeden Fall enthalten sollte. Außerdem sprach er mit unzähligen Pensionisten in Purgstall, um von ihnen selbst zu hören, welche Nummern sie sich auf der Karte wünschen würden. Diese Hausbesuche bestärkten Brunner in seinem Vorhaben: „48 von 50 Pensionisten-Haushalten verfügen über kein Smartphone“.
Karte ist gratis erhältlich
Rund 200 Stunden Arbeit steckte der 41-Jährige in sein Herzensprojekt. Vor wenigen Wochen ging die Karte an alle Purgstaller Haushalte. Weiters liegt sie bei Ärzten, Apotheke, Polizei und in zahlreichen lokalen Betrieben zur Entnahme auf. Der sechsseitige Folder bietet eine Fülle an wichtigen Infos. Natürlich zählen dazu die allgemeinen Notfallnummern von Polizei, Feuerwehr, Rettung, Ärztedienst oder EVN. Zwei weitere Seiten sind wichtigen Ansprechpartnern in der Region gewidmet. Verschiedene Ärzte gehören hier ebenso dazu wie die Rufnummern von Apotheke, Hilfsorganisationen, Pflegeheimen und den umliegenden Krankenhäusern. Ebenfalls enthalten sind die Kontaktdaten von Pfarrhof, Bestattung und dem Purgstaller Fahrtendienst „Emil“.
Defi-Standorte auf einen Blick
Eine Herzensangelegenheit im wahrsten Sinne des Wortes war es Manuel Brunner außerdem, die Standorte der sieben Defibrillatoren im Gemeindegebiet aufzulisten. In dem Folder finden sich daher nicht nur die genauen Adressen, sondern zur schnellen Orientierung auch konkrete Angaben zum Standort, wie zum Beispiel Pfarrheim, Gemeindeamt oder Feuerwehrhaus.
Raum für eigene Notizen
Besitzer der Notfallkarte haben außerdem die Möglichkeit, eigene Notfallnummern zu ergänzen. Auf zwei Seiten gibt es die Möglichkeit, persönliche Gesundheitsdaten einzutragen, wie zum Beispiel Grunderkrankungen, Medikamente, Blutgruppe oder Allergien. Denn die Notfallkarte soll Brunner zufolge auch ins Krankenhaus mitgenommen werden, damit sich Ärzte mit ihrer Hilfe einen schnellen Überblick verschaffen können.
„Enormer Zuspruch“
Brunner zufolge handelt sich bei seiner Notfallkarte um ein bundesweit einmaliges Projekt. Auch in Deutschland habe er kein vergleichbares Angebot finden können. Umso mehr hofft der Purgstaller, dass sein Projekt viele Nachahmer in anderen Gemeinden findet. Der Zuspruch in der Bevölkerung sei jedenfalls „enorm“. Immer wieder schicken ihm Menschen Fotos ihrer Notfallkarte, die sie zuhause aufgestellt oder aufgehängt haben.
Rein privates Projekt
In seinem Heimatort ist der bekennende Workaholic, der in der elterlichen Personalbereitstellungsfirma und im Sportmanagement arbeitet, auch als FPÖ-Gemeinderat bekannt. Die Notfallkarte sei jedoch sein eigenes Projekt fernab jeglicher Parteipolitik, betont der 41-Jährige. Die Finanzierung habe er weitestgehend selbst übernommen, großzügige Unterstützung erhielt er vom Purgstaller Metallverarbeitungsunternehmen Busatis.
Kleinere Version in Planung
Der Plan von Manuel Brunner ist es nun, die Notfallkarte alle drei Jahre zu aktualisieren und neu herauszubringen. Speziell für Kinder und Jugendliche arbeitet er aktuell an einer handlichen Version im Scheckkartenformat, damit auch diese – beispielsweise nach einem Unfall – möglichst schnell Hilfe holen können.


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