Leserbrief: Warum die Atterseeregion bald ein 2. Ischgl sein könnte

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Wolfgang Macherhammer Wolfgang Macherhammer, Tips Redaktion, 28.03.2020 08:23 Uhr

SEEWALCHEN. „Es ist kaum zu übersehen und zu überhören, überall erscheinen die Slogans mit “Bleib zu Hause… reduziere deine sozialen Kontakte auf ein Minimum…usw.„ Diese Slogans übermitteln überlebenswichtige Inhalte in dieser herausfordernden Zeit. Die meisten Menschen nehmen dies sehr ernst - Familien treffen sich nicht mehr, Freunde sehen sich nur noch über soziale Medien, Leute verlassen kaum noch den Heimatort um das Virus nicht zu verschleppen.“ 

„In der Atterseeregion lässt sich jedoch in den letzten Tagen ein völlig anderer Trend erkennen. Die meisten Autokennzeichen zeigen, dass die “Flucht„ zu den Zweitwohnsitzen begonnen hat. Während die einheimischen Kennzeichen nahezu im Straßenverkehr verschwinden (die meisten reduzieren ja ihr Ausfahrverhalten) nehmen jene zu, die nicht aus dieser Region sind (Wien, Linz, Graz, Wels, Innsbruck (!!!)  - um nur einige zu erwähnen).  Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, dass es in der Atterseeregion zu einer Zunahme an Coronavirusfällen als Folgeerscheinung dieses Phänomens kommen wird.  Menschen strömen aus Ballungsräumen auf das vermeintlich sichere Land und übersehen dabei, dass mit ihnen eine Vielzahl von sozialen Kontakten aus vergangenen Tagen mitfährt. Einmal am Zweitwohnsitz angekommen, wird selbstverständlich die noch vorhandene Infrastruktur (Supermärkte, Apotheken etc.) genutzt.  Plötzlich bewegen sich viel zu viele Menschen an diesen Plätzen, die sonst nicht so stark frequentiert wären – die Folgen sind uns ja wohl allen klar!

Ein weiterer Aspekt ist die medizinische Versorgung. Alle Ärzte (falls überhaupt noch vorhanden) haben ihre Tätigkeiten auf Notbetrieb reduziert - nun gilt es auch noch Menschen aus anderen Regionen zu versorgen, die wohl in ihren Städten weitaus mehr medizinische Anlaufstellen zur Verfügung hätten. Falls auch wir in Österreich mit einer dramatisch steigenden Zahl an Corona Erkrankungen rechnen müssen, dann müssten wir in unserer Region auch jene Personen medizinisch versorgen, die nicht Ihren Hauptwohnsitz hier haben. Bleibt nur die Frage, ob die Kapazitäten in unseren regionalen Spitälern ausreichen. Nun hoffe ich, dass dies nicht eintrifft, aber die Realität holt uns ja bekanntlich besonders in dieser Zeit sehr schnell ein.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, appelliere ich hiermit an die Bundesregierung, dass ehestmöglich Reisen zu Ferienwohnungen verboten werden (wie dies bereits in Italien passiert), denn manche Leute verwechseln unseren nationalen Notstand mit Ferien/Urlaub am Attersee. Wir müssen aus den fatalen Konsequenzen des Skitourismus lernen – die Atterseeregion darf nicht das 2. Ischgl in dieser Krise werden!“

Veronika Petermaier

Seewalchen am Attersee

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Kommentare

  1. Vom Attersee
    Vom Attersee05.04.2020 12:42 Uhr

    Plädoyer für mehr Toleranz statt Polemik Stadt/Land - Genau, dann sitzen wir am Land fein in unseren Einfamilienhäusern, unsere Kinder haben Auslauf in den Gärten und Wäldern rundherum. Und sollen die in der Stadt doch in ihren Wohnungen eingesperrt bleiben mit ihren Kindern, ohne Möglichkeit sich im Freien auszutoben und lieber in den Wohnungen herumhüpfen, so dass alle Nachbarn rundherum auch noch etwas davon haben. Ein bisschen mehr Verständnis für die Wohnsituation in Städten wäre gerade jetzt angebracht. Mehr Toleranz auch. Diese Engstirnigkeit ist kein schöner Wesenszug. Bitte nicht mit dem Begriff "Corona-Urlauber" polemisieren. Jeder Zweitwohnbesitzer hält sich an die Regeln und feiert sicher keine Ischgl-Apres-Ski-Partys am Attersee.

    • Atternessi05.04.2020 13:53 Uhr

      ...arme Zweitwohnungsbesitzer... - der Leserbrief lässt vielleicht Möglichkeit etwas in den falschen Hals zu bekommen, bleibt man bei den Fakten in punkto Infrastruktur etc., gehört es aber auf alle Fälle gesagt.
      Thema Toleranz als Gegenstimme geht immer gut. Hier sollte man aber vorher Mal wissen/gegenüberstellen, welcher bzw. (wenn überhaupt) wieviele Zweitwohnungs- oder Ferienhausbesitzer im Salzkammergut in der Stadt auf zB 70qm mit Kind und ohne Balkon leben.
      Die PKW mit Stadt Kennzeichen am Land sind keine Familienkutschen.
      Wenn die wohlhabende Risikogruppe aus der Stadt zumindest am Land alle weiteren Regeln befolgt und drinnen bleibt, ist aber auch dieses Krisenverhalten zu verkraften.

    • Daniela Lenzing06.04.2020 11:53 Uhr

      Plädoyer für mehr Toleranz statt Polemik Stadt/Land - Zum Leserbrief Plädoyer für mehr Toleranz.
      Leider wie so oft werden in Ihren Argumenten die Anderen "benutzt" um sich selbst alles schönzureden.
      Ich wohne auch auf 70m² mit meinem Sohn und meinem Mann. Hab kein Ferienhaus und bin trotzdem jeden Tag 2 Stunden im Freien spazieren.

  2. Eveline
    Eveline04.04.2020 11:10 Uhr

    Zweitwohnsitze - Ich Stimme den Artikel voll zu und es betrifft das gesamte Salzkammergut, auch das Ausseer Land. Wen jetzt in dieser Situation jemand seinen Zweitwohnsitz aufsucht, dann merkt man weil viel einem die Menschen und Gegend wert ist die dort leben. Gar nichts, da geht es nur um den eigenen Egoismus. Ich hoffe, dass endlich ein Stopp für Zweitwohnungen kommt und die Zweitwohnsitzabgabe so erhöht wird, dass es wirklich, aber wirklich weh tut. Denn wer profitiert? Die Bauindustrie, sonst niemand, nicht einmal die Gemeinde. Für Einheimische wird Grund und Boden und sich ein Eigenheim zu schaffen unerschwinglich.

  3. Laurenz Stummer
    Laurenz Stummer02.04.2020 13:30 Uhr

    Zweiteihnsitze - Sehr geehrte Frau Petermaier! Herzlichen Dank für Ihren Artikel. Ich komme aus Roßleithen und es ist auch bei uns vermehrt zu beobachten wie Besitzer von Zweitwohungen jetzt in dieser Krise aufeinmal hier sind. Es wird dadurch unsere Infrastruktur belastet, die für so viele Einwohner nicht ausgestattet ist. Jede Gemeinde erhält vom Staat Geld für einen Hauptwohnsitz, damit dieser dann die Infrastruktur danach ausrichten kann. In dieser Situation sollten sich alle Bürger am Hauptwohnsitz aufhalten!

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