Aktion gegen den Fachkräftemangel
ST. PÖLTEN, NÖ. Niederösterreichweit fehlt es an rund 17.000 Fachkräften. Um dem entgegenzuwirken hat das Land gemeinsam mit den Sozialpartnern eine „Lehrlings- und Fachkräfteoffensive 2018“ ins Leben gerufen. Kostenpunkt: 900.000 Euro

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und der für Arbeit zuständige Landesrat Karl Wilfing (Beide ÖVP) haben heute gemeinsam mit den Sozialpartnern Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich, Karl Fakler, Landesgeschäftsführer des AMS Niederösterreich, Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich, und Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich ein neues Programm präsentiert. „Das Thema Bildung und Ausbildung ist das zentrale Thema, um am Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft bestehen zu können“, führte die Landeshauptfrau aus, „dass jeder zweite Arbeitslose keine Ausbildung hat“. „Deshalb investieren wir in Niederösterreich jährlich fünf Millionen Euro in Weiterbildungs- und Ausbildungsmaßnahmen.“ Durchschnittlich seien an die 600.000 Menschen beschäftigt, die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich habe 2017 im Schnitt um 3,1 Prozent weniger als 2016 betragen, das Wirtschaftswachstum für das Jahr 2017 sei bei 2,9 Prozent gelegen und die Prognosen für 2018 zeigten, dass dieses bei 3,3 Prozent liegen werde, hielt Mikl-Leitner fest: „Niederösterreich ist auf Kurs.“
Volle Auftragsbücher, zu wenig Personal
Aus Gesprächen mit Unternehmern wisse man, dass die Auftragsbücher zwar voll seien, aber es einen Mangel an Lehrlingen und Fachkräften gebe. „Das Schlimmste für ein Unternehmen ist es, Aufträge zu haben, sie aber nicht erfüllen zu können, weil es zu wenig Fachkräfte hat, die diese Aufträge ausführen können“, so Mikl-Leitner. Gleichzeitig wisse man aber, dass es aktuell rund 7000 Menschen in Niederösterreich gebe, die ihre Ausbildung abgebrochen hätten – diese müsse man auffangen, so die Landeshauptfrau. Daher habe man sich mit allen Sozialpartnern darauf verständigt, eine Lehrlings- und Fachkräfteoffensive zu starten. Gerade bei jungen Menschen wisse man, dass derartige Maßnahmen nachhaltige Erfolge verzeichnen könnten.
Drei Maßnahmen
Um eine Verbesserung der Situation zu erlangen, wurden nun drei Maßnahmen geschnürt. Einerseits gibt es noch heuer in jedem Bezirk Lehrling- und Karriereclubbings, um den jungen Leuten Berufsfelder und Chancen aufzuzeigen. Man wolle Schüler mit den Betrieben zusammenführen und dabei seien die Schulen ein wichtiger Partner. Gestaltet werden sollen diese Clubbings auf Grundlage von zwei Best-practice-Beispielen, nämlich der Initiative „mein – lehrbetrieb“ aus dem Ybbstal und die Berufsinformationsmesse und Lehrstellenbörse Hainfeld. Als zweite Maßnahme werden Lehrstellen- und Karriere-Coachings installiert. Die Karriere-Coaches sollen den Jugendlichen beratend den Zugang zu Lehrstellen, Fördermöglichkeiten und Anrechnungen erleichtern. Dazu werde bei der Wirtschaftskammer Niederösterreich eine eigene Hotline als Service-Angebot für Jugendliche bis 25 Jahre eingerichtet. Bei der dritten Maßnahme handle es sich um ein Sonderprogramm mit dem Titel „NÖ Lehre PLUS“ als Bildungsförderung explizit für Lehrlinge und Auszubildende. Diese seien von der regulären Bildungsförderung ausgeschlossen, daher werde man diese nun erweitern, um Lehrlingen und Auszubildenden dadurch bessere Startvorteile zu geben, so die Landeshauptfrau. Als Zusatzkompetenz können etwa Sprachen, IKT-Kurse oder Lenkerberechtigungen erworben werden. Gefördert werden 50 Prozent der Kurskosten bis maximal 2500 Euro (innerhalb von drei Jahren), so Mikl-Leitner.
„Wirtschaft braucht nicht nur Master, sondern auch Meister“
Wirtschaftskammer-Präsidentin Zwazl betonte: „Die Wirtschaft braucht nicht nur Master, sondern auch Meister!“ Die Lehre sei zwar schon besser gestellt, es sei aber das Ziel, dass sie „als gleichwerte und hochqualifizierte Ausbildung von allen gesehen wird“. Man wolle eine verpflichtende Berufsorientierung in den Schulen, es müsse bereits in der Volksschule damit begonnen werden den Schülern zu zeigen, welche Möglichkeiten es gebe, so die Präsidentin.
AMS-Chef Fakler: „Gleichwertige Karrierechance“
„Wir verbreitern das Angebot und stärken unsere Maßnahmen“, bedankte sich auch AMS-Landesgeschäftsführer Karl Fakler für die Initiative. Betriebe würden verstärkt Fachkräfte suchen, hier müsse man ansetzen, denn sonst könne man die Konjunktur nicht nutzen. Eine Lehre solle „als gleichwertige Karrierechance wie eine HTL oder Matura“ angesehen werden. Um Betrieben einen Anreiz zu geben, Lehrlinge einzustellen die älter als 18 Jahre seien – diese würden höher als ein 16-Jähriger Lehrling entlohnt werden müssen – werde man diesen 900 Euro pro Monat bei voller Lehrzeit von drei Jahren bezahlen.
AK-Wieser: „Hervorragende Sozialpartnerschaft“
„Für uns als Arbeiterkammer ist es eine besondere Freude, jungen Menschen Möglichkeiten zu geben, sich bestens zu orientieren“, so Arbeiterkammer-Präsident Wieser. Seit über 20 Jahren würde die Arbeiterkammer Berufsmessen durchführen – nicht nur in St. Pölten, sondern auch in Bad Vöslau. Über 9000 junge Menschen würden dabei angesprochen werden und es gebe auch immer zwei Elterntage, führte Wieser aus, dass man auch die Eltern miteinbeziehen müsse, weil diese ein wesentlicher Faktor bei der Berufswahlentscheidung ihrer Kinder seien. „Die Sozialpartnerschaft funktioniert hervorragend“, bedankte sich der Präsident.
Viele freie Jobs in der Industrie
Einen großen Personalbedarf gibt es neben dem Gewerbe und dem Handel vor allem in der Industrie. Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung NÖ (IV) meinte dazu: „Als Industrie stellen wir fest, dass viele Jobs im technischen Bereich nicht mehr besetzt werden können.“ Er bedankte sich dafür, „dass wir gemeinsam eine Plattform auf die Füße stellen konnte“, mit der man Maßnahmen setze, „die dazu führen, dass wir mehr Fachkräfte bekommen. Unsere Industrie steht in einem starken internationalen Wettbewerb“, informierte Salzer, dass es schwierig sei, Investitionen nach Niederösterreich zu holen, wenn es keine Fachkräfte gebe. „Die Lehrausbildung ist für uns ein Jobgarant“, so der IV-Präsident. Man müsse sich auch damit auseinandersetzen, wie man Kinder bereits im Kindergarten spielerisch für Technik begeistern könne.
Wilfing: „Großartiges Miteinander“
Landesrat Wilfing meinte, dass die Lehrlings- und Fachkräfteoffensive „ein großartiges Beispiel des Miteinanders“ sei, „die Sozialpartnerschaft funktioniert hervorragend“. Der ÖVP-Mandatar hob in diesem Zusammenhang auch den Territorialen Beschäftigungspakt hervor, die Lehrlings- und Fachkräfteoffensive 2018 sei „eine Ergänzung zu den bestehenden Maßnahmen“. Ein wichtiges Instrument sei auch der Arbeitsmarktgipfel, „um nachzudenken, was es zielgerichtet an Ergänzungen braucht“.


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