Bischof: Kein Personalproblem in der evangelischen Kirche
ST. PÖLTEN/NÖ. Zwei, die mit der Absicht nach St. Pölten kamen, um als die oder der gewählte Superintendent/in in den nächsten 12 Jahren (**) die evangelische Diözese Niederösterreich zu leiten, fuhren ohne die zukünftige Bürde dieser Aufgabe, die dem Amt eines katholischen Diözesanbischofs gleichkommt, wieder heimwärts. Pfarrer Martin Müller ins kärntnerische Waiern bei Feldkirchen und die Rektorin des Diakoniewerks, Pfarrerin Christa Schrauf, ins oberösterreichische Gallneukirchen. (Siehe auch: Patt bei der Wahl zum Superintendenten-Amt.)

Die Evangelischen Pfarrgemeinden müssen nun neue Kandidaten für die nächste Wahl im Juni finden. Theoretisch können beide, Schrauf und Müller, die bei der Wahl im fünften Wahlgang jeweils 35 Stimmen (plus eine ungültige Stimme) erhielten, nochmals antreten.
Müller will nochmaliges Antreten „nicht ausschließen“
Während Pfarrer Müller, der bereits in Kärnten als sogenannter Senior ein Stellvertreter des dortigen Superintendeten ist, will „nicht ausschließen“, sich nochmals zu bewerben. „Ich werde darüber nachdenken und das mit meiner Familie besprechen“.
Schrauf glaubt nicht mehr antreten zu wollen
Pfarrerin und Rektorin Schrauf hingegen meint, dass sie „nicht glaube, nochmals anzutreten. Schrauf erklärt außerdem, nicht über den Wahlausgang enttäuscht zu sein, aber: „Natürlich rechnet man damit und hofft auf seine Wahl, wenn man sich vorbereitet und ein Amt anstrebt. Dass es nun keinen Superintendent gibt, ist für die Diözese Nö nicht so gut, für mich selbst ändert sich nichts.“ Sie könne das Ergebnis nachvollziehen, akzeptieren und verstehen. „zur Demokratie der evangelischen Kirche gehört auch, dass man sich bei zwei Kandidaten nicht auf einen einigen kann.“
Pfarrer Müller hat den Eindruck, dass noch ein neuer Meinungsbildungsprozess notwendig und man das Anforderungsprofil für das Amt des Superintendenten in NÖ eventuell neu überdenken sollte.
Bischof Bünker: Kirche hat kein Personalproblem
Ob er, Bischof Michael Bünker, enttäuscht sei über den Ausgang der Wahl? „Enttäuscht? Ja und nein. Ja insofern, weil eine Wahl dazu da ist, dass es eine Entscheidung gibt. Nein, weil isch die Delegierten die Wahl nicht leicht gemacht haben. Denn letzten Endes mit der Pattstellung sich auch gezeigt hat, dass es nicht darum gegangen ist, sich gegen jemanden zu entscheiden.“ Ob denn die evangelische Kirche ein Personal- und Ressourcenproblem hätte? „Nein. Aber das Amt eines Superintendenten stellt besondere Herausforderungen dar. Daher sind auch besondere Anforderungsprofile notwendig, Qualifikationen und Kompetenzen“, so der evangelische Bischof Österreichs. Und außerdem „es ist natürlich nicht so, dass man Kandidaten für das Superintendentenamt an jeder Straßenecke findet“. Aber es gebe „hervorragende Pfarrer und Pfarrerinnen und man wird sehen, wie es beim nächsten Mal geht. Natürlich könnte man das Anforderungsprofil überdenken. Aber der bisherige Superintenden Paul Weiland (*) hat die Latte sehr hoch gelegt, daher sind die Erwartungen sehr hoch gewesen.“
Malekpour ist „enttäuscht“
Die Wahlvorsitzende, Superintentialkuratorin Gisela Malekpour bekennt sich zur Enttäuschung, „weil es zu keiner Entscheidung gekommen ist und es für uns ohne Superintendent ein enormer weiterer Arbeitsaufwand sein wird, den wir aber nichtsdestotrotz für die Diözese leisten werden.“ Sie sei gepsannt auf die Kandidaten, die von den Pfarrgemeinden nominiert für die nächste Wahl nominiert werden, und „ob sich überhaupt noch jemand bereit erklärt, zur Wahl anzutreten“.
Romanowsik: „Kein Wunderwuzzi“
Karl-Jürgen Romanowski, der als bisheriger Stellvertreter von Superintendent Paul Weiland der voriges Jahr unerwartet verstarb, derzeit die Geschäfte der Diözese führt, ist ebenfalls über den Ausgang der Wahl enttäuscht, „wiewohl ich es auch einkalkuliert habe“. Es werde schwierig sein, geeignete Kandidaten zu finden: „Die Jobbeschreibung des Amtes eines Superintendenten ist wahrscheinlich so anspruchsvoll, dass man sich nicht drüber traut. Es werden Fähigkeiten erwartet, die einem Wunderwuzzi gleich kommen. D.h. es kommt drauf an, wo sich der Kandidat mit seinen Schwerpunkten, Fähigkeiten und Defiziten einbringen kann. Dann muss die Superintential-Versammlung entscheiden, mit welchen Defiziten und Stärken eines Kandidaten sie am besten leben kann. Die Anforderungen werden sich nicht großartig ändern. Ich weiß derzeit nicht, wie es weitergeht.“
Aufgrund der Tatsache, dass er noch Gemeindepfarrer in Bad Vöslau sei, könne er nur „nebenher Dinge übernehmen, die möglich sind“. Man fahre auf Sparflamme und könne nur machen, „was nötig ist und in unseren Kräften steht, mehr geht nicht“.
Artikel: Patt bei der Wahl zum Amt des Superintendenten
Video: Malekpour verkündet enttäuscht das Ergebnis des fünften Wahlergebnisses
(*) Superintendent Paul Weiland verstarb 2015 völlig unerwartet.
(**) Ein evangelischer Superintendent wird für 12 Jahre gewählt und kann sich nach Ablauf dieser Amtszeit erneut der Wahl stellen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden