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ST. PÖLTEN. Die Kosten für den Bürokratieaufwand in den niederösterreichischen Betrieben der Sparte Gewerbe und Handwerk sowie der Bürokratiebelastungsindex (Kosten je Beschäftigtem pro Jahr) stiegen seit 2013 an. Besonders Kleinbetriebe mit nur wenigen Mitarbeitern sind davon betroffen. Tips befragte zwei Unternehmer aus St. Pölten, wie sie die Belastungen empfinden.

Eine alte Registrierkasse der Krupp AG vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Foto: Thomas Lettner
Eine alte Registrierkasse der Krupp AG vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Foto: Thomas Lettner

Martin Wutzl - Tätowierer - 3 Mitarbeiter:

Früher war es einfacher: „Die buchhalterische Organisation ist sehr viel geworden. Die ganzen Vorschriften von der Einverständniserklärung her, die ganzen Materialien, die wir verwenden, von allem müssen wir eine Chargennummer anlegen genauso wie von jedem Kunden, was sehr mühsam ist. Bis wir den ganzen Büroaufwand hinter uns haben und tätowieren können, dauert das manchmal. Früher war alles einfacher, da hat es nicht so viele Regeln gegeben. Da hat es gereicht, wenn ich in einer Excel-Tabelle die Einnahmen und Ausgaben vermerkt habe. Es ist aber auch gut, dass es so viele Regeln gibt, weil es in der Branche auch schwarze Schafe gibt. Aber alle, die sich immer schon zusammengerissen haben, die hat es jetzt etwas härter getroffen. Jetzt muss ich die Registrierkasse verwenden, dann noch extra eine Excel-Tabelle anlegen, alles muss ich dann dem Buchhalter schicken und dann geht es irgendwann ans Finanzamt. Im Endeffekt kostet die ganze Organisation sehr viel Geld.“

Kostenfalle Registrierkasse: „Das mit der Registrierkasse ist eine Papierverschwendung sondergleichen. Wenn man eine Rechnung ausdruckt, dann muss man noch eine zweite Rechnung extra ausdrucken. Das kostet Papier, Druckerpatronen - es ist auf jeden Fall alles teurer geworden.“

Georg Habinger – Basix Jeansshop - 3 Mitarbeiter:

Registrierkasse kein Problem: „Die Bürokratiebelastung ist in meinem Fall nicht das Problem. Auch die Registrierkasse ist okay, weil die Steuerfrage insgesamt etwas Wesentliches und ein Beitrag für die Allgemeinheit ist.“

Steuerpolitik sorgt für Ungleichgewicht: „Wir haben in der EU keine gemeinsame Steuer- und Wirtschaftspolitik und auch keine Steuerlimits. Die Problematik ist, dass sich große oder mittelgroße Unternehmen ihrer Steuerabgaben entziehen. Dadurch ergibt sich ein großes Ungleichgewicht, was für den Kleinunternehmer nicht mehr machbar ist. Das gibt natürlich den Filialisten und den Konzernen die Möglichkeit, eine Filiale nach der anderen aufzumachen und alles niederzumähen. Die Konsequenz ist, dass das Kleingewerbe ruiniert wird. Auch die Steuerflucht aus Europa ist ein großes Problem. Man kann nicht den einen mit Steuern und Abgaben würgen und dem anderen die Rutsche legen.“

Konzerne bauen ihre Macht aus: „Weil wir in der EU sind, haben wir auf internationaler Ebene wenig Chance. Die Nischenbereich werden weniger werden, weil sich die Konzerne immer breiter machen. Die haben extrem viel Kapital und wollen es auch investieren.“


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