Wenn die Vielfalt im Leben verloren geht, wird der Handykonsum ungesund

Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 11.02.2017 11:02 Uhr

ST. MARTIN. Fridolin ist fast acht Jahre alt und spielt gerne die Online-Spiele Slither, Nebulus oder hört Schlagzeug auf Youtube. So wie viele in seinem Alter. Wie lange sollte es ihm aber erlaubt sein, am Computer oder Handy zu spielen? Wann wird der Konsum ungesund? Bei seinem Vortrag versuchte der Suchtexperte Primar Kurosch Yazdi eine Antwort darauf zu geben. Seine Kernaussage: Solange die Vielfalt erhalten bleibt, sind auch Handy und Internet kein Problem.

Auch wenn es noch so viele Ratgeber gibt, sinnvolle Angaben könne man nicht machen, sagte der Leiter der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin am Kepler Universitätsklinikum (ehemalige Wagner Jauregg Krankenhaus), der auf Einladung des Familiennetzwerks Mühltal über den Umgang mit neuen Medien informierte. „Wichtig ist es, vielfältig zu bleiben. Erst wenn man nur mehr vor dem Computer sitzt und nichts anderes mehr machen will, wird es ungesund.“ Bei Fridolin ist somit alles in bester Ordnung: Denn der junge Kleinzeller spielt selbst Schlagzeug, Fußball, trifft sich mit Freunden oder liest gerne. Auch beim Vortrag von Primar Kurosch Yazdi hatte er sein „Teufelskicker“-Buch dabei.

Kulturgut Internet

„Zeit-Empfehlungen ändern sich ständig“, ergänzt der Psychiater, „2010 hieß es, bis zu vier Stunden am Tag sind gesund; heute sind wir bei sechs Stunden am Tag. Und für Jugendliche in Taiwan sind bis zu neun Stunden täglich normal. Die Normen verändern sich mit der Technik und deren Verfügbarkeit.“ Denn mit dem Smartphone ist das Internet ständig präsent, „das gehört für unsere Kinder und Jugendlichen zum Kulturgut und man darf es auch nicht krank reden.“

Kinder sollen Verantwortung übernehmen

Yazdi rät Eltern aber, sich mit dem Thema gemeinsam mit dem Kind auseinanderzusetzen, Vereinbarungen zu treffen, Kompromisse zu machen. „Das Kind selbst soll Verantwortung übernehmen - erst wenn das nicht funktioniert, muss man regulieren“, sagt der Experte, der natürlich auch weiß, dass das gerade mit zunehmendem Alter nicht einfach ist: „Es ist der Job von pubertierenden Jugendlichen, Eltern herauszufordern.“ Sie hätten aber nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten: „Schüler sein ist ein Beruf. Das müssen sie ordentlich machen, dann ist auch Computerspielen okay.“

Nur im Schlafzimmer hätte das Handy nichts verloren. „Wenn es vom Schlafen ablenkt, ist das schädlich fürs Kind. Denn das Gehirn entwickelt sich ausschließlich im Schlaf“, informiert Primar Kurosch Yazdi.

Sozialverhalten lernt man nicht im Internet

Noch einen wichtigen Hinweis gab er den Eltern mit auf den Weg: „Kinder können durchs Internet oder durchs Fernsehen nicht gscheiter werden. Sie haben vielleicht mehr Wissen, aber sie sind nicht gscheiter. Das meiste, das Kinder lernen müssen, ist Sozialverhalten - und das geht nur im täglichen Miteinander. Wenn sie beim Computer sitzen, verpassen sie Zeit, in der sie eigentlich Sozialverhalten lernen sollten. Nur weil ein Dreijähriger googeln kann, wird aus ihm noch lange kein Computergenie. Selbst Bill Gates hat erst mit 17 Jahren das erste Mal einen Computer gesehen“, so Yazdi. Und meint weiter: „Eigentlich müsste man auch in den Schulen die Pausen verlängern, mehr Turnstunden machen und den Unterricht verkürzen - das ist umso wichtiger, je jünger das Kind ist.“ Speziell kleine Kinder lernen über Identifikation. „Übers Internet kann ich mich nicht mit jemandem identifizieren, das verunmöglicht Beziehungsarbeit.“ Deshalb sollte laut dem Mediziner und Buchautor („Junkies wie wir“) auch nicht der ganze Unterricht auf neue Medien umgestellt werden.

Wichtiges Thema

Das Familiennetzwerk Mühltal hat mit dem Expertenvortrag im Sitzungssaal der Gemeinde St. Martin ein brisantes Thema aufgegriffen, das bei Workshops und Veranstaltungen immer wieder zur Sprache kommt, wie Netzwerkleiterin Roswitha Öhler bestätigte. „Wir bleiben sicher am Thema dran“, meinte sie abschließend.

 

Kriterien für Sucht

Ab wann ist man eigentlich süchtig? Sechs Kriterien wurden festgelegt, von denen drei oder mehr zutreffen müssen:

- der Zwang zu konsumieren

- Kontrollverlust - man hört nicht auf, wenn man sich das vorgenommen hat

- Entzugserscheinungen

- Toleranzentwicklung - man braucht immer mehr, um glücklich zu sein

- Vernachlässigung anderer Interessen und Pflichten

- Weitermachen trotz negativer Konsequenzen

 

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