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ST. PÖLTEN, NÖ. Am 25. November findet der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Von 25. November bis 10. Dezember wird die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ abgehalten. Heute gaben ÖVP-Landesrätin Barbara Schwarz und SPÖ-Landesrat Franz Schnabl dazu Pressekonferenzen mit Expertinnen. Eines geht dabei klar hervor: Es gibt im Kampf „Gewalt gegen Frauen und in der Familie“ noch genug zu tun. Das Land stockt dafür nun die Mittel auf.

  1 / 2   Martina Stöffelbauer (Büro für Kriminalprävention und Opferhilfe im Bundeskriminalamt), Frauen-Landesrätin Barbara Schwarz und Elisabeth Cinatl, Sprecherin der Frauenberatungsstellen NÖ

Als das Gewaltschutzgesetz in Österreich vor 20 Jahren in Kraft getreten ist, wurden Einrichtungen und Maßnahmen für Frauen als Opfer häuslicher Gewalt für ihren Schutz und ihre Hilfe geschaffen. Polizeiliche Wegweisungen beziehungsweise Betretungsverbote oder gerichtliche einstweilige Verfügungen waren die Folge.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Seit 2002 finanziert das Land NÖ das Modellprojekt „Gewalt gegen Frauen – Die Bedeutung des Gesundheitswesens“. „Eine Erfolgsgeschichte“, wie Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) festhält: „Nur durch die gute Zusammenarbeit des Landes, der Landeskliniken-Holding, des NÖGUS und der Frauenberatungsstelle „Kassandra“ ist diese zustande gekommen. Das Nichterkennen von häuslicher Gewalt hat Auswirkungen auf die Gesundheit beziehungsweise Erkrankungen der Betroffenen und auf Kinder. Daher wurden seit dem Jahr 2000 rund 6000 Mitarbeiter des NÖ Gesundheitswesens informiert, sensibilisiert und geschult.“

1,8 Millionen Euro für den Gewaltschutz

Das Land NÖ setze – neben der Zusammenarbeit mit dem breiten Spektrum an Opfer- und Kinderschutzgruppen - auf die intensive, fundierte Arbeit mit den Frauenhäusern. Landesrat Franz Schnabl (SPÖ) konnte diesen für das Jahr 2018 – neben der üblichen Valorisierung - eine Anpassung der Berechnungsgrundlagen zusagen, die zu einer zusätzlichen Erhöhung des Sockelbeitrages um rund 80.000 Euro führt. So werden pro Jahr etwa 1,8 Millionen Euro in den Gewaltschutz für Frauen in Frauenhäusern investiert. „Die Frauenhäuser sind als Krisen- und Schutzeinrichtungen nicht mehr wegzudenken und sorgen für eine Zufluchtsmöglichkeit für von Gewalt, beziehungsweise sexuellem Missbrauch betroffene Frauen und Kinder. Nach ihren Grundsätzen – Freiwilligkeit, Parteilichkeit, Vertraulichkeit und Hilfe zur Selbsthilfe – bieten sie Beratung, Begleitung zu Behörden, Übersetzungshilfen, Unterstützung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz und Schutz vor weiteren Übergriffen durch den Täter“, so Schnabl weiter.

Viele Anlaufstellen in Niederösterreich

Ein dichtes Netz an Initiativen und Institutionen in NÖ, wie zehn Frauenberatungsstellen mit sieben Außenstellen, das NÖ Frauentelefon, sechs Frauenhäuser und vier Gewaltschutzzentren helfen den Opfern von häuslicher und sexualisierter Gewalt. „Als öffentliches Zeichen wurde daher heute die offizielle Fahne „Gegen Gewalt an Frauen“ im NÖ-Landhaus gehisst. Gleichzeitig darf ich die Fachtagung „Häusliche und sexualisierte Gewalt – Opferschutz und Gewaltprävention“ anlässlich 20 Jahre Gewaltschutzgesetz heute hier im Landhaus eröffnen“, zeigte sich Barbara Schwarz kämpferisch für die Unterstützung von weiblichen Opfern in Niederösterreich.

Gezielte Schulung fürs Gesundheitspersonal gegen „Die Stiege hinuntergefallen“

Martina Stöffelbauer vom Büro für Kriminalprävention und Opferhilfe im Bundeskriminalamt erklärte auf der Pressekonferenz mit Landesrätin Schwarz: „Die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Organisationen, den NGOs, vieler Ministerien und von Opfer- und Gewaltschutzorganisationen läuft sehr gut, wir haben eine weltweit beachtete gute Gesetzeslage für die gemeinsame Arbeit.“ Besonders wurde das „Medpol-Projekt“ hervorgehoben, das als gemeinsame Aufgabe von Medizinern und Gesundheitspersonal mit der Polizei bei atypischen Verletzungsmustern auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen soll und wodurch ein noch besseres Hinschauen ermöglicht wird. Die Paradabeispiele „Ich bin die Stiege hinuntergefalllen“ oder „Ich bin auf einen Rechen gestiegen“, sollen dadurch schneller enttarnt werden können.

Täglich kommen zehn Frauen in NÖ zur Beratungsstelle

Weiters sind es Kurse, Schulungen oder Exkursionen im Rahmen eines neuen Projekts „Sicherheit im öffentlichen Raum“, das Frauen weitere Schutzmöglichkeiten durch persönliches Verhalten im Vorfeld gibt. Mit den zuständigen Behörden sollen dadurch Verbesserungen im öffentlichen Raum für mehr Schutz für Frauen gegeben werden. Die Sprecherin der Frauenberatungsstelle NÖ, Elisabeth Cinatl, hielt fest: „Ungleiche Machtverhältnisse sind der Nährboden für Gewalt.“ Täglich kommen in Niederösterreich zehn Frauen in die NÖ Frauenberatungsstellen und suchen Hilfe zum Thema Gewalt, insgesamt ist rund die Hälfte davon psychischer Gewalt ausgesetzt. Knapp zehn Prozent sind Opfer sexualisierter Gewalt mit Traumatisierung. „Wir hören bei jedem einzelnen Fall ganz genau hin und nehmen die Anliegen sehr ernst, geben behutsam Information und nehmen Schutzvorkehrungen vor: Solidarität und ein Miteinander ist uns in diesem Bereich besonders wichtig, nicht zuletzt werden durch Informationsveranstaltungen das öffentliche Bewusstsein gegen Gewalt an Frauen gestärkt.“

Jede fünfte Frau in Österreich ist betroffen

Neun von zehn Opfern von Gewalt in der Partnerschaft seien Frauen. In Österreich ist zumindest jede fünfte Frau ab dem 16. Lebensjahr in ihrem erwachsenen Leben von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. In einem hohen Ausmaß würden Kinder Zeugen der Gewalt, beziehungsweise ebenso misshandelt. Dass rund drei Viertel aller misshandelten Frauen Verletzungsfolgen davontragen – auch wenn nur etwa ein Viertel medizinische Hilfe in Anspruch nimmt - mache deutlich, dass die Mitarbeiter im Gesundheitswesen eine zentrale Rolle beim Verlauf der Hilfestellung und der Prävention von weiterer Gewalt spielen.

 “Ein Netz an Einrichtungen“

Maria Imlinger, Leiterin des Frauenhaus St. Pölten: „In den Pionierzeiten waren Frauenhäuser die einzigen Institutionen, die konkrete Hilfe und Unterstützung angeboten haben. Mit den Jahren ist ein Netz an Einrichtungen entstanden, die sich aktiv an der Arbeit und Intervention bei Gewalt in der Partnerschaft beteiligen. Wichtige Kooperationspartner in Niederösterreich im Bereich Gewalt- und Opferschutz sind neben Politik, Polizei, Justiz, etc. die Frauenberatungsstellen, das Gewaltschutzzentrum, klinikinterne, interdisziplinäre Opfer- und Kinderschutzgruppen in den NÖ Landeskliniken und weitere Beratungsstellen, wie das NÖ Frauentelefon 0800 800 810.“

Großer Bedarf

In Niederösterreich bieten sechs Einrichtungen Schutz und Wohnmöglichkeit: Amstetten, Mistelbach, Neunkirchen, St. Pölten, Mödling und Wiener Neustadt. 2016 konnten diese Einrichtungen 229 Frauen und 233 Kinder zu Hilfe kommen. Die Hemmschwelle „an die Öffentlichkeit zu gehen“ sei für viele Frauen noch immer groß. „Es braucht viel Mut die Scham zu überwinden und nicht länger zu verstecken, was in den eigenen vier Wänden passiert“, beschreibt die Leiterin des Frauenhauses Neunkirchen, Barbara Prettner. Vor allem wenn eine Frau heftige psychische Gewalt, Drohungen und absolute Kontrolle erlebe sei es wichtig sie zu informieren und darin zu bestärken, dass sie Gewalt, Drohungen und Demütigungen nicht über sich ergehen lassen müsse.

Beratungsstellen im Überblick:

NÖ-Frauentelefon: 0800/800810

www.noe.gv.at/noe/Frauen/frauenhaeuser.html

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haltdergewalt

Frauenhelpline

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