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Experten sprachen bei Arbeiterkammer-Fachtagung über Herausforderungen der Arbeitswelt

Thomas Lettner, 11.10.2016 08:11

ST. PÖLTEN. „Lernen! Können! Nutzen“ lautete der Titel der gestrigen Fachtagung der AK Niederösterreich im ArbeitnehmerInnenzentrum St. Pölten, der unter anderem auch Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) beiwohnte.

V.l.: Bildungsforscher Ottmar Döring, Bildungsministerin Sonja Hammerschmid, AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser und AK Niederösterreich-Direktor Helmut Guth Foto: Scheichel

Die Schulbank drücken, einen Beruf erlernen oder eine Hochschule absolvieren und ein Leben lang davon zehren war einmal. Der rasante Vormarsch neuer Technologien verändert die Arbeitswelt ständig und immer schneller. Lösungsorientierung, Kreativität und Teamfähigkeit sind der Schlüssel, um in der Arbeitswelt der Zukunft bestehen zu können, der Wille zum lebenslangen Lernen eine unumgängliche Voraussetzung dafür. Bereits vorhandene Kompetenzen dienen dabei als Basis, die Frage ist aber, ob sie auch anerkannt werden. Vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosigkeit und globaler Migration bekommt das Thema eine aktuelle Dimension, mit der sich Vertreter und Experten aus Politik, Interessenvertretungen und Bildungsträgern bei der Fachtagung im ANZ St. Pölten auseinandersetzten.

Eine der größten arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen

In seiner Eröffnungsrede bezeichnete AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser das Erkennen und die Anerkennung von Kompetenzen als eine der aktuell größten arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen: „Wir haben eine Rekordarbeitslosigkeit, immer mehr Langzeitarbeitslose und viele von den Betroffenen verfügen lediglich über einen Pflichtschulabschluss. Gerade diese Menschen werden angesichts des fortschreitenden digitalen Wandels noch weniger Chancen haben, wenn wir nicht dagegen steuern.“ Wieser verwies auf das von der AK Niederösterreich initiierte Projekt „Du kannst was“: „Damit bieten wir Erwachsenen die Möglichkeit, ihre abgebrochene Lehrausbildung schrittweise fertig zu machen.“

Lust auf lebenslanges Lernen wecken

In die gleiche Kerbe schlug Bildungsministerin Sonja Hammerschmid: „Wir werden künftig ganz andere Kompetenzen brauchen als heute, denn die künftigen Berufsfelder lassen sich nicht mehr klar abgrenzen und die Zukunft wird ebenso wenig klar fassbar sein. Die größte Herausforderung wird daher sein, die Lust auf lebenslanges Lernen zu wecken.“ Die heimische Politik habe mit dem im März vom Nationalrat beschlossenen „Nationalen Qualifikationsrahmen“ (NQR) bereits entsprechende Voraussetzungen geschaffen. „Damit sind wir auf einem guten Weg, vorhandene Qualifikationen und Kompetenzen international vergleichbar zu machen.“

Döring: „Es geht vor allem um das Wollen“

Darauf, dass die Auseinanderstzung mit der Anerkennung von Kompetenzen nicht neu ist, beschrieb der deutsche Bildungsforscher Ottmar Döring anhand der US-Regierung, die 1944 erstmals ein Konzept institutionalisierte, um heimkehrenden Soldaten trotz kriegsbedingter Absenz ein Hochschulstudium zu ermöglichen. Bei den heutigen Modellen sehe er gute Ansätze ebenso wie Verbesserungsbedarf: „Der Beruf steht zu viel im Vordergrund, dabei geht es bei Kompetenzen weniger um das Können, als vielmehr um das Wollen“. Er fordert deshalb eine breitere Methodenvielfalt. Döring gab auch zu bedenken, dass berufliche Kompetenzen wegen der aktuellen Flüchtlingsfrage immer nur unter dem Aspekt von Benachteiligten diskutiert werden: „Das greift zu kurz, denn es betrifft auch die vielen Menschen, die nicht in ihrem Ausbildungsberuf tätig sind.“


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