Barrierefreiheit: Umsetzung bei Alt-Beständen ist oftmals eine große Herausforderung
BEZIRK VÖCKLABRUCK. Anlässlich des Tages der Behinderung am Sonntag, 3. Dezember, nahm die Vöcklabrucker Tips die Umsetzung von Barrierefreiheit in der Stadtgemeinde Schwanenstadt unter die Lupe. Wolfgang Neuhuber, Landeskassier vom Oberösterreichischen Zivilinvalidenverband, machte auf gelungene und weniger gelungene Beispiele aufmerksam.

Das seit 1. Jänner 2006 geltende Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz hat zum Ziel, Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Ein wesentlicher Teil dabei ist die Barrierefreiheit. Bauliche Anlagen können nach dem Gesetz eine Diskriminierung darstellen und Schadenersatz erfordern. „Positiv fällt dabei auf, dass bei vielen Neubauten die Richtlinien für barrierefreies Bauen gut umgesetzt werden“, so Neuhuber.
Rathaus soll Lift bekommen
So ist beispielsweise das Gemeindeamt und Veranstaltungszentrum der 4plus-Verwaltungsgemeinschaft (Gemeinden Oberndorf, Pitzenberg, Pühret und Rutzenham) gut zugänglich und auch für Menschen mit Behinderung einfach erreichbar. Ähnlich sieht es beim Gemeindeamt Redlham aus. Das Stadtamt Schwanenstadt hingegen ist noch nicht barrierefrei – eine Generalsanierung des Gebäudes, in der auch die notwendige Barrierefreiheit hergestellt wird, ist geplant. „Unser Rathaus ist alt, wir müssen uns mit den Gegebenheiten abfinden“, sieht aber auch Bürgermeister Karl Staudinger Handlungsbedarf. „Derzeit wird versucht, einen Aufzug für das Amtshaus ins Budget zu bringen. Er soll rund 150.000 Euro kosten.
Wie in vielen alten Städten, in denen der Stadtkern historisch gewachsen ist, gibt es auch in Schwanenstadt die Thematik, dass die Zugänge zu vielen Häusern einen Höhenunterschied zum Straßenniveau aufweisen. „Die Umsetzung bei diesen Beständen ist oftmals eine Herausforderung“, weiß Neuhuber. Wie es funktionieren kann, sieht man gut in der Apotheke am Stadtplatz. Durch die automatische Schiebetür und eine gut umgesetzte Rampe für Rollstuhlfahrer kommt man einfach auf das Etagenniveau.
Wichtig ist auch, dass Gehwege entsprechende Breite haben oder Gehsteige entlang der Gehrichtung abgeschrägt sind, damit man sich auch mit Rollstuhl und Rollator, aber genauso mit einem Kinderwagen unproblematisch bewegen kann. Bei Behindertenparkplätzen ist es wesentlich, dass sie die notwendige Normbreite aufweisen, damit auch Rollstuhlfahrer unproblematisch ohne fremde Hilfe ein- und aussteigen können.
Gelungenes Pfarrzentrum
Gut umgesetzt wurde Barrierefreiheit beim neuen Pfarrzentrum „St. Michael“. Neben einem ebenen Eingang hat man auch an ein entsprechendes Behinderten-WC gedacht und den Pfarrsaal mit einer Induktionsanlage versehen. Hörgeräteträgern wird es durch diese Anlage erleichtert, störungsfreier zu hören, Gesagtes besser zu verstehen. „Beim Thema Barrierefreiheit denkt man in erster Linie an sichtbare Barrieren in Form von Stufen oder Geländeunterschieden und man vergisst oftmals auf die Sinnesbehinderungen“, weiß Neuhuber. Wichtig dabei ist die Installation von Induktionsanlagen und Blindenleitsystemen, aber genauso barrierefreie Internetseiten für Sehbehinderte. Ein Blindenleitsystem in Schwanenstadt wurde etwa beim Neubau der NMS I und Landesmusikschule umgesetzt. Dieses Leitsystem führt vom Parkplatz ins Innere des Gebäudes.
Tatsache ist aber auch, dass noch sehr viel zu tun ist und in etlichen Geschäften und Freizeiteinrichtungen Barrierefreiheit trotz der gesetzlichen Anforderungen bisher kaum oder gar nicht umgesetzt wurde.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden